Fußgänger*innen im Stadtrats-Papier: Regensburger Tiefbauamt gendert jetzt

Wenn sich der Winter dem Ende zuneigt, stellt die Stadt Regensburg im Straßenerhaltungsprogramm ihre Baustellen vor. Neu ist, dass in diesem Jahr in der Beschlussvorlage für die Stadträte auch Fußgänger*innen und Zweiradfahrer*innen auftauchen.
Mit dem Weltfrauentag an diesem Mittwoch, 8. März, haben die Gendersternchen nichts zu tun. Diese haben es vielmehr in die Beschlussvorlage des Tiefbauamts geschafft, weil es bei der Stadt in Sachen Gendern recht „kunterbunt“ zugeht, so sagt es Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra.
Stadt hat noch keine konkreten Leitlinien fürs Gendern
Zwar lege die Stadt großen Wert auf geschlechtergerechte, diskriminierungsarme und einfache Sprache. Konkrete Leitlinien zum Thema geschlechtergerechte Sprache erarbeite die Gleichstellungsstelle aber erst. Grundsätzlich folge die Stadt der gängigen Amtssprache – in der gibt es keinen Genderstern. Allerdings sei bei „Veranstaltungsflyern, Postkarten, Posts oder Jahresberichten, die keinen formellen Rechtsauftrag besitzen“, das Sonderzeichen zur „zielgruppenspezifischen Ansprache“ erlaubt.
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) selbst spricht einstweilen klassisch von Bürgerinnen und Bürgern. Im Stadtrat dagegen ist die Mini-Pause, mit der das Sternchen gesprochen wird, regelmäßig zu hören, insbesondere von jüngeren Stadträten. Stadtsprecherin von Roenne-Styra sagt: Die OB sei erst für die amtliche Verwendung des Gendersterns, „wenn er in das Amtliche Regelwerk der deutschen Sprache aufgenommen wird“. „Solange es keine allgemeingültige Regelung dazu gibt beziehungsweise die Regel nicht gelehrt wird, ist die Vermittlung schwierig“, so gibt die Sprecherin die Haltung der OB wieder. Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) sagte bereits 2021 im Interview, sie finde, man solle mit Sprache nicht Politik machen. Auch gelte: „Eine Verwaltung sollte sich an die amtlichen Vorgaben halten.“ Korrekt seien Binde- oder Schrägstrich, nicht Sternchen.
CSU-Ministerpräsident Markus Söder macht bekanntlich durchaus Politik mit dem Thema. Er beklagte schon 2022 einen„Zwang zum Gendern“, ließ sogar die Leitlinien der Hochschulen überprüfen.
Freistaat: Gendersternchen sind tabu
Im Leitfaden des Innenministeriums, an den sich auch die Regierung der Oberpfalz hält, steht: „Verwenden Sie bitte keine Schrägstriche, Klammern, großes ,Binnen-I‘ oder Sternchen.“ Auch das Landratsamt verweist auf die Vorgaben aus München. „Sprachliche Grundlage“ sei der Duden, zudem orientiere sich die Behörde am Vorgehen der Nachrichtenagentur dpa, sagt Sprecher Hans Fichtl. „Sonderzeichen verwenden wir in offiziellen Dokumenten nicht.“ Das gelte auch für Beschlussvorlagen. Die Behörde spreche in der Regel Frauen und Männer „binär“ an, also als „Bürgerinnen und Bürger“, binde in Texten jedoch auch offene Formulierungen ein; dazu gehören etwa die „Beschäftigten“. Ziel sei eine „Sprache, die niemanden ausschließt und Wertschätzung und Respekt vermittelt“.
Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) sagt, eine sprachliche Gleichberechtigung von Amtsträgerinnen sei „längst fällig“: „In der Kommunalwahl 2020 in Bayern fehlten zum Beispiel weibliche Bezeichnungen auf Wahlzetteln, so dass ich wahlrechtlich zum Landrat gewählt wurde“, sagt die Kommunalpolitikerin.