Aktivisten kleben sich in Regensburg auf der Nibelungenbrücke fest

Die Stadt startete mit einem Kampftag ins Wochenende, der vor allem motorisierten Verkehrsteilnehmern viele Nerven kostete. Wegen des Streiks fuhren fast keine Busse. Am Nachmittag gingen 1200 Anhänger der Fridays-for- Future-Bewegung auf die Straße, was zu kurzzeitigen Sperrungen führte.
Aber für mit Abstand am meisten Aufsehen sorgte am frühen Abend eine Aktion der sogenannten Letzten Generation. Fünf Aktivisten blockierten die Nibelungenbrücke und damit eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Richtung Stadt über alle Fahrspuren.
Sie bauten eine Blockade auf, mehrere Teilnehmer klebten sich auf dem Asphalt fest. Schnell stand die Nibelungenbrücke Richtung stadteinwärts voller Autos, deren Fahrer zum Teil vor Wut schäumten und den Blockierern die härtesten Vorwürfe machten. Andere argumentierten nicht mehr und brüllten Schimpfwörter weit unterhalb der Gürtellinie. Schließlich versuchte eine Autofahrerin, die ausgestiegen war, sogar ein anderes Auto durch die Blockade zu lotsen, was sie aber aufgab.
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Als die Polizei eintraf, gab sie den Aktivisten mehrere Vorwarnungen und löste die Versammlung dann auf, so dass die ersten Autos nach über einer halben Stunde wieder losrollen konnten. Laut Markus Reitmeier, Pressesprecher der Regensburger Polizeiinspektion Süd, konnten bald auch die klebenden Blockierer gelöst werden. „Sie wurden aus dem Gewahrsam entlassen. Die Aktion wird aber eine Anzeige wegen Nötigung nach sich ziehen“, sagte er.
Fahrer schäumten vor Wut
Auf diese Weise wollten sich die Anhänger der so genannten Letzten Generation am globalen Klimastreik beteiligen, um auf die Trockenheit in Frankreich und Italien aufmerksam zu machen und die Politiker zum Handeln aufzufordern. Konkret ging es ihnen um ein 9-Euro-Klimaticket und ein Tempolimit auf den Autobahnen.
Friedlich lief laut Reitmeier der Regensburger Beitrag zum globalen Klimastreik ab.Es kamen allerdings viel mehr Teilnehmer als erwartet. 500 waren angemeldet, 1200 zählte Reitmeier vor Ort. Sie zogen am Nachmittag von Stadtamhof über die Steinerne Brücke zum Schwanenplatz und über die Nibelungenbrücke auf den Wöhrd. Wegen der schieren Menge der Demonstranten kam es auf diesem Weg zu Sperrungen von etwa zehn Minuten. Die Teilnehmer traten für ihr Fünf-Punkte-Papier ein, in dem sie unter anderem eine klimaneutrale Stadt bis 2030, eine autofreie Innenstadt und einen kostenlosen ÖPNV fordern.
Leiser ging es auf dem Omnibusbahnhof und vor den Schwimmbädern zu.Denn Verdi hatte die Beschäftigten der Stadtwerke zum Warnstreik aufgerufen.Deswegen konnten die innerstädtischen Buslinien nicht bedient werden, die Bäder blieben zu.
Laut Verdi-Geschäftsführer Alexander Gröbner waren 300 Beschäftigte diesem Aufruf gefolgt, was er als fulminanten Erfolg bezeichnete. Immerhin hätten sich Angestellte aus allen Bereichen der Stadtwerke am Streik beteiligt.
170 pfiffen, was das Zeug hält
170 davon waren zu der Kundgebung auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke in der Markomannenstraße gekommen und pfiffen so ohrenbetäubend auf ihren roten Trillerpfeifen, dass es einen Mann riss, der eine Limousine in der Autowaschanlage nebenan polierte.
So forderten sie 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber ein Plus von 500 Euro im Monat. „Wir müssen etwas tun, damit die Menschen mit ihrem Einkommen auskommen“, sagt Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) über den Arbeitskampf beim städtischen Tochterunternehmen. Zudem müsse eine Kommune gerade in Zeiten des Fachkräftemangels bei der Lohnentwicklung konkurrenzfähig bleiben. „Doch die Forderungen der Arbeitnehmerseite bringen viele Kommunen an ihre finanziellen Grenzen“, beurteilt die SPD-Politikerin über das Ziel der Gewerkschaft. Und: Sie hoffe auf eine solidarische Einigung.
In den Augen von Martin Gottschalk, Sprecher der Stadtwerke, ist der Streik erwartungsgemäß abgelaufen. „Wir wussten Bescheid und konnten uns darauf einstellen“, sagte er. Allerdings hofft er, dass es bei diesem Warnstreik für einen Tag bleibt und nicht noch mehr Einschränkungen auf die Kunden der Stadtwerke zukommen werden. Gröbner aber kündigte in seiner Rede auf dem Betriebsgelände bereits an: „Wir werden uns sicher in ein bis zwei Wochen hier in Regensburg wiedersehen.“

