Die närrische Zeit in Fotoalben: „Die ganze Stadt hat uns gehört“

Juliane Heilmeier erinnert sich an legendäre Faschingszeiten mit dem Stadtverband Abensberg.
Am Ende ging es immer dick ein: Isartaler Ball, Fünferball, diverse Kranzl der Vereine – zwischen dem Unsinnigen Donnerstag und dem Faschingsdienstag ging es rund für Juliane Heilmeier. Wenn sie nicht mit der Garde des Stadtverbands bei einem der zahlreichen Auftritte in und um Abensberg unterwegs war – und das konnten auch mal drei an einem Abend sein – dann mischte sie sich mit ihrem Mann und Freunden unters feiernde Volk. „Die ganze Stadt hat uns gehört“, erinnert sie sich an die Zeit, in denen die Nächte lang und der Schlaf kurz waren.
Mit der Faszination für den Fasching steckte sie ihr Gatte, Elektromeister Maximilian Heilmeier, an. „Ich kannte das nicht so extrem aus meiner oberbayerischen Heimat.“ Aber schnell fand sie Gefallen, trat dem Stadtverband bei und war bald unersetzbar. Zusammen mit anderen Frauen sorgte sie im Hintergrund für den perfekten Auftritt. Sie richtete kalte Platten her, fuhr für Faschingskappen bis nach München, stopfte Laufmaschen „bis um vier in der Früh “. Mit den Gardemädchen reiste der Stadtverband in die umliegenden Ortschaften, nach Pullach, Arnhofen oder Biburg.
Einmal waren sie auch in einer Disko bei Parsberg zu Gast und erlebten eine unliebsame Überraschung: „Die Mädchen zogen sich für den Showtanz um. Auf einmal waren alle Leute weg.“ Heilmeier erfuhr bald, warum keiner mehr da war: Ein Eisregen hatte die Menschen zum vorzeitigen Aufbruch genötigt. Auch die Gruppe aus Abensberg wollte aufbrechen, „aber die Straße war so abschüssig, dass sich der Busfahrer weigerte, loszufahren. Erst als um fünf Uhr früh gestreut wurde, konnten wir heimfahren“. Zuhause, am Regensburger Tor, warteten die Eltern schon mit Schulranzen und frischer Kleidung, denn es war ein ganz normaler Schul- und Arbeitstag.
Nichts hielt die Garde des Stadtverbands Abensberg auf
Schneegestöber oder Eisregen – die Garde vom Abensberger Stadtverband konnte nichts aufhalten. Kaputte Stiefel, Colaflecken oder Laufmaschen freilich erst recht nicht. Die Frauen sorgten dafür, dass die Mädchen immer tipp topp aussahen, Heilmeier strich daheim beispielsweise verknitterte Samtröcke und Rüschchen mit dem Dampfstrahler glatt, „bis in die Nacht hinein“ und Nähzeug, das hatte sie sowieso immer mit dabei.
Neben den Auftritten auf anderen Faschingsbällen war der Inthronisationsball des Stadtverbands, ein Schwarz-Weiß-Ball, ein wichtiger Termin im Kalender. Auch ein eigenes Prinzenpaar hatte der Stadtverband, teilweise verewigt auf den Faschingsorden. Mit denen wurden jene bedacht, die den Stadtverband finanziell unterstützten. Der Ball, der jahrelang an Silvester stattfand, „war immer gut besucht“.
Richtig rund ging es dann am Faschingswochenende, „der Unsinnige Donnerstag war ein Muss“. In den 1960er und -70er Jahren gab es jede Menge Hausbälle in Abensberg, „und zuvor ist man zum Betzl Bräu zum Essen gegangen“. Das Wirtshaus , das sich gegenüber der Bäckerei Schwarz befand, ist längst verschwunden, Einlagen, wie beispielsweise eine nachgestellte „Operation“, mit „Brät, damit es echt ausschaut“, bleiben aber unvergesslich.
Nach dem Essen zog Heilmeier mit ihrem Mann in Gruppen durch die Stadt, freilich als „Maschkerer“ und dazu passend geschminkt, „nicht nur mit ein bisschen Farbe im Gesicht, das war alles zugeschmiert“, erinnert sie sich schmunzelnd.
Am Faschingswochenende ging es dann Schlag auf Schlag, Bälle in Ulrain, Pullach oder Rohr waren für die Garde Pflicht, „und dann gab es ja auch noch die Hausbälle, bei denen man privat vorbei schaute. Das Faschingswochenende war komplett durchgetaktet“.
Fasching in Abensberg: stressig, aber schön
Am Faschingsdienstag tanzte die Garde im Altersheim, beteiligte sich am Umzug und dann ging es auf dem Stadtplatz rund, „mit einem Riesenprogramm, jeder Verein hat was auf der Bühne gemacht und auch die Garden der Nachbargemeinden waren eingeladen“. Am Abend ließ man gemütlich die Saison Revue passieren, „aber bis ich zuhause war, war es auch oft Mitternacht. Es war eine stressige Zeit, aber ich möchte sie nicht missen“. Eine „große Familie“ habe es gebraucht für all die Aufgaben, mit denen der Stadtverband legendäre Veranstaltungen aus der Taufe hob, so Heilmeier. Der Zusammenhalt sei einfach prima gewesen, sagt sie rückblickend.
Heute kann sie dem Fasching nichts mehr abgewinnen. Aber die Erinnerungen an die schöne Zeit, die leben weiter in unzähligen Bildern.



