Nachfolger für Altstadt-Zara gefunden

Am Neupfarrplatz eröffnet im Herbst das Herrenmodehaus Anson’s – Weitere neue Läden sind in Regensburg geplant.
Der Neupfarrplatz mit der künstlichen Eisfläche liegt am Montagmorgen verlassen da. Nur wenige Passanten eilen vorbei. Erstmals seit Wochen steht das Portal der früheren Zara-Filiale offen, denn Hausbesitzer Andreas Insinger und Immobilienmakler Gerald Loers laden zum Gespräch. Es wird wieder Leben in das markante Eckgebäude einziehen. Der Herrenausstatter Anson’s, ein Tochterunternehmen der Bekleidungskette Peek & Cloppenburg eröffnet dort.
Zustimmung von allen Seiten
Andreas Insinger strahlt. „Das ist ein Glücksgriff für Regensburg.“ Der mehr als zweimonatige Leerstand von 1500 Quadratmetern an prominenter Stelle hatte bei Kaufleuten und Verantwortlichen der Stadt zu Stirnrunzeln geführt. Viele bedauerten, dass der Textilgigant Zara, ein wichtiger Magnet, in die Arcaden zog.
Doch nach der erfolgreichen Vermietung an Anson’s spricht Immobilienexperte Loers gar von einem „Jackpot für die Altstadt“. Hausbesitzer Insinger hofft, dass die Ansiedlung den einen oder anderen Einzelhändler motivieren wird, wieder ins Welterbe zu wechseln. „Wir hatten auch andere Anfragen, wollten aber etwas Besonderes für die Altstadt“, sagt er.
Die Anson’s Herrenhaus KG mit Sitz in Düsseldorf betreibt bundesweit 20 Niederlassungen mit über 1000 Beschäftigten und bietet Mode internationaler Marken und Designer. In Nürnberg liegt die nächste Filiale.
Andreas Insinger sagt, er habe durchaus Abstriche bei der Miete hingenommen, weil er sich der Altstadt verpflichtet fühle. „Jeder Vermieter sollte sich überlegen, ob man immer Top-Mieten verlangen muss.“ Im März oder April wird der Umbau der zwei Etagen beginnen. Gerald Loers rechnet mit einer Eröffnung im Herbst.
Rundherum fallen etliche Leerstände auf, darunter die einstigen Räume der Hypovereinsbank am Neupfarrplatz und ein weiteres früheres Bankgebäude. Die Hypo-Filiale wurde vor Jahren in ein wenige Meter entferntes Selbstbedienungs-Center mit Geldautomat umgewandelt. In der benachbarten Drei-Helm-Gasse sind mehrere Läden verwaist. Nach wie vor in der Schwebe ist auch die Zukunft der Galeria.
Insgesamt hat sich die Leerstandsquote nicht erhöht, rund um das Kaufhaus aber schon. Armin Gebhard von den Regensburger Kaufleuten spricht von einem traurigen Bild. Aber die Stadt habe sicherlich Konzepte, um das zu ändern.
Laut städtischer Erhebung vom September liegt die Leerstandsquote bei 8,3 Prozent. Der durchschnittliche Wert entspricht – mit einer gewissen Schwankungsbreite – dem der Vorjahre.
Gerald Loers sagt, dass sich die leeren Geschäfte schon gefüllt hätten, wenn die Mietpreise nicht ganz so hoch wären. An sich interessierten sich viele Geschäftsleute für die Altstadt. „Aber die Miete muss für beide Seiten passen.“
Kümmerer Stephan Bergmann vom Amt für Wirtschaft und Wissenschaft freut sich über die positive Nachricht für die Altstadt. „Wir sehen dies auch als Bestätigung für die sehr hohe Standortqualität der Altstadt und besonders des Neupfarrplatzes.“ Für den Einzelhandelsstandort sei das eine Angebotserweiterung, da nach der Schließung von Pohland im benachbarten Gebäude moderne Männermode unterrepräsentiert war.
Die zweite gute Nachricht
Nachdem vor kurzem die Modernisierung des Café Alex publik geworden sei, sei dies nun die zweite wichtige und sehr gute Nachricht für den Neupfarrplatz innerhalb weniger Wochen. Zu den umliegenden Gebäuden äußert sich der Altstadtkümmerer nicht, auch wenn bei einigen Objekten konkrete Planungen und Nachnutzungskonzepte diskutiert würden oder ein Umbau im Gange sei.
Ingo Saar von Faszination Altstadt jubelt, so etwas wie Anson’s wünschten sich die Kaufleute seit der Schließung des Herrenausstatters Pohland in der Drei-Helm-Gasse Ende 2018. Der neue Spezialist sei breit aufgestellt. Saar kündigt an, auch im einstigen Pohland-Haus werde umgebaut für zwei neue Mieter. Armin Gebhard von den Regensburger Kaufleuten begrüßt die Anson’s-Neuansiedlung ebenfalls.
Eine weitere positive Botschaft kommt aus der Neue-Waag-Gasse: Dort sperrt nach längerem Leerstand ein Geschäft für Iris-Fotografie auf.

