Eine kleine Revolution im Festzelt: Das Chamer Frühlingsfest wechselt die Biermarke

Viele Kinder sind jahrelang mit einer Bundeskanzlerin aufgewachsen, wo manches am Ende fragte: Gibt es denn auch etwas anderes? Ähnlich ist es beim Chamer Frühlings- und Volksfest – auch dort waren alle jahrzehntelang im Aldersbacher-Rausch. Das ist nun vorbei – es gibt ein neues Bier.
In diesem Jahr wird zumindest zum Frühlingsfest ein neues Hopfenkaltgetränk ausgeschenkt: die Abensberger Brauerei Kuchlbauer wird das Festbier wie auch das Weißbier liefern. Die Maß wird 10,40 Euro kosten, das habe der Volksfestverein so beschlossen, sagte Volksfestvereinschef Christian Plötz am Freitag bei der Vorstellung der Neuen in de Stadthalle. Das Festbier wird eine Stammwürze von 13 Prozent haben.
Volksfestvereinschef Christian Plötz gab die Entscheidung aus dem vom Verein angestrengten Bewerberwettbewerb für die Festwirtschaft 2023/2024 im Beisein von Brauereivertretern und im Beisein der neuen Festwirte bekannt. Auch die kommen nicht aus der Region, sondern aus der Stadt Landshut: Sina und Franz Widmann übernehmen den Festzeltbetrieb beim 50. Frühlingsfest in Cham, das vom 17. bis 22. Mai stattfindet. Die Eheleute betreiben ein Unternehmen, das sich auf Festzeltbewirtschaftung spezialisiert hat und in diesem Jahr allein neun Volksfeste in Bayern bestückt.
Der Zeitpunkt des Chamer Frühlingsfestes habe genau in ihre Planungen gepasst, sagte Franz Widmann. Daher habe man sich beworben, aber auch, weil es vom Ausstoß her passte. Ein Fest werde ab 300 Hektoliter interessant für sie als Festwirtsfamilie. Es sei eine schöne Gelegenheit, den Chamern das Kuchlbauer-Bier anzubieten, befand Kuchlbauer-Geschäftsführer Jacob Horsch.
Im November 2022 hatte der Volksfestverein die vier Feste für 2023 und 2024 ausgeschrieben. Dabei, so betonte Christian Plötz jetzt, habe es mehrere Bewerber gegeben – jedoch keine aus dem Landkreis. Zwar hätten sich viele auch aus dem Chamer Umland die Leistungsunterlagen schicken lassen – „um was zu lesen zu haben“, so der Volksfestvereinschef – doch eine echte Bewerbung habe es nicht von hier gegeben. „Die hatte ich auch nicht erwartet“, so Plötz. Denn er sei zuvor bei den hiesigen Wirten gewesen und habe das Interesse abgefragt. Die seien grundsätzlich interessiert gewesen, doch erst in zwei oder drei Jahren bereit dafür, erläuterte Christian Plötz.
Er machte auch deutlich, dass der jetzt ausgewählte Festwirt und die Brauerei dazu nicht die seien, die das Volksfest 2023 in Cham innehätten. Die Zeltbetreiber des Zweiwochenfestes und das Bier dazu würden erst in vier oder fünf Wochen vorgestellt, so Plötz. Für das Volksfest habe man keine Zeit mehr im Plan gehabt, so Franz Widmann – daher habe man sich dafür auch nicht beworben. Ähnlich äußerte sich Kuchlbauer-Chef Horsch.
Plötz begründete die Trennung von Aldersbach zum einen damit, dass man etwas Neues und Modernes reinbringen wolle, zum anderen hätten die Aldersbacher nach dem jüngsten Fest mitgeteilt, dass sie nicht mehr als Chamer Festwirt zur Verfügung ständen. Er betonte auch, dass die Feste getrennt gesehen werden sollten – Frühlings- und Volksfest. Jedes habe seine Eigenständigkeit, jedes sei anders. Und er beschrieb auch das Ziel des Volksfestvereins für die Neuerungen: „Wir wollen die Feste auf eine neue Ebene heben, eine neue Qualität reinbringen und sie weiterentwickeln!“
Das Zelt solle attraktiver werden, die Gäste sollten sich wohlfühlen. Er habe da zuletzt einige Defizite gesehen. Bei den Widmanns habe die Professionalität und das Management überzeugt, so Plötz. Auf Nachfrage, was wohl der Volksfestbürgermeister und Chams Ehrenbürger Leo Hackenspiel zum Bierwechsel weg von seinem geliebten Aldersbacher sagen werde, erwiderte Plötz, der Altbürgermeister werde sich sicher von der Qualität des Kuchlbauer-Biers überzeugen lassen.
Wer sind die Neuen?
Festwirtsehepaar:Sina (29) und Franz Widmann junior (34), ein gelernter Küchenmeister, kommen aus Landshut und betreiben dort in dritter Generation ein Familienunternehmen, das sich auf Festzeltbetriebe spezialisiert hat. Vom Festzelt über Aufbauteams, Personal, Musikanlage bis zur Küche und Wäscherei bietet die Firma alles aus einer Hand. Es werde nichts an Unterfirmen vergeben. 2023 betreuen sie so neun Volksfeste – etwa in Lohr oder in Landshut.
Kuchlbauer:Bei Kuchlbauer fallen einem vor allem zwei Dinge sofort ein: der Hundertwasserturm und das Weißbier. Die familiengeführte Privatbrauerei wird in neunter Generation heute von Jacob Horsch (30) geleitet. Der gelernte Braumeister und Kaufmann hat für Kuchlbauer mehrere Braustätten in Betrieb, neben Abensberg gehören auch Schierling und Sandersdorf dazu. Er verspricht den Chamer ein süffiges Festbier mit 13 Prozent Stammwürze.
Das Frühlingsfest im Mai
Programm:Das Programm fürs Frühlingsfest steht auch schon: Der Mittwoch starte mit Ohlala, „die beste Showband11, die wir im Repertoire haben“, so Franz Widmann. Sie sei ein echtes Zugpferd für Besucher. Am Vatertag werde die Kolpingmusik spielen, am Abend die Ludwig Thoma Musikanten. Der Freitag sei für die Rotzlöffl aus der Oberpfalz reserviert, eine Showband, die Widmann als „extrem genial“ beschreibt. Samstag kommt die Showband Musikuss, die Stimmungsraketen seien, Sonntag Rainer Hernek mit Kapelle und am Abend die Perlhütter Musikanten. Der Montag klinge dann mit Josef Menzl und toller Blasmusik aus.
•Zelt:Das Festzelt wird gut 3200 Plätze haben, dazu gibt es einen großen Biergarten vor dem Zelt. Die Musikbühne ist an der Stirnseite, die Küche an der Längsseite und die Schenke an der anderen Stirnseite. Draußen wartet zudem ein großes Weißbierkarussell mit echtem Karussellflair mit Tischen drum herum auf die Gäste.
•Öffnungszeiten:Auch das ist neu: Jeden Tag öffnet das Festzelt am Frühlingsfest bereits um 11 Uhr und erwartet Gäste zum Mittagstisch.
•Küche:Neben einem laut Franz Widmann günstigen Mittagstisch wird das Frühlingsfest die üblichen Gerichte anbieten, von der Currywurst mit Pommes bis zu Schweinsbraten, Haxn oder auch Ente mit Knödel und Kraut. Die Gerichte kommen aus der Widmann-Küche. Sie werden zum Teil mit Zutaten hergestellt, die auf dem eigenen Biobauernhof heranwachsen, wie etwa Gemüse, Schweine oder Enten.
•Reservierungen:Die Hälfte der Plätze im Zelt sind online buchbar (aktuell ist die Plattform noch nicht freigeschaltet). Eine Tischreservierung im Zelt direkt kostet zehn Biermarken, eine Box zehn Biermarken und zehn Hendlmarken.