Landwirtin aus Neukirchen-Balbini ist nun auch Konditorenmeisterin

Von Jan Lange · 26. Februar 2023 um 17:00

Gelernt ist gelernt – das gilt fürs Fahrradfahren wie für den Beruf. Das stellte auch Evelyn Stubenrauch aus Neukirchen-Balbini (Landkreis Schwandorf) fest. Viele Jahre arbeitete sie nicht mehr als Konditorin – jetzt schloss sie die Meisterausbildung als Kursbeste ab.

Überzeugt hatte sie die Prüfer mit einem Schaubuffet zum Thema „Besuch im Bauerngarten“. Die Thematik lag nahe – die 41-Jährige ist auf dem Familienhof tätig. Regelmäßig steht sie auch im hofeigenen Laden hinter der Theke.

Von den Kunden wurde sie öfter gefragt, welchen Beruf sie erlernt hat. Wenn sie dann erzählte, dass sie von Haus aus Konditorin ist, wurde ihr immer die Frage gestellt, ob sie nicht mal einen Kuchen backen könnte. So versüßte sie mit ihren Backwaren so manche Geburtstage und Kommunionen. „Wenn man was damit verdienen möchte, muss man es offiziell machen“, meint die zweifache Mutter.

Kurse im Winter besucht

Im Konditoren-Handwerk ist grundsätzlich noch eine abgeschlossene Meisterprüfung erforderlich. Die absolvierte sie bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz in zwei Teilen, einen im Winter 2021 und einen jetzt. „Ich konnte die Kurse nur im Winter besuchen, weil es dann in der Landwirtschaft wenig zu tun gibt“, erklärt sie. Mit ihren Abschlusskreationen, in denen sie heimisches Obst, Gemüse und Kräuter verarbeitete, erreichte sie das beste Ergebnis aller Kursteilnehmer.

Vor 25 Jahren hatte sie den Beruf der Konditorin in Fensterbach, von wo sie ursprünglich stammt, erlernt. Einige Zeit arbeitete sie nach dem Abschluss der Lehre noch in ihrem Ausbildungsbetrieb.

Als 2004 ihre Tochter Jasmin zur Welt kam, gab sie den Beruf auf. Sich um ihr Kind zu kümmern, wäre als Konditorin kaum möglich gewesen, meint sie. Und Kindergärten, die bis 16 Uhr geöffnet sind, habe es damals noch nicht gegeben, fügt sie hinzu. Eine Betreuung wurde üblicherweise von 8 bis 13 Uhr angeboten. „Um 8 Uhr machen Konditoren bereits ihre erste Pause“, sagt sie. So tauschte sie den Beruf als Konditorin gegen Familie und Landwirtschaft ein. Sie hätte später gern mal wieder eine Zeit lang in der Backstube gearbeitet, meint Evelyn Stubenrauch. Doch dafür fehlte ihr schlichtweg die Zeit.

Backen nicht verlernt

Dass sie gerade jetzt den Konditoren-Meisterkurs absolvierte, hängt wiederum mit ihrer Tochter Jasmin zusammen. Die 18-Jährige machte im Vorjahr ihren Führerschein und musste nicht mehr regelmäßig zum Bahnhof gefahren oder von dort abgeholt werden. Es sei daher nun der ideale Zeitpunkt gewesen, sich den Wunsch vom Meistertitel zu erfüllen, findet die 41-Jährige.

Das Backen hatte sie nicht verlernt, neu war für sie aber, Zuckerfiguren zu machen. Auch die Theorie musste sie wieder büffeln. Die Mühen lohnten sich, wie ihr Kursergebnis beweist.

Mit dem Meistertitel in der Tasche will sie das Angebot im hofeigenen Laden erweitern. Gebäck und Küchl sollen angeboten werden, später soll es auch regelmäßig Kuchen und Torten geben. Ihren Bio-Hofladen, der freitags von 15 bis 18Uhr geöffnet ist, betreiben Franz und Evelyn Stubenrauch seit 2018.

Damals waren sie an die Jagenrieder Straße umgezogen. Hier haben sie sich ihren eigenen Hof aufgebaut. In Neukirchen-Balbini ist Evelyn Stubenrauch schon seit 2001 zuhause, lange wohnten sie direkt im Ort, während sich Kühe und Landwirtschaft außerhalb befanden.

Hofladen statt Kühlanhänger

Seit 2006 bieten sie ihr Rindfleisch an, jahrelang wurde die Ware aus einem Kühlanhänger heraus verkauft. Mit dem Hofladen gibt es inzwischen einen stationären Anlaufpunkt für die Kunden aus nah und fern. Dessen Einrichtung sei aber erst nach dem Umzug an den Ortsrand möglich gewesen, vorher fehlten dafür die Räumlichkeiten, sagt die 41-Jährige.

Ein Vorhaben will Familie Stubenrauch in Zukunft noch umsetzen: Eine Lebensmittelbox auf dem Hof aufzustellen, aus der sich die Kunden selbst bedienen können. Dort sollen dann auch verschiedene Kuchensorten angeboten werden. Ziel sei es, damit auch Kunden zu erreichen, die nicht am Freitagsnachmittag in den Hofladen kommen können. Weitergehende Pläne – denkbar wäre beispielsweise ein eigenes Café – hat Evelyn Stubenrauch bislang nicht. Dafür sei sie auf dem Hof arbeitstechnisch zu ausgelastet.