Vollblutmusiker Andreas Lößl: Entertainer und Ruhepol

Aber so wild es auf den Bühnen landauf, landab auch zugeht, wenn die Band auftritt – so gemütlich ist es bei Andreas Lößl daheim in Pillmersried. Der 55-Jährige ist Gründungsvater der fünfköpfigen Gruppe Urwaidler, die momentan jedes Wochenende auf Faschingsbällen für Stimmung sorgt.
Mit der Musik ging es im Hause Lößl freilich schon viel früher los, erzählt der Pillmersrieder in seiner guten Stube mit der Quetschn neben sich: Mit ungefähr acht Jahren hat er angefangen, Akkordeon und Keyboard zu lernen, und gesungen wurde daheim sowieso schon immer. Die Eltern, Andreas und Rosi, traten als Duo Lößl auf und waren Mitwirkende des Oberpfälzer Volksmusikkreises.
Andreas Lößl: Ohne Musik geht es nicht
„Die Musik gehört einfach zu mir“, das weiß Andreas Lößl schon seit Kindertagen. Als Jugendlicher hatte er seine ersten Auftritte auf Kinderfaschings-Partys in der Region. Bald darauf gründete er mit seinen vier Brüdern die Gruppe Music Dreams und später die Bayerwald-Rebellen. „Nach zwanzig Jahren, um die Jahrtausendwende, wollte jeder von uns dann aber eigene musikalische Wege gehen“, erinnert sich der gelernte Maurer. Er selbst stellte zu dieser Zeit sein Baugeschäft in Pillmersried auf die Beine. Die Musik trat für etwa ein Jahr in den Hintergrund, aber er hat schnell gemerkt: „Ohne geht es nicht.“
Als er dann Robert Mages aus Rötz getroffen hat, beschlossen die beiden, ein Duo zu gründen: Die Geburtsstunde der Urwaidler. Alex Borowski, der auch bei den Music Dreams und den Bayerwald-Rebellen, die es in veränderter Formation noch immer gibt, war, machte das Duo zum Trio. „Schon damals haben wir sämtliche Musikrichtungen gespielt“, erzählt Lößl. „Und das ist immer noch so.“ Die Band hatte die ersten Auftritte in der Region.
Urwaidler Andreas Lößl: Mit Leib und Seele Musiker
Nach ungefähr vier Jahren kam Andreas Lößls Bruder Mathias zu den Urwaidlern. Zu viert waren Auftritte auf größeren Festen und in Bierzelten vor bis zu 5000 Leuten möglich. Wenig später waren sie dann zu fünft und eine Zeit lang sogar zu sechst.
Seit Robert Mages 2019 aus privaten Gründen ausgestiegen ist, sind die Urwaidler wieder ein Quintett. Sein „Erbe“ ist das Logo der Band, der Waidler mit Brille und Bart, den Mages entworfen hat. „Das ist immer noch das gleiche, es wurde nur ein bisschen modernisiert“, sagt Lößl. Noch eine kleine Änderung: Der ursprüngliche Name D‘Urwaidler wurde vor einigen Jahren vereinfacht, da er so leichter zum Aussprechen und zum Schreiben ist.
„Wir liegen alle auf einer Wellenlänge, von uns ist jeder mit Leib und Seele Musiker“, sagt Andreas Lößl über die Band. „Wichtig ist uns, dass unsere Musik bodenständig und handgemacht ist. Und dass wir bei den Auftritten mit Freude, mit Herz dabei sind.“
Auf der Bühne ist Lößl Entertainer, abseits Ruhepol
Auf der Bühne wird der 55-Jährige der „Entertainer“ genannt, gleichzeitig gilt er durch seine jahrzehntelange Erfahrung als „Ruhepol“ in der Gruppe, in der auch „junges Blut“ mit eingebunden ist: „Die Mischung macht‘s.“ Für die Zukunft sei geplant, dass mit seinem Sohn Andi (17) die nächste Generation mit einsteigt. Seit kurzem hat dieser die Lichttechnik bei den Auftritten übernommen. Er ist aber auch Musiker und spielt Trompete.
Überhaupt, so Lößl, sei es wichtig, dass die Familie hinter einem steht, wenn man Wochenende für Wochenende mit dem Tourbus ausrückt. Seit 30 Jahren ist er mit seiner Frau Sylvia verheiratet, sie haben zusammen vier Kinder. „Meine drei Töchter sind auch musikalisch und machen ihr Ding.“ Drei seiner Kinder sind außerdem mit ihm bei den Oberland Musikanten dabei, einer Blasmusikkapelle, die vor einigen Jahren gegründet worden ist.
Ob Oberland Musikanten oder Urwaidler, geprobt wird meistens daheim in Lößls Probenraum. Monatelang hatte jeder, der nicht in einem Haushalt lebte, „nur ein bisserl für sich spielen müssen, keiner hatte aber so recht Freude dabei“, erinnert Lößl sich an die Zeit der Corona-Beschränkungen. Nach den Lockerungen habe es einige Auftritte in kleinerem Rahmen gegeben. Seit Mitte Januar sind die Urwaidler wieder auf Faschingsbällen unterwegs und das ganze Jahr über oberpfalz- und niederbayernweit und auch im Frankenland bei verschiedenen Auftritten. Die Anfragen für die Faschingsbälle seien wegen der Unwägbarkeiten relativ kurzfristig gekommen, so Lößl.
Urwaidler: Planungen bis 2026
Die Vereine, die die Veranstaltungen organisieren, wolle man dabei unterstützen. Denn man merke an den freudigen Gesichtern im Publikum: „Die Leute freuen sich, wieder richtig feiern zu können.“ Es laufen schon jetzt die Vorausplanungen für Auftritte im Sommer und teilweise sogar bis 2026.
Natürlich habe auch er sich 2020 gefragt, so der Pillmersrieder, wie es weitergehen soll mit der Musik, als alle geplanten Auftritte auf Eis gelegt worden sind. „Aber ich hab zu den Kollegen gesagt: Des wird schon wieder. Wir müssen bloß zusammenhalten. Und als es wieder möglich war, da haben wir uns sakrisch gefreut, dass wir endlich wieder zusammen Musik machen können.“
Neben der Band und seinem Baugeschäft ist Lößl ehrenamtlich im Rötzer Stadtrat und Mitglied im Bauausschuss. Wie er alles unter einen Hut bekommt und dabei der Ruhepol bleibt? „Man muss Vertrauen in die jüngere Generation haben und nicht dagegenhalten.“ Außerdem: „Das Wichtige im Fokus behalten und belastende Dinge zur Seite legen.“ Und natürlich: „Die Musik tut meiner Seele gut. Da wird der Kopf frei.“


