Gewaltexzess im Schimmerlos: Türsteher müssen in Regensburg vor Gericht

Mit Schlagstock und Stiefeln gegen Wehrlosen: Vier Mitarbeiter eines Clubs in Regensburg werden sich ab Montag wegen versuchten Totschlags verantworten müssen. Vier Prozesstage hat das Schwurgericht dafür vorerst veranschlagt.
Für vier Türsteher aus dem Schimmerlos geht es ab Montag um „wirklich alles“, wie einer der Verteidiger sagt: Die Männer müssen sichwegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzungvor dem Schwurgericht in Regensburg verantworten. Die Vorwürfe gegen die 34 bis 49 Jahre alten Angeklagten wiegen schwer: Sie sollen brutal auf einen Bewusstlosen eingeschlagen und -getreten haben. Auch ein zweiter Gast, der die Gewaltorgie beenden wollte, soll mit einem Schlagstock malträtiert worden sein.
Der Fall sorgte für Aufsehen: Gleich am ersten Wochenende nach Wegfall der Corona-Beschränkungen soll es im Schimmerlos zu einem Übergriff gekommen sein. Gäste berichteten von unangemessener Gewalt in dem Club nahe des Regensburger Doms. Laut Anklage könnte das Opfer zuvor womöglich übergriffig geworden sein – weibliche Besucher seien angeblich an Brüsten und Po betatscht worden. Deshalb hätten die Sicherheitsmitarbeiter den 37-Jährigen an jenem 3. April, gegen 4.30 Uhr wohl des Lokals verweisen sollen.
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Dabei soll es zum Gerangel gekommen sein, weshalb der Mann am Ende vier Türstehern gegenüberstand. Nach einem Faustschlag ins Gesicht soll ein Hieb mit einem Metallschlagstock den Gast ausgeknockt haben. Dennoch prügelten die Männer laut Anklage weiter auf den wehrlosen 37-Jährigen ein. Ein Türsteher soll danach mindestens dreimal auf den Kopf des Opfers eingetreten haben, ehe der Mann in einen Raum gezerrt wurde. Was dort geschah, ist unklar.
Opfer wurde offenbar vor der Hintertür abgelegt
Gäste riefen nach dem Vorfall offenbar die Polizei, die den Geschädigten vorm Hintereingang des Schimmerlos an einer Treppe im Hinterhof fanden. Mit dem Rettungsdienst kam der 37-Jährige ins Krankenhaus, wo er auf der Intensivstation behandelt werden musste. Die Ärzte stellten ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Trümmerfraktur der Kieferhöhle bei ihm fest. Zudem erlitt er zahllose Riss-, Quetsch- und auch Schürfwunden am gesamten Kopf sowie Oberkörper.
„Das Maß an Gewalt spricht dafür, dass die Angeklagten mit bedingten Tötungsvorsatz gehandelt haben“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher. Deshalb seien die Geschehnisse jener Nacht als versuchter Totschlag angeklagt worden. Erschwerend käme hinzu, dass sie den Mann nach der Attacke sich selbst überlassen hätten. Der 37-Jährige sei „völlig hilflos an der Hintertür abgelegt“ worden, „ohne dass ihm einer Hilfe leistete“.
Zweiter Angriff gegen Schimmerlos-Gast ist Teil der Anklage
Den vier Türstehern wird noch ein weiterer Angriff vorgeworfen: Ein Schimmerlos-Gast, der bei dem Gewaltexzess eingreifen wollte, soll von zwei Angeklagten zu Boden gebracht worden sein. Laut Anklage bekam auch er den Schlagstock zu spüren – davon sollen mehrfache Hämatome an Armen, Hüfte und auch Rücken zeugen.
Ob und welchem der vier Angeklagten die Schläge und Tritte zuzuordnen sind, wird der Prozess zeigen müssen. Dabei werden auch mehrere Augenzeugen zu Wort kommen. Dafür hat Schwurgerichtsvorsitzender Michael Hammer vorerst vier Verhandlungstage angesetzt. Das bestätigte Landgerichtssprecherin Ruth Koller.
Die beiden Geschädigten werden demnach erst am zweiten und wohl am letzten Prozesstag aussagen. Insgesamt will die zweite Strafkammer des Landgerichts 19 Zeugen und zwei Sachverständige anhören. Ein Urteil könnte so frühestens am 20. März fallen.