Weniger Leerstand und neue Ideen: In der Regensburger Maxstraße geht es aufwärts

Es gibt neue Restaurants und vielleicht sogar bald eine Kulturmeile in der Maxstraße: Langsam wandelt sich die Verbindung wieder zu einem Eingangstor. „Wir haben alles hier“,findet Tina Ferstl vom Modehaus Schäfer.
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Das „Urban Coffee“ hat den Freisitz schon eröffnet. Die Gäste frühstücken aber lieber im Innenraum. Es gibt Avocadobrote und Croissants. Betreiber Juraj Sobolic kommt aus der Küche. Der 38-Jährige ist zufrieden mit dem Erfolg seines Cafés in der Maximilianstraße, das er im Juni aufgesperrt hat.
Ein paar Veränderungswünsche für die einstige Prachtstraße zwischen Bahnhof und Innenstadt hegt er. „Mich würde es freuen, wenn die Leute mehr Zeit in der Maximilianstraße verbringen und nicht einfach durchlaufen.“ Weitere der schönen Sitzbänke, die die Stadt aufgestellt hat, würden mehr Passanten zum Innehalten bewegen. Bäume in Pflanzkübeln könnten im Sommer Schatten spenden.
Tina Ferstl vom Modehaus Schäfer telefoniert mit einer Kundin. Dann nimmt sie sich Zeit für ein Interview. Sie ist zufrieden mit der Straße. „Es tut sich was. Wir haben alles hier.“ Nach einem Ortstermin der Geschäftsleute mit Altstadtkümmerer Stephan Bergmann weiß die Juniorchefin von Schäfer, dass Blumenkübel kommen. Auch werden die Kaufleute in diesem Jahr erstmals eine Weihnachtsbeleuchtung auf die Beine stellen.
Öffentliches Nachdenken
Ach ja, eines fällt ihr noch ein: Draußen vor dem Geschäft deutet Ferstl auf die mit Hunderten Aufklebern verunstalteten Straßenleuchten. „Kann man die nicht entfernen?“
In der Maximilianstraße herrscht Aufbruchstimmung. Die Zahl der Leerstände hat sich verringert. Am südlichen Eingang wird ein Geschäft für nachhaltige Mode eröffnen. Der syrische Gemüsemarkt floriert. Die zwei neuen asiatischen Restaurants Koi 1984 und Good Ci bereichern die Gastronomie, zu der auch das indische Ganesha und das thailändische Rambutan zählen. Zugleich wächst die Zahl der Freisitze. Das begrüßt Martina Erös (38), Chefin des neuen Arthotel Ana Aurel, die bei Begrünung und Weihnachtsbeleuchtung mit den Kaufleuten zusammenwirkt.
Die Auswahl an Kleidung kann sich sehen lassen: Unter anderem verkaufen dort Globetrotter, Wellenstein, Schäfer, Ernsting‘s Familiy. Bei Snipes und Sutor sind Schuhe zu haben.
Auf 400 Quadratmetern in der Maximilianstraße 26 hat die Stadt für ein Jahr einen Kulturort geschaffen. Wie immer parkt ein Handwerker vor dem Schaufenster und versperrt mit seinem Transporter den Blick. Drinnen brüten Stephanie Reiterer und Jan Weber von der Agentur Bauwärts über der Zukunft der Straße – und einem Konzept für die Zwischennutzung. Ein mobiler Verkaufswagen dient als Café. „Unser Raum soll mit der Maxstraße verschmelzen“, sagt die Regensburgerin Reiterer. Bauwärts, der Kunstverein Graz, Contemporary und weitere Akteure werden das M26 bespielen. Die Stadtgesellschaft ist willkommen, auch die Geflüchteten, die nebenan beim Amt für Integration anstehen.
Für Ende April ist ein Architekturseminar geplant, bei dem Stephanie Reiterer mit Fachleuten und interessierten Regensburgern die Maximilianstraße unter die Lupe nehmen wird, etwa bei einer Mikro-Stadtführung rund um den Block. Reiterer und Weber werden bei Diskussionsabenden einladen, öffentlich über die Straße nachzudenken.
Ihnen schwebt eine Kulturmeile vom Donumenta-Ausstellungsraum Gleis 1 am Bahnhof über den Ausstellungsort Peterskirchlein und das M26 bis zum Dom und St. Ulrich vor, wo im Winter die Videoinstallation Genesis zu sehen war.
Kritik an hohen Mieten
„Wir haben uns beworben mit dem Wissen, dass die Maxstraße schwierig ist“, sagt Reiterer. „Jetzt wird sie immer schöner.“ Die Verbindung mit ihren vielen Nationalitäten spiegele die Regensburger Vielfalt wider. „Das könnte das schöne Eingangstor in die Stadt sein.“ Die Stadt finanziert das Nutzungskonzept für das M26 mit Fördergeldern der EU.
Reiterer und Weber nehmen natürlich auch Mängel wahr. Dass immer wieder Leerstände klaffen – auch weil Geschäftsinhaber trotz interessanter Konzepte die Mieten nicht stemmen können. Oder dass zwischen Drei-Kronen-Gasse und Königsstraße Autos rollen. Das wird die Stadt aber mit der Wiedereinführung der Wohnverkehrsstraße stoppen.
M26:Das ganze Jahr sind die Räume gut belegt. Kulturpaten sind ab Freitag der Verein Contemporary, ab 15. März die Kurzfilmwoche und der Kunstbetrieb Cham. Ateliers vergibt ein „Local-Artist-in-Residence-Programm“.
Kulturschaffende vernetzen sich
Möglichkeitsräume:Das M26 bietet Raum für Experimente und Unvorhergesehenes – und zum Mitmachen.
Standortfaktor:Kultur sei in der Maxstraße, die unter Entwicklungsdruck steht, auch ein Standortfaktor, sagt Kulturreferent Wolfgang Dersch. Kunst und Kultur gelinge es, mit öffentlichen Räumen ohne Konsumzwang eine Bühne des urbanen Lebens zu schaffen und positive wirtschaftliche Impulse zu setzen. Das M26 sorge für mehr Frequenz und Verweildauer.

