Die Wasserstoff-Forschung der OTH Regensburg ankert im Hafen Kelheim

Wasserstoff ist ein Zukunfts-Energieträger, aber oft noch nicht anwendungsreif. Dabei soll das neue Forschungsprojekt im Hafen Kelheim-Saal nun helfen – und der regionalen Wirtschaft Impulse geben.
Denn seit Anfang Februar ist es offiziell: Kelheim wird Teil eines weiteren „Technologietransfer-Zentrums“ (TTZ) des Freistaats. In den Industriehafen kommt die eine „Hälfte“ vomneuen TTZ namens „Wasserstoff-Cluster Donau“; die andere Hälfte wird im Gewerbegebiet Wörth-Wiesent stationiert. In Kelheim soll es schon im April an die Arbeit gehen, kündigt Hans-Peter Rabl im Gespräch mit unserer Zeitung an. Rabl ist Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH) und wird wissenschaftlicher Leiter in Kelheim, offiziell einer Außenstelle der OTH. Dort werde man sehr anwendungsbezogen forschen.
Zwar hat Rabl, der unter anderem zu Wasserstoff (chemisch: H2) im Transportsektor forscht, an der OTH seit fünf Jahren eine „H2-Miniplant“: ein Labor, in dem Versuche und Messungen mit Wasserstoff möglich sind. Allerdings „im Maßstab ,Espressotasse‘“, wie es der Ingenieur ausdrückt. Für anwendungsbezogene Forschung „brauchen wir was Größeres“. Dafür biete der Kelheimer Hafen Platz und Infrastruktur; zum Beispiel die Option, den benötigten Wasserstoff per Schiff anliefern zu lassen.
Container werden Herzstück in Kelheim
Herzstück des TTZ wird „ein modulares System aus Forschungs-Containern“, schildert Rabl. Von außen klassische Transport-Container, sind sie innen Maßarbeit. Einer ist fürs „Zielsystem“ reserviert: also zum Beispiel einen Motor oder eine Brennstoffzelle, für die eine H2Anwendung getestet werden soll. Im abgeschlossenen Container lassen sich genaue Umgebungsbedingungen simulieren. Geht es dabei um Hitze oder Kälte, sorgt dafür die Energiezentrale im zweiten Container. Wieder einer enthält die Messtechnik, ein anderer fungiert als Bedien- und Steuerungszentrale für das Forschungsteam.
Im TTZ-Team wird Rabl der wissenschaftliche Leiter; ferner gibt es einen Geschäftsführer, vier wissenschaftliche und drei bis vier technischen Mitarbeiter/innen. Auch eine Forschungsprofessur ist geplant; ebenso, dass auch Studierende aus Regensburg mal nach Kelheim kommen. Die Büros für das TTZ-Team werden im Gebäude des Hafenzweckverbands eingerichtet. Sie sollen im April bezugsfertig sein; bei den Containern wird das deutlich länger dauern. Aber bis dahin ist schon mal Netzwerken angesagt.
Denn die TTZ sollen, so die Vorgabe der Staatsregierung, „wissenschaftsgestützte Innovationstreiber für die regionale Wirtschaft“ sein: Vor allem Mittelständler ohne eigene Forschungsabteilung können dem TTZ „gezielte anwendungsbezogene Forschungsaufträge erteilen“.
In Sachen Wasserstoff-Projekte akquiriert Hans-Peter Rabl bereits; eines hat er schon in der Pipeline: zusammen mit einer Regensburger Firma, die mithilfe von extrem hitze-liebenden Einzellern Wasserstoff aus Biomüll und anderen Reststoffen erzeugt – die hohe Temperatur dient auch gleich zum Sterilisieren des Abfalls.
Einzeller als Wasserstoff-Kraftwerke
Hierfür soll in Kelheim ein Kreislaufsystem im Forschungs-Maßstab entstehen, ein so genannter „Demonstrator“. Ebenfalls in Aussicht ist ein Projekt zur Frage, wie sich H2transportieren und verwenden lässt, wenn er in Form von Ammoniak gebunden ist. Ansonsten sei man offen für alle Ideen und Ansätze von Unternehmen, betont Rabl. Er ist da zuversichtlich – nach Bekanntwerden der TTZ-Entscheidung gab es schon erste Anfragen zu etwaigen Kooperationen.
Der Kelheimer sieht daher solche Forschungs-Außenstellen abseits vom Hochschul-Campus sehr positiv: Die regionale Nähe senke die Scheu von Unternehmen, die vermeintlich „ferne“ Wissenschaft zu kontaktieren. Für die Region wiederum sei so ein TTZ in der Regel die Keimzelle für die Ansiedlung innovativer Start-ups und Firmen. Das wird in fünf Jahren auch ein Gradmesser in Kelheim sein.
Denn wie alle TTZ erhält der „Wasserstoff-Cluster Donau“ eine staatliche Anschubfinanzierung – die genaue Höhe ist noch offen – für fünf Jahre; von kommunaler Seite werden Gebäude und Flächen bereitgestellt. Nach fünf Jahren reduziert sich die Förderung auf die Basisfinanzierung; den Rest muss das TTZ durch eigene Forschungs- und Firmenprojekte erwirtschaften.
Davor ist Hans-Peter Rabl nicht bange: „Wasserstoff war auch früher schon Forschungsthema. Aber jetzt ist seine Zeit gekommen.“
Kontakt für interessierte Firmen: Hans-PeterRabl, OTH, Tel. 0941 4629 – 7310; Mail hans-peter.rabl@oth-regensburg.de
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