Medikamenten-Engpass: Chamer Apotheker stellen jetzt auch noch Zäpfchen her

Von Tanja Fenzl · 2. März 2023 um 05:00

Deutlich mehr Kranke als in den letzten Jahren und gleichzeitig große Engpässe bei zahlreichen üblichen Schmerz- und Fiebermitteln: Da mussten die Apotheker im Landkreis Cham in den letzten Monaten kreativ werden. Apothekersprecherin Jutta Rewitzer erläutert, wie sie und ihre Kollegen trotzdem dafür sorgen, dass Patienten mit den notwendigen Arzneien versorgt werden.

Noch ist die Erkältungszeit nicht vorbei, und noch immer sind einige Medikamente über den Großhandel nicht verfügbar. „Wir haben versucht, dass alle Patienten, die in die Apotheke kommen, auch mit einer geeigneten Arznei aus der Tür gehen“, sagt Rewitzer. Dazu habe beispielsweise auch gehört, dass viele Apotheker im Landkreis dazu übergegangen sind,Fiebersäfte selbst herzustellen. „Ibuprofen- und Paracetamol-Säfte waren lange Zeit kaum oder einige Wochen sogar gar nicht erhältlich“, sagt Rewitzer. Dabei gehören die beiden Wirkstoffe zu den meist verschriebenen, wenn es um die Behandlung von Kinder-Erkrankungen geht.

Paracetamol noch immer knapp

Während es laut Apothekensprecherin inzwischen bei Ibuprofen zu einer leichteren Entspannung auf dem Markt gekommen sei – das Medikament ist zumindest punktuell wieder in größeren Mengen auf dem Markt –, ist die Situation bei Paracetamol noch immer angespannt.

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„Da behelfen wir uns inzwischen mit selbst hergestellten Zäpfchen“, sagt Rewitzer. Da die Grundsubstanz bei dieser Arznei sehr bitter sei, habe man es nicht geschafft, einen Saft herzustellen, den die Kinder gerne trinken wollten. „Bei etwas größeren Kindern konnte man sich am besten mit Tabletten in Erwachsenen-Dosierung behelfen, die man zerteilt hat. Aber das geht natürlich bei Babys und Kleinkindern nicht, so klein kann man die Brösel ja gar nicht machen und pulverisieren“, sagt Rewitzer.

Aufwändige Herstellung

Dabei, sagt ihr Mann Christian Rewitzer ist die Herstellung von Zäpfchen relativ aufwändig und zeitintensiv. Eine Stunde etwa dauert ein Produktionsprozess, egal, ob man zehn oder 100 Stück der Arznei herstelle. Alles Handarbeit. Das heiße Medikamentengemisch wird in vorgefertigte Förmchen gegossen, die im Wasserbad gleichmäßig abgekühlt werden. „Ist die Masse zu heiß, setzt sich der Wirkstoff nur in der Spitze ab. Ist sie zu kalt, bilden sich Blasen“, erklärt Christian Rewitzer. Am Ende werden die Zäpfchen noch glatt geschnitten und mit Folieabgedeckt. Die Herstellung, gleichwohl während des Studiums auf dem Lehrplan, sei dadurch recht unrentabel. „Wir sehen das aber als Service. Man muss die Bevölkerung auch in Notsituationen gut versorgen, das finde ich, gehört zum Berufsbild.“

Grundsätzlich gelte: „Es ist wichtig, dass jeder aus der Apotheke rausgeht und sein Kind versorgen kann“, sagt auch Jutta Rewitzer. Die Produktion von Ibuprofen-Saft habe sie inzwischen in ihrer Further Apotheke wieder eingestellt. Gerade in der Zeit ab Oktober bis Dezember habe man sogar wöchentlich produziert, um den Bedarf decken zu können. „Seit Weihnachten ist es wieder etwas besser“, sagt Rewitzer.

Problem über den Winter

Einer der Hauptgründe für den Engpass bei den Fieber-/Schmerzmittelmedikamenten war, wie berichtet, die Absage der Winterbevorratung eines der größten Arzneimittelherstellers. „Da war klar, dass wir den Winter über ein Problem haben werden“, hatte Rewitzer bereits im August vorhergesagt. Dazu kommt: Viele Branchen haben infolge der Pandemie mit hohem Krankenstand und Lieferengpässen auch bei Rohstoffen zu kämpfen.

Man könne es niemandem verdenken, wenn er weiter gewinnorientiert arbeiten und sich auf Kerngeschäfte mit höheren Gewinnmargen konzentrieren wolle, zeigt Rewitzer sich bedingt verständnisvoll.

Wegen der Pandemie war es zudem in den vergangenen zwei Jahren zu deutlich weniger „üblichen“ Infektionen in der Bevölkerung gekommen. „Man hat den Eindruck, dass vor allem Kinder jetzt alles an Krankheiten nachholen, was sie in den zwei Jahren wegen der vielen Kontakteinschränkungen und des Maskengebots versäumt haben“, sagt die Apothekerin.

Die abgekühlte Masse wird aus dem Wasserbad geholt
So sehen die fertigen Zäpfchen aus.
Fiebermedikamente sind seit Monaten in Apotheken nur sporadisch erhältlich. -Foto: Fenzl