Nach Schüssen auf Raser: Polizei in Regensburg verfolgt heiße Spur

Nach Schüssen auf einen Raser hat die Polizei einen Verdächtigen. Nach dem 42-Jährigen wird weiter gefahndet – es gibt erste Details zu dem Regensburger. Der Mann ist für die Ermittler wohl keine Unbekannter. Auch Zeugen werden noch gesucht.
Nach einer Verfolgungsjagd durch Regensburg fehlt von dem Fahrer eines silbernen BMW weiter jede Spur. Der Mann ist am Dienstagabenddurch die Stadt gerast, ehe die Polizei ihn stoppen konnte. Dabei fielen auch Schüsse aus Dienstwaffen. Inzwischen wird gegen den Mann wegen einer Vielzahl von Straftaten ermittelt. Die Polizei hat einen Verdächtigen – und der ist kein Unbekannter.
Zivilfahndern fiel der BMW am Dienstag gegen 18.40 Uhr wegen der aggressiven Fahrweise den Fahrers auf. Als sie das Auto anhalten und kontrollieren wollten, gab der Vollgas und flüchtete – zunächst in das Parkhaus des Regensburger Finanzamts. Da gelang es zwei Polizeistreifen, das Auto das erste Mal zu stellen. Doch diesmal rammte sich der Mann den Weg frei. Ein Beamter sprang in letzter Sekunde zur Seite, um nicht erfasst zu werden. Dann fielen Schüsse. Ein Polizist schoss gezielt auf die Reifen.
Nach Schüssen: BMW fährt auf den Felgen weiter
Die Flucht endete rund 300 Meter weiter: Mit zwei platt geschossenen Reifen kam der BMW auf den Felgen bis zur Franz-Mayer-Straße, nahe OTH und TechBase. Von hier flüchtete der Verdächtige zu Fuß weiter. Er entkam im Dunkel der einbrechenden Nacht.
Wenig später war in Regensburg ein Polizei-Großaufgebot im Einsatz: Die Tatorte wurden abgeriegelt, eine Vielzahl von Streifenwagen suchte die nahe Umgebung nach dem Flüchtigen ab, während über den Einsatzkräften für längere Zeit ein Hubschrauber kreiste. Gefunden wurde der Mann bislang jedoch nicht.
Wer am Steuer das 3er-BMW saß, schien bald klar zu sein: Die Halterin des Wagens wurde im Landkreis ausgemacht und soll aus dem persönlichen Umfeld des Mannes stammen. Bei ihm handelt es sich um einen 42-jährigen Regensburger. Das war aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren. DenZivilfahndern könnte der Flüchtige bekannt gewesen sein– er soll mehrfach strafrechtlich aufgefallen sein. Auch eine frühere Verurteilung wegen Raubes soll es geben. Und: Einen Führerschein hatte der Mann offenbar nicht, hieß es.
Mit Flucht vor der Polizei viele Straftaten begangen
Bestätigen wollte Polizeisprecher Florian Beck das nicht. Auch zu den Motiven der waghalsigen Flucht und dem womöglich als gestohlen gemeldeten BMW gab es am Mittwoch keine weiteren Informationen. „Das ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.“ Diese liefen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, wegen Widerstands und tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung „und noch mehr“.
In die Ermittlungen ist auch das Bayerische Landeskriminalamt eingebunden, was laut Beck aber „das Standardvorgehen“ wäre. Dass Polizisten im Dienst von der Schusswaffe Gebrauch machen müssen, sei sehr selten. „Ich würde sagen, das ist – Gott sei Dank – der absolute Ausnahmefall“, betonte der Polizeisprecher. Zuletzt sei das im Juni in der Oberpfalz passiert. Ein Mann ging in Amberg auf Beamte los, demolierte den Streifenwagen und musste mit Schüssen gestoppt werden.
Dann greift laut Beck ein immer ähnliches Prozedere: Die Dienstwaffen werden in der Regel für Untersuchungen in Verwahrung genommen und das Einsatzgeschehen genau analysiert. „Dazu zählt selbstverständlich eine Überprüfung der Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs“, erklärte Beck. Es gebe zudem Hilfs- und Betreuungsangebote für die Beamten. Denn: „Sowas ist auch für jeden Polizisten eine Extremsituation.“ Eine Teilnahme an diesen Angeboten sei aber freiwillig.
Gibt es zur Flucht in Regensburg noch weitere Zeugen?
Der Schaden an den gerammten Einsatzwagen liegt ersten Schätzungen nach im niedrigen fünfstelligen Bereich. Für diese Kosten muss vermutlich der verdächtige Regensburger aufkommen. Den von dem 42-Jährigen zurückgelassenen BMW hatte die Polizei nach einer ersten Spurensicherung am Tatort sichergestellt und abschleppen lassen. Wie viele Projektile den Kombi trafen, wollte Beck nicht sagen. „Dazu machen wir keine Angaben“, betonte er, „zu Details müssen wir die weiteren Ermittlungen abwarten.“
Der Fokus liege derzeit darauf, den flüchtigen Fahrer zu fassen. Auf dessen rasanter Irrfahrt von der Lore-Kullmer- bis zur Franz-Mayer-Straße sollen sich Fußgänger nur in letzter Sekunde in Sicherheit gebracht haben, hieß es. Auch eine Ampel soll der BMW bei Rot überfahren haben. Daher sucht die Polizei nach möglichen Geschädigten und weiteren Zeugen der Irrfahrt.
Die Polizeiinspektion Regensburg-Süd nimmt weiterhin alle Hinweise unter der Telefonnummer 0941/5062001 an.

