Ortsumgehung Rötz: Eine erste Bilanz der Anwohner – Die Meinungen sind geteilt

Seit der Verkehrsfreigabe der Ortsumgehung ist es ruhiger geworden in der Rötzer Innenstadt. Wir haben Anwohner und Geschäftsleute entlang der Ortsdurchfahrt befragt, wie sie die neue Situation bewerten.
Mit einem großen Festakt wurde am 21. Dezember die neue Rötzer Ortsumgehung für den Verkehr freigegeben.Das Ziel: Geringere Verkehrsbelastung und weniger Schwerlastverkehr auf der Durchgangsstraße in der Innenstadt.
Mögliche positive Nebeneffekte: Die Zahl der „Spiegelstreifer“ und Bagatellunfälle zu verringern, die Innenstadt mit weniger Verkehr wieder zu einem Ort der Begegnung zu machen und weniger Lärmbelästigung der Anwohner. Wir haben Anwohner und Geschäftsleute befragt, welche Bilanz sie nach zweieinhalb Monaten Ortsumfahrung ziehen.
„Jeder nutzt kürzesten Weg“
Ingrid Heimerl lebt seit Jahrzehnten in der Hussenstraße, die direkt an der Ortsdurchfahrt liegt. Ein-, zweimal pro Woche fährt sie nach Neunburg vorm Wald und hat festgestellt: „Von den Pkw her ist es auf der neuen Ortsumgehung noch recht ruhig.“ Das Ziel, weniger Schwerlastverkehr auf der Rötzer Ortsdurchfahrt zu haben und damit weniger Lärm, sei dagegen auf jeden Fall erreicht worden – was sehr angenehm sei. Zuvor habe man ständig mitbekommen, dass die Autospiegel weggefahren worden seien, auch das habe sich gebessert.
Johann Ruhland lebt in der Böhmerstraße. Morgens, so sein Eindruck, habe sich nicht viel verändert, nach wie vor würden sich wohl viele ihren Kaffee oder ihre Brotzeit in Rötz holen. Zu Zeiten des Feierabendverkehrs hingegen sei deutlich weniger los entlang der Ortsdurchfahrt. Für ihn sei der Schwerverkehr früher keine Belastung gewesen, da das Haus der Familie dichte Kunststofffenster besitze. Draußen im Hof merke man den Unterschied jetzt aber schon deutlich.
Birgit Haberl von der AVIA Tankstelle: Haberl kann der Baumaßnahme nicht viel Positives abgewinnen: „Für die Geschäftsleute in Rötz ist die Ortsumgehung nicht das Nonplusultra.“ Das Ziel sei erreicht, denn „es fahren weniger durch Rötz“ – nur frequentieren dann natürlich auch weniger Kunden die Tankstelle. Anfang des Jahres habe man noch nicht sagen können, ob es tatsächlich an der neuen Ortsumfahrung liegt, da zu dem Zeitpunkt bei einigen Firmen nicht (in voller Besetzung) gearbeitet worden sei. Nun spüre man die Veränderung aber: „Wir haben zwar viele Stammkunden, die nach wie vor zu uns fahren, aber wir merken es schon“, sagt Birgit Haberl. Pkw seien es deutlich weniger geworden, und Lkw würden kaum noch durchfahren – nur noch diejenigen mit einem Zielpunkt in Rötz.
Doch nicht nur deshalb steht sie der nun fast abgeschlossenen Baumaßnahme kritisch gegenüber: Immerhin sei dadurch viel Grünfläche zerstört worden, und auch bei Kosten von rund elf Millionen Euro frage man sich, „ob das noch verhältnismäßig ist“. Und werde das Ziel, die Ortsmitte zu beleben, nicht verfehlt, wenn man die Geschäfte durch das Umleiten des Durchgangsverkehrs schädige?
Christine Decker schließt sich dieser Meinung an: Sie selbst sei mit der Metzgerei Decker Geschäftsfrau und zugleich Anwohnerin der Ortsdurchfahrt. Es sei ein zweischneidiges Schwert: Sicherlich hätten sich die Hoffnungen der Anwohner erfüllt, dass es durch die Reduzierung vor allem des Schwerlastverkehrs ruhiger wird – für sie selbst sei dies früher nie eine Belastung gewesen. Doch für sie als Geschäftsfrau sei die Entwicklung denkbar schlecht. Deshalb habe sie damals – bevor der Beschluss gefasst worden sei, die Ortsumfahrung zu bauen – auch die Möglichkeit genutzt, schriftlich ein Veto dagegen einzulegen.
Mittlerweile spüre man deutlich, dass der Durchgangsverkehr fehle. „Natürlich hat man seine Stammkundschaft“, sagt auch Christine Decker. Doch jeder nutze meist den kürzesten Weg, und die Geschäfte entlang der Böhmerstraße liegen nun nicht mehr auf der Route der meisten Lkw-Fahrer, da sie Rötz umfahren.
Für Inge Schafbauer, die die Bäckerei in der Böhmerstraße führt, ist es momentan noch verfrüht, eine Bilanz zu ziehen: Möglicherweise rolle der Verkehr noch nicht richtig über die neue Ortsumfahrung, das ein oder andere Navi müsse vielleicht noch aktualisiert werden. Genutzt werde die Strecke aber mit Sicherheit auch jetzt schon von vielen.
Dieser Meinung ist auch Christian Dirscherl – was die Navis angeht und auch die Jahreszeit: „Es fahren weniger Lkw durch“, sagt der Inhaber der Bäckerei an der Einmündung zur Brückenstraße. Doch auf dem Bau sei derzeit noch wenig los, daher müsse man den Sommer abwarten, um sagen zu können, wie die Situation sich entwickle.
„Beruhigter über die Straße“
Einige Meter entfernt von der Ortsdurchfahrt ist die Metzgerei Hofstetter in der Pfarrstraße. Seine Stammkunden, so Martin Hofstetter, würden ohnehin gezielt zu seiner Metzgerei fahren. Er sieht die neue Ortsumgehung daher ausschließlich positiv: Mit dem Lärm habe er vorher keine Probleme gehabt, doch nun könne man mit den Enkelkindern beruhigter über die Straße gehen.
Der Rötzer Bürgermeister Stefan Spindler sagt, er persönlich sehe die neue Umgehung auf jeden Fall als Entlastung. Doch habe auch er schon festgestellt, dass die Meinungen geteilt seien: Einzelne Bürger hätten sich beschwert, dass auch jetzt noch zu viele Lkw durchfahren würden. Die meisten sprächen aber wie er von einer „Entlastung“. Auch sei seine eigene Beobachtung, so der Bürgermeister, dass viele Pkw-Fahrer ebenfalls schon die neue Umgehung nutzen.
Vorfahrtsregelung:
Diskussion:Ob der Straßenzug Brückenstraße/Hussenstraße beibehalten wird, soll an einem runden Tisch mit Straßenbauamt, Polizei, Landratsamt und Stadt diskutiert werden, so Richard Bosl vom Staatlichen Bauamt.
Abknickende Vorfahrt:Von Seiten der Unteren Verkehrsbehörde am Landratsamt Cham würde eine abknickende Vorfahrt laut Planfeststellungsbeschluss befürwortet.
