In Neunburg gibt es zum vierten Mal in Folge keine Wiesn: Das sind die Gründe

Auf der Wiesn in Neunburg wurde jedes Jahr ausgelassen gefeiert – zumindest bis 2019. Dann kam Corona und die Veranstaltung musste wiederholt abgesagt werden. Trotz Pandemie-Ende wird es auch heuer keine Wiesn geben. Das sind die Gründe.
Die Stadt Neunburg hatte am Montag zu einem Pressegespräch eingeladen. Das Thema blieb bis zuletzt ein Geheimnis. Kurz nach 16 Uhr platzte die Bombe: Das traditionelle Volksfest findet nicht statt. Das Planungsteam traf diese Entscheidung bei seiner jüngsten Sitzung.
Nun saßen die Mitglieder jenes Gremiums, die zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU) und Werner Dietrich, Leiter der Tourist-Info, im Ratssaal, um die Gründe für die erneute, nunmehr vierte Absage in Folge zu erklären.
Die Entscheidung sei „schweren Herzens“ erfolgt, betonte CSU-Stadtrat Georg Schmid. Es habe nicht daran gelegen, dass die Neunburger Vereine nicht mitwirken wollten, sondern sei eher darin begründet, dass sie in der derzeitigen Umbruchphase einfach nicht könnten, führte er aus.
Mitgliederschwund durch Corona
Durch die Pandemie hätten die Vereine Mitglieder verloren. Dadurch reduziere sich auch die Zahl der potenziellen Helfer bei der Wiesn. Schmid verdeutlichte die Situation am Beispiel der Feuerwehr Neunburg, deren Vereinsvorsitzender er ist: Von den 350Mitgliedern seien 65 aktiv, 18 Jugendliche, 35 Kinder, zehn Frauen und der Rest zahle nur seinen Beitrag.
Hinzu komme, dass die Kameraden beinahe jeden dritten Tag ausrücken müssten. 2022 hatte die FF gut 140 Einsätze, so Schmid. Außerdem habe im Dezember die Modulare Truppausbildung begonnen, die bis April dauere. Ihr werde alles untergeordnet, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr aufrechterhalten zu können, meinte Schmid. Eine Übernahme von weiteren Aufgaben sei daher nicht möglich, ergänzte er.
Messe und Starkbierfeste – Vereine stark gefordert
Auch andere Vereine seien stark eingebunden – so zum Beispiel mit der Planung und Durchführung von Starkbierfesten, mit Eigenleistungen beim Bau der Dorfgemeinschaftshäuser in Kleinwinklarn und Kemnath bei Fuhrn oder mit der Vorbereitung der Schwarzachtalmesse im April 2023. Der Wille war da, aber die Vereine seien mit anderen Aufgaben zu ausgelastet gewesen.
Weitere Gründe für die Absage seien der Wechsel bei einigen Vereinsführungen, aber auch Kostengründe bedingt durch Inflation und Corona.
DieVereine sollten an der Ausrichtung der Wiesn beteiligt werden.Das war das erklärte Ziel nach dem Volksfest 2019. Die Stadt fragte in der Folge die Vereine an, inwieweit sie sich bei der Vorbereitung und Durchführung einbringen könnten. Der Rücklauf war gering: Zehn Vereine erklärten sich bereit, mitzumachen.
Immer weniger Vereine wollten mitmachen
Die Zahl habe sich später auf vier bis fünf reduziert. Gerade, nachdem entschieden wurde, das Altstadtfest-Modell anzuwenden. Demnach würden einzelne Vereine einzelne Bereiche beim Volksfest eigenverantwortlich übernehmen. Alternativ stand das Beachparty-Modell im Raum. Dabei wären alle Einnahmen in einen Topf geflossen und danach an die Vereine ausgeschüttet worden.
Man sei kein Freund vom Altstadtfest-Modell, akzeptierte die damalige Entscheidung aber, erklärte Martin Scharf, Fraktionschef der Freien Wähler und Vorsitzender des TC Neunburg, mit Blick auf seinen Verein.
Bis zuletzt die Stange gehalten hatte der Handballverein Neunburg. Die Handballer hätten den Getränke- und Alkoholausschank übernommen, wie deren Vorsitzender Fritz Weig erklärte. Mit den Einnahmen hätten auch die Fahrten zu den Wettkämpfen finanziert werden können. Außerdem wäre die Wiesn eine Möglichkeit gewesen, auf den Verein aufmerksam zu machen und Mitglieder zu werben. Deshalb finde er die Absage schade, kann sie aber auch verstehen.
Wiesn 2024? – Stadtrat muss zeitnah entscheiden
Ob es 2024 eine Wiesn geben soll, müsse der Stadtrat zeitnah entscheiden, so der Tenor des Planungsteams. Georg Schmid rechnet damit, dass man dann mehr Vereine überzeugen könnte, weil die Belastungen weniger werden. Es bräuchte wenigstens zehn Vereine, um das Volksfest stemmen zu können. Fritz Weig ist überzeugt, dass es auch eine Wiesn ohne die Beteiligung der Vereine geben könnte. Er geht davon aus, dass es so laufe wie vor Corona, als ein Festwirt die Wiesn gestemmt hatte.
Einig sind sich alle, dass,wenn es eine Wiesn gebe, diese auch gut laufensolle. Heuer sei das nicht möglich gewesen.