Berufspendler trüben Umweltbilanz in Schwandorf: Neue App soll helfen

Von Hubert Heinzl · 21. Februar 2023 um 05:00

Die Welle von Pendlern, die regelmäßig in die Stadt Schwandorf schwappt, ist beeindruckend. Tag für Tag kommen fast 11300 Menschen von auswärts zur Arbeit in die Große Kreisstadt. Die vielen Fahrten belasten Umwelt und CO2-Bilanz. Doch was lässt sich dagegen tun?

Erst vor ein paar Tagen hat Johannes Stapf, der neue Klimaschutzmanager der Stadt Schwandorf, eine Initiative gestartet, um wenigstens einen Teil des motorisierten Pendelverkehrs überflüssig zu machen. Die Stadt Schwandorf ist inzwischen bei „Pendla“ aktiv, einem Start-Up, das eine Mobilitäts-App für Pendler anbietet.

So funktioniert die Pendla-App

Über die App können Pendler Mitfahrgelegenheiten finden. Eine Kostenlose Anmeldung ist über https://schwandorf.pendla.com möglich. Auch Firmen können sich kostenlos als Arbeitsplatz eintragen. Weitere Infos gibt es per E-Mail an stapf.johannes@schwandorf.de oder Tel. (09431) 45237 bei Klimaschutzmanager Johannes Stapf.

Im Grunde geht es darum, dass sich die Beschäftigten noch stärker Mitfahrgelegenheiten organisieren, um den CO2-Fußabdruck kleiner zu machen. „Das Ganze ist erst einmal ein Versuchsballon“, sagt Stapf, und der Erfolg nach seinen Worten bisher überschaubar. Doch beim Thema Mobilität sind nach seiner Erfahrung dicke Bretter zu bohren. Erfolge kommen nicht einfach über Nacht. Die App ist deshalb auch nicht Stapfs einziger Vorschlag, wie sich Pendlerströme ausdünnen lassen.

Mit dem Sammelbus zur Firma Horsch?

Der Schwandorfer Klimaschutzmanager hat mit Interesse verfolgt, dass es in der Nachbargemeinde Wackersdorf Überlegungen für einen Shuttlebus gibt, und er hat nach eigenen Angaben auch bereits das Gespräch mit Bürgermeister Thomas Falter gesucht. Das macht auch Sinn, denn laut Statistik sind allein zwischen der Großen Kreisstadt und der Industriegemeinde täglich mehr als 2150 Pendler unterwegs. „Beim Thema Mobilität muss man überregional planen und agieren“, sagt Stapf.

Aber auch innerhalb des Schwandorfer Stadtgebietes lohnt es sich nach seiner Einschätzung, die Situation näher zu betrachten. Zu Betrieben wie Benteler oder Paragon im Schwandorfer Süden, aber auch zumLandmaschinen-Hersteller Horschsind nach seinen Worten regelmäßig viele Beschäftigte mit dem Auto unterwegs.

„In solchen und ähnlichen Fällen wäre es vielleicht sinnvoll, einen Sammelbus zu etablieren, möglicherweise auch bei anderen großen Arbeitgebern wie dem Krankenhaus“, schlägt der Klimaschützer vor. Im April oder Mai will er in der Sache, aber auch mit vielen weiteren Themen Kontakt mit den Betrieben aufnehmen.

„Topfebenes“ Naabtal ideal für Radler

Auch mit einer Verbesserung der Infrastruktur für den nicht motorisierten Verkehr ließe sich laut Stapf die Klimabilanz verbessern. Im Landkreis ist da nach seinen Worten noch sehr viel Luft nach oben. Denn laut Regionalbericht „Mobilität in Deutschland“ für den Freistaat Bayern hat der Kreis Schwandorf den niedrigsten Anteil an Fuß- und Radverkehr in der gesamten Oberpfalz – knapp hinter Cham. In der Großen Kreisstadt sei das nicht viel anders, dabei sorge die Lage „im topfebenen Naabtal“ eigentlich für ideale Bedingungen – vom Weinberg vielleicht einmal abgesehen.

„Im Bereich der Radinfrastruktur muss es in Schwandorf dringend Verbesserungen geben“, fordert der Klimaschutzmanager, der selbst in der Stadt „ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs ist“. Das fängt bei der Erreichbarkeit von Unternehmen mit dem Drahtesel an und hört bei der Innenstadt nicht auf. Auch hier müsse es „mehr Platz für Radler geben“, sagt Stapf. Als positives Beispiel sieht er unter anderem denNeubau der Naabbrücken, bei dem die Stadt einen Millionenbetrag für einen zusätzlichen Geh- und Radweg investiert.

Schulweg als Ansatzpunkt

Vielversprechend findet der Klimaschutzmanager auch den Ansatz, die Anfahrten zu den Schwandorfer Schulen näher unter die Lupe zu nehmen. Hier spielt das Fahrrad als Verkehrsmittel eine große Rolle – oder könnte es. Die Voraussetzung: Eltern haben Vertrauen darin, dass der Schulweg auch mit dem Fahrrad sicher ist. „Wo es geht, sollte die Sicherheit für den Radverkehr deshalb verbessert werden.“

Die Pendla-App

Funktion:Über die App können Pendler Mitfahrgelegenheiten finden. Kostenlose Anmeldung über https://schwandorf.pendla.com.

Firmen:Auch Firmen können sich kostenlos als Arbeitsplatz eintragen.

Infos:E-Mail an stapf.johannes@schwandorf.de oder Tel. (09431) 45237

Johannes Stapf macht sich Gedanken, wie sich Mobilität und eine bessere CO2-Bilanz unter einen Hut bringen lassen. -Foto: Hubert Heinzl