Nach Aus für Senioren-Residenz: Möblierte Apartments im Castra Regina Center

Nach dem Auszug von Kursana will der Eigentümer, ein Immobilienriese, das Castra Regina Center am Hauptbahnhof Regensburg weiter vermarkten. Auch das Hotel soll wiederbelebt werden.
Da staunten so manche Angehörige von Senioren, die im Herbst aus demKursana-Pflegeheim und dem Betreuten Wohnenausziehen mussten, nicht schlecht: Der Eigentümer des Castra Regina Centers wirbt damit, dass man sich die seit Oktober leerstehenden Räume mieten kann. Ansprechpartner ist die Swiss Life Asset Managers Deutschland GmbH. DieImmobilientochter des gleichnamigen Konzerns, der Finanz- und Versicherungslösungenanbietet, hat laut Jahresabschluss im Jahr 2021 ein Ergebnis von 19 Millionen Euro nach Steuern erzielt. Das Castra Regina Center in der Nähe des Regensburger Hauptbahnhofs gehört dem Konzern.
Streit über Sanierung
HinterKursana steht der Konzern Dussmann aus Berlin. Offenbar wurden sich die beiden Unternehmen Swiss Life Asset Managers und Dussmann nicht darüber einig, wie es bei der anstehenden Sanierung des Objekts weitergehen sollte. Dussmann führte ins Feld, dass man wegen der einschlägigen Pflegegesetze verpflichtet sei, bestimmte Modernisierungsmaßnahmen vorzuweisen. Die Stadt Regensburg, die zeitweilig nach dem überraschenden Aus des Seniorenheims in die Kritik geriet, konterte mit Übergangsfristen von 25 Jahren für die Sanierungen.
Swiss Life Asset Managers inseriert Räumlichkeiten
Jetzt stehen Teile des früheren Heimes jedenfalls zur Vermietung an, wie ein Sprecher von Swiss Life Asset Managers bestätigte. Demnach handelt es sich bei den auf einschlägigen Immobilien-Seiten annoncierten Räume „um einen Teil der ehemals von der Kursana GmbH genutzten Flächen“, sagte Martin Marsmann, ein Sprecher des Immobilien-Inhabers Swiss Life. Keinen Hehl macht das Unternehmen darüber, dass man den Auszug der Senioren bedauert. „Die Verhandlungen wurden langanhaltend geführt, dass wir uns am Ende über die Verlängerung des Mietvertrages nicht einig wurden, bedauern wir sehr“, so Marsmann weiter. Weitere Details der Verhandlungen zwischen Kursana und Dussmann wollte man allerdings nicht nennen. „Da keine Einigung über eine Verlängerung des Vertrags erzielt werden konnte, werden die Flächen nun umgestaltet, um sie wieder der Vermietung zuzuführen“, heißt es.
Gebäude wurde 2009 saniert
Der Konzern, dessen Dachfirma in Zürich ihren Sitz hat, hat nun offenbar auch einen Plan, wie es insgesamt weitergeht. Auf den inserierten 199 Quadratmeter Flächen wünscht man sich Arzt- oder Physiotherapie-Praxen. Weite Teile des Hauses werden bereits im Zusammenhang mit Medizin-Dienstleistungen genutzt. Das Center direkt am Regensburger Hauptbahnhof, also eigentlich in bester Lage, wurde 1989 errichtet, ist aber offenbar in Teilen bereits schon wieder sanierungsbedürftig. 20000 Quadratmeter Fläche hält das Center vor. 2017 wurde es in den Immobilienfonds von Swiss Life aufgenommen, wie es weiter auf der Homepage des Unternehmens heißt.
Kursana-Seniorenresidenz noch auf der Homepage
Auf der Homepage der Swiss Life wirbt das Unternehmen auch noch mit der Seniorenresidenz, die zwischenzeitlich ausgezogen ist. Die Kursana-Residenz war zweigeteilt: Zum einen wurde es als Pflegeheim betrieben. Zum anderen aber mieteten sich hier Senioren ein, um auf Dienstleistungen eines Betreuten Wohnens zurückgreifen zu können. Angesichts einer nicht nur älter, sondern auch gesund alt werdenden Bevölkerung genießt Betreutes Wohnen zunehmende Beliebtheit. Allerdings hatte die kurzfristige Ankündigung der Aufgabe des Heimes nach langen geheimen Verhandlungen auch eine Schattenseite dieses Modells ans Licht gefördert: Die Verträge hatten Fallstricke bei den Kündigungsfristen.
Keine Einigung über Brandschutz-Sanierung
Ob die Residenz wirklich so abgewirtschaftet war, dass man nicht noch gut und gerne weitere zehn Jahre ein solches Heim und ein Betreutes Wohnen hätte betreiben können, daran kommen nach der Lektüre des Immobilien-Inserats jedenfalls Zweifel auf. Die Swiss Life wirbt hier mit einer gehobenen Qualität der Ausstattung, einer Zentralheizung, sowie einem Modernisierungsstand von immerhin 2009. Doch Swiss Life möchte offenbar weiter umbauen. Vor allem ein Feld, das derzeit großes Wachstum erfährt in Regensburg, möchte das Unternehmen nun in den Blick nehmen: Die sogenannten Serviced Apartments. Der Bedarf dafür ist groß, weil immer mehr Fachkräfte für einige Monate in die Domstadt kommen, um in einer der großen Kliniken oder in den Industrieunternehmen zu arbeiten. Der Swiss Life-Sprecher sagt: „Die Flächen des ehemaligen Betreuten Wohnens werden einer Nutzung als Serviced Apartments zugeführt. Die ehemalige Pflegestation wird, wie bereits im Gebäude vorhanden, in weitere Praxisflächen ausgebaut.“ Auch Büros seien vorstellbar.
Apartments mit Leistungen
Solche Serviced Apartments sind ein Angebot zwischen Ferienwohnung und Hotel. Die Nutzung von Wohnraum als Ferienwohnungen bremste die Stadt 2019 aus, da sie befürchtete, dass der Trend den angespannten Wohnungsmarkt weiter aufheizt. Zwischen 2014 und 2018 stieg die Zahl von 150 auf 376 Ferienwohnungen. Die Zweckentfremdungssatzung gilt aber nur für Wohnraum, nicht für solche Apartments. Im Castra Regina Center ist die gewerbliche Nutzung ja bereits genehmigt.
Was geschieht mit dem Hotel im Center?
Insolvenz:2021 meldete die Hotelkette Star Inn ein Insolvenzverfahren an. Sieben Standorte, darunter das Star Inn im Castra Regina Center, wurden sofort geschlossen. Zwischenzeitlich ist das Star Inn aber ausgezogen, sagt der Insolvenzverwalter.
Neuanfang:Die Swiss Life Asset Managers will von einer Hotelnutzung aber nicht absehen, im Gegenteil: „Star Inn ist nicht mehr Mieter. Wir planen jedoch künftig weiterhin mit einer Hotelnutzung für die ehemaligen Star Inn Fläche“, sagt ein Sprecher.