Bis zu acht Windräder in den Kelheimer Stadtwald nahe Ihrlerstein

SeitOktober 2021 hegt die Kreisstadt den Plan für Windräder im Stadtwald bei Ihrlerstein. Drei Firmen präsentierten im Stadtrat, wie mit ihnen ein Windpark realisiert werden könnte und was dies für Kommunen wie Anwohner oder Anleger bedeutete.
Windkraft18, der „flexible Newcomer“
Die Windkraft18 GmbH aus Bayreuth ist im Vergleich zu den Mitbewerbern ein sehr junger Betrieb in der Branche. Das vierköpfige Team verfügt laut Geschäftsführerin Mariella Schubert aber über langjährige Branchen-Erfahrung. Aktuell würden sechs Gemeinden und drei Stadtwerke bei Windkraftplänen unterstützt, davon einige aus der Oberpfalz. Windkraft18 steht laut Schubert für „gemeinschaftliches Planen mit Kommunen“. Diese säßen „in jeder Phase und bei jeder Entscheidung mit am Tisch“. Auch Bau und Betrieb eines Windparks liefen gemeinschaftlich: 51 Prozent könnte sich Kelheim, respektive die Stadtwerke als Betreiber beteiligen, zu 49 Prozent die Windkraft18.
Das Unternehmen plante im Stadtwald bis zu acht Windräder, Abstand bis zur Wohnbebauung mindestens 1000 Meter; Planungshorizont: 20 Jahre; Planungskosten für ein Windrad: knapp eine Million Euro; Investition insgesamt: 52,3 Millionen Euro; von 11,2 Mio. Euro Eigenkapital müsste Kelheim 51 Prozent einbringen; Eigenkapital-Rendite: „sechs Prozent plus X“; Kelheim erhielte einen Windpark zum „Entstehungspreis, ohne Marge“. Als jährliche Beteiligung an der Betreibergesellschaft könnten für Kelheim 500.000 Euro herausspringen. Aus der Verpachtung der Standorte jährlich 700.000 Euro sowie ein Gewerbesteuer-Anteil von etwa 110.000 Euro. Eine finanzielle Beteiligung der Bürger in Form von Energiegesellschaften wäre möglich.
Max Bögl, der „Big Player“
Die „Erneuerbare Energien“-Sparte des Sengenthaler Bauriesen Max Bögl ist der „Big Player“ im Kreis der Aspiranten. Standortleiter Christoph Walter stellte heraus, dass sein Unternehmen auch selbst im Turmbau von Windrädern aktiv sei. Die Wertschöpfung bleibe in der Region, im 60 Kilometer entfernten Sengenthal. Zudem sei man immer „am Puls der Zeit, weil man selbst entwickle“. Mit einem speziellen, flächenschonenden Turmdrehkran brauche es auch beim Bau „keine großen Schneisen im Wald“.
Bögl würde den Windpark auf eigene Gefahr und Kosten planen und bauen. „Bis zur Inbetriebnahme des Windparks hätte die Stadt keinerlei Risiken, ab der Inbetriebnahme sind wir raus“, so Walter. Gegebenenfalls könnte das Unternehmen aber auch die Hälfte der Windräder behalten. Falls gewünscht könnte ein Tochterunternehmen den erzeugten Strom direkt vermarkten. Die Sengenthaler würden weniger, dafür die „größtmöglichen“ Anlagen bauen, angedacht seien sechs Windräder mit einer Nabenhöhe von 175 Meter und großem Rotordurchmesser.
Investition insgesamt: 65 Mio. Euro (mit 25 Prozent Eigenkapital-Quote); pro Anlage rechnet Bögl mit einem Stromertrag von 14 Mio. kWh, das reiche für 4000 Häuser. Laufzeit: 25 Jahre; über die gesamte Laufzeit würde es für den Standort eine Pacht von 11 Mio. Euro geben. Als mögliche EEG-Vergütung pro kWh Strom nannte Walter 7,5 Cent.
Stadtwerke wie Bürger könnten sich am Betrieb beteiligen.
UKA, die „Ihrlerstein-Versteher“
Die UKA (Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG) aus Straubing plant, baut und betreut Wind- und Solarparks. Der Fokus liegt auf Windrädern. Seit den 1990ern ist man im Geschäft, „gute Bonität“ sei zertifiziert. Bislang wurden knapp 100 Anlagen im Nutzwald realisiert, 400 laut Georg Konrad und Guido Hedemann insgesamt. Im Vergleich mit den anderen zwei Unternehmen rangiert UKA mit Blick auf die Unternehmensgröße im Mittelfeld. Auch die UKA plante sechs Windräder im Stadtwald. Sie betonte, wie wichtig ihr „Ihrlersteiner Kriterien“ wären. Kelheims Stadtwald liegt bekanntlich auf Ihrlersteiner Gebiet. Wohnbebauung sei ein sensibles Thema, so Konrad. Ein größerer Abstand zu Wohnhäusern erhöhe die Akzeptanz. Deshalb würde UKA die Windräder mindestens 1250, besser noch 1400 Meter entfernt planen. Fünf Anlagen entstünden auf Kelheims Stadtwald, eine auf Flächen privater Eigentümer aus Ihrlerstein. Entsprechend würden auch private Eigentümer von Pachteinnahmen profitieren.
Manko der Präsentation: Als Einziger legte die UKA keine Wirtschaftlichkeitsberechnung vor. Argument: „Wir wissen nicht, was in drei Jahren ist.“ Auf Wunsch könne man sie nachreichen. Planungsleistung finanziere die UKA vor, was dann wie vergütet werde, müsse man aushandeln. Nach der Ausschreibung erhalte der günstigste Anbieter den Zuschlag zum Bau „oder wir bauen zum günstigsten Preis selbst“, so Hedemann.
Kommunen respektive Stadtwerke wie Bürger könnten sich nach flexiblen Optionen an den Windrädern beteiligen. Bis zu 50 Prozent. Neben der Option zu Bürgerenergiegenossenschaften führte Hedemann auch Bürgersparen oder Crowdfinanzierung an.
Zudem sei zur „Erhöhung der Akzeptanz“ der Anlagen ein vergünstigter Strombezug für Anwohner denkbar. Anrainer könnten im Umkreis von 2000 bis 3000 Metern profitieren. Knapp 1300 Häuser fänden sich innerhalb dieses Radius.
So geht es weiter
In der nächsten Stadtratssitzung am 29. März soll Kelheims Stadtrat laut Sitzungsunterlage eine „richtungsweisende Entscheidung“ in Sachen Windpark treffen. Sprich sich auf einen Projektierer festlegen. Wie dies so schnell gehen soll, fragte sich Christian Prasch von der Kelheimer Mitte nach den Vorträgen laut. Mit den vorliegenden Infos „kann ich mich weder für A, B noch C entscheiden“. Es brauche einheitliche Kriterien, „um Äpfel mit Äpfeln vergleichen zu können“. Bzw. um auch „Risiken und nicht nur Chancen“ zu kennen. Dafür sei Anfang März ein Termin angesetzt, bei dem alles „intensiv beraten“ werden solle, entgegnete Bürgermeister Christian Schweiger.
Vertreter aus Ihrlerstein waren zu Gast
Einladung:Um dem Thema Windpark im Stadtwald mit „maximaler Transparenz“ zu begegnen, habe man Ihrlersteins Bürgermeister und Gemeinderäte zur Sitzung eingeladen, so Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger.
Fazit:Die drei Unternehmen, die sich präsentierten, waren sich einig: Der Wind-Standort nordwestlich von Ihrlerstein sei gut. Natur- und Denkmalschutzthemen seien in dem Areal „vorhanden und abzuarbeiten“. Vier Jahre Planungszeit sei realistisch wie eine Inbetriebnahme in 2027.