„Müssen sehen wie es weitergeht“: Sieben Museen in Regensburg stehen ohne Chefin da

Die Museen der Stadt stehen ohne Leiterin da. Doris Gerstl fällt längere Zeit aus. Darum fällt sie aus.
Sie kann aus familiären Gründen ihre Aufgaben nicht wahrnehmen und hat sich für ein halbes Jahr abgemeldet, bestätigte Kulturreferent Wolfgang Dersch Informationen der Mediengruppe Bayern.
Regensburgs Museen hüten einen Kulturschatz höchster Güte. Internationale Experten schwärmen von den herausragenden Zeugnissen der reichen Regensburger Geschichte und attestieren der Sammlung europäischen Rang.
Gerstl leitet sieben Museen in Regensburg
Doris Gerstl übernahm das Ressort 2017, noch in der Ägide von Kulturreferent Klemens Unger, und lenkt sieben Einrichtungen. Zu ihrem Aufgabengebiet gehören nicht nur die Documente Neupfarrplatz oder Reichstag, sondern auch die Städtische Galerie Leerer Beutel und vor allem das Flaggschiff: das Historische Museum am Dachauplatz. Dort steht aktuell auch noch eine Großaufgabe an: Zigtausende Objekte ziehen in dasneue Depot in Burgweintingum. Aus dem riesigen Konvolut im Stadt-Besitz werden 30.000 Objekte ausgewählt, registriert und für den Transport auf 500 Paletten hergerichtet, umreißt Dersch die Dimension des Umzugs.
Das neue Zentrallager, das gerade im Bau ist, wird die Schätze von Bistum und Stadt aufnehmen. 43 Millionen Euro teuer wird der 185 Meter lange Komplex. Nutzung und Kosten werden aufgeteilt. Die Stadt belegt 60 Prozent der Flächen und setzt 23 Millionen Euro ein, die Diözese nutzt 40 Prozent der Flächen und übernimmt 20 Millionen Euro.
Die Personalie fällt in eine kritische Phase
Nach dem Ausfall der Leiterin stellt sich die Frage: Wer hält jetzt die Zügel in der Hand? „Das wird durch den Stellvertreter kompensiert“, antwortet Dersch. Andreas Boos, Archäologe und Historiker, ist seit 2010 stellvertretender Chef der Museen der Stadt. Er muss nun zusätzlich zu seinen Aufgaben auch die von Doris Gerstl schultern bzw. ans Team delegieren. Dersch sagt: „Das ist eine Frage der Prioritätensetzung.“ Die Personalie fällt in eine kritische Phase. Die Verwaltung von Regensburgs Erbe steht in der Kritik. Der Umbau des Kepler-Museums wurde um ein Mehrfaches teuerer als geplant; bei 5,4 Millionen Euro soll nun das Ende der Fahnenstange erreicht sein. In der Minoritenkirche, die ebenfalls zu Gerstls Ressort gehört, wurde die Steinmeyer-Orgel zum kostspieligen Skandalfall. Das Instrument wurde für rund 750.000 Euro restauriert und erweitert, produziert jetzt aber blamable Heuler und ist laut Experten nicht mehr konzerttauglich. Dabei sollten renommierte Organisten in der Reihe „Klang.Raum.Museum“ doch Publikum anziehen und dem steten Niedergang des Kulturhauses am Dachauplatz entgegen wirken.
Regensburgs Museen laufen nämlich seit Jahren die Besucher davon. 2015 wurden im Historischen Museum noch 38.558 Gäste gezählt, 2019 – im Jahr vor Corona – waren es noch 29.359. Die Pandemie ließ die Zahlen dann vollends erodieren. 2021 markierten 7812 Gäste einen neuen Tiefpunkt.
„Wir müssen Schritt für Schritt gehen.“
Verzögert sich durch den Ausfall von Doris Gerstl der Umzug ins Depot? „Davon gehe ich nicht aus“, sagt Dersch. Er verweist auf die Projektleiterin Umzug, die seit gut zwei Jahren mit den Vorbereitungen betreut ist. Im Oktober 2023 soll das Zentrallager bezugsreif sein. „Ein erreichbares Ziel“, meint Dersch. Bislang deute nichts auf eine Verzögerung hin.
Was wird, falls Doris Gerstl auch im August ihre Aufgaben noch nicht wieder wahrnehmen kann? „Wir müssen abwarten“, sagt der Kulturreferent. „Wir müssen Schritt für Schritt gehen.“