Das sind Regensburgs marodeste Straßen: Wo wird saniert?

Zahlreiche Straßen in Regensburg sind „überaltert, beschädigt und verbraucht“, so formuliert es die Stadt in ihrem „Straßenerhaltungsprogramm“. Aber auch Straßen, die eine Sanierung bräuchten, bleiben 2023 in der Warteschleife.
Ab dem Frühjahr bessert die Stadt Risse und Spurrinnen aus. Angesichts vieler Schäden und begrenzter Mittel müssen häufig Reparaturen reichen. Das Tiefbauamt erklärt in der Beschlussvorlage für die Stadträte, die Straßen würden immer stärker beansprucht: Der Verkehr nehme zu, insbesondere der Schwerverkehr mit Fahrzeugen, die schwerer sind als 3,5 Tonnen. Ver- und Entsorgungsunternehmen und zunehmend auch Telekommunikationsfirmen grüben die Straßen auf. Dazu komme „der hohe Anteil von Straßen, die ihre übliche Nutzungsdauer bereits erreicht beziehungsweise überschritten haben“. Das betreffe zum Beispiel alle in den Jahren von 1960 bis 1985 gebauten Straßen.
Besonders marode ist nach Angaben der Stadt beispielsweise die Erzbischof-Buchberger-Allee, wo sich vorm Von-Müller-Gymnasium eine Pfützenlandschaft auftut. Die Ostpreußenstraße im Stadtnorden ist stellenweise vor allem Flickwerk. Für beide Straßen gebe es keinen Sanierungstermin.
Holprige Fahrt auf der Bajuwarenstraße
Deutlich bemerkbar machen sich die vielen geflickten Stellen in der Bajuwarenstraße im Kasernenviertel, sagt auch Fahrlehrer Alfons Hemauer. „Das dürfte mittlerweile die marodeste Straße in Regensburg sein.“ Auf einer Skala von eins bis sechs bekomme sie bei ihm eine fünf. Schlimm finde er das aber nicht. „Eine schlechte Straße ist mit Sicherheit die beste Verkehrsberuhigung.“ Er nutze die Bajuwarenstraße, um seinen Fahrschülern zu zeigen, was angepasste Geschwindigkeit bedeute: Hier sollten sie maximal 35 fahren, damit es nicht zu ruckelig wird. Auf seiner Rangliste der holprigsten Straßen folgen auf den Plätzen zwei und drei die Liebhartstraße in Leoprechting und die Augustenstraße, die am Gericht vorbei in den Westen führt – letztere wird 2023 zur Baustelle, heißt es aus der städtischen Pressestelle.
Relativ glatt wirkt dagegen derzeitdie ebenfalls stark geschädigte Fahrbahn der Nibelungenbrücke. Hier war die Stadt allerdings schon im Dezember im Notdiensteinsatz. Der Frost-Tau-Wechsel vor Weihnachten hatte unter anderem ein Medizinball-großes Schlagloch in die Straße gerissen. Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sagt: Nachteil von solchen Reparaturen sei, dass an diesen Stellen regelmäßig nachgebessert werden müsse. Im August will die Stadt eine neue Deckschicht einbauen. Bauzeit sei der gesamte Monat. Es werde jeweils eine Fahrtrichtung gesperrt, Kraftfahrzeuge müssten über den Odessaring ausweichen, Linienbusse nicht.
Großbaustelle am Knotenpunkt Kirchmeierstraße/Friedenstraße
Auch am Knotenpunkt Kirchmeierstraße/Friedenstraße erneuert die Stadt 2023 den Asphalt. Sie will die Kreuzung ohnehin sicherer gestalten – wann genau, ist noch nicht bekannt. Sicher ist: Es wird Sperrungen geben. Auch für den Busverkehr sei das eine „Riesen-Geschichte“, sagt Busunternehmer Edgar Söllner, der vor diesem Hintergrund sagt, marode Straßen störten ihn und seine Fahrer derzeit wenig. „Ich habe eher Angst vor den ganzen Renovierungsarbeiten, die jetzt anstehen.“
Die Bajuwarenstraße kommt 2023 nicht dran. Dabei stellte die Stadt schon 2020 im Grundsatzbeschluss für einen Ausbau samt Sanierung „augenscheinlich zunehmende Mängel an der Bausubstanz“ fest, außerdem Sicherheitsdefizite.
Aus Sicht von Fahrlehrer Hemauer gilt ohnehin, in anderen Städten holpere es viel mehr unter den Reifen. „Regensburgs Straßen sind top.“
Das Straßennetz
Umfang:Die Stadt ist Baulastträger eines Straßennetzes von circa 468 Kilometern Länge, das einem geschätzten Anlagevermögen von 250 bis 350 Millionen Euro entspricht. Für dessen Unterhalt sind im Verwaltungshaushalt 2023 1,63 Millionen Euro eingeplant. Für die Erneuerung von Verkehrsflächen, Entwässerungsanlagen und die Ergänzung von Rohranlagen stehen im Vermögenshaushalt 1,8 Millionen Euro zur Verfügung.
Baustellen:In der Straubinger Straße erneuert die Rewag 2023 den Kanal. Die Frankenstraße stadteinwärts zwischen der Zufahrt Winzer und der A93-Anschlussstelle bekommt einen neuen Oberbau.

