Regensburg: Gastro-Urgestein (57) geht in Rente – Hotel und Wirtshaus wechseln Besitzer

Ein Hotel und ein Wirtshaus in Stadtamhof wechseln die Besitzer. Der Ex-Wirt fährt jetzt einen Hilfskonvoi in die Türkei ins Erdbebengebiet.
Da tut sich was im schicken Stadtteil Stadtamhof: Der Regensburger Gastronom und langjährige Hotelbetreiber Stephan Kappl hat sich aufs Altenteil zurückgezogen. „Ja, es ist richtig, ich habe nach dem Lokal nun auch das Hotel abgegeben“, sagt Kappl. „Ich bin 57, reise sehr gerne und habe noch ein paar andere Projekte.“
Gastronomisches Urgestein in Regensburg
Kappl gilt in Stadtamhof als gastronomisches Urgestein. Mit dem „Meier – Ein Lokal“ führte er 26 Jahre lang zusammen mit Linda Wöss ein Wirtshaus, das gutbürgerliche Küche raffiniert zubereitet anbot – und auch weiterhin anbieten wird. „Das Meier wird nun von Linda allein weitergeführt“, erzählt Kappl. „Außerdem bin ich gerade in der Übergabe vom Hotel Lux in Stadtamhof, das ich nach 17 Jahren auch weitergebe“, so der Ex-Gastronom.
Das Lux ist eine kleine Frühstückspension mit sieben Zimmern und 15 Betten, die im Jugendstil eingerichtet sind und im Welterbe, zu dem Stadtamhof gehört, an der Hauptstraße liegt. „Ich habe lange überlegt, dass ich das Hotel abgeben möchte“, erzählt der Regensburger.
Eine Fahrt verändert alles
Dann ist etwas passiert, was man nur als Wink des Schicksals im Leben dreier Menschen bezeichnen kann. Und ins Spiel kommen Teresa Hurzlmeier und ihr Lebensgefährte Stefan Pledl. „Stephan und Stefan betreiben zusammen Tornero, ein Pfand-System für Pizzerien“, sagt Hurzlmeier Mit einer Pizza-Pfand-Box, die auch in Regensburg im Einsatz ist, will das Startup Müll vermeiden. „Beide waren unterwegs nach Österreich in Sachen Tornero, als mein Stefan davon erzählte, dass wir einen Lebenstraum haben und gerne eine Pension oder so etwas in der Art betreiben würden.“
Stephan Kappl sei die gesamte Fahrt über sehr ruhig geworden. Dann hatte er Stefan Pledl ein Angebot gemacht, das dieser sofort seiner Lebensgefährtin erzählte.
Auf der Fahrt wurde er ganz still
„Stephan Kappl sagte uns, dass er sich gerne von dem Hotel trennen würde“, erzählt Teresa Hurzlmeier. Die gelernte Hauswirtschafterin war sofort begeistert. „Wir haben uns Zimmer für Zimmer angesehen und waren beide hin und weg.“ Für Stephan Kappl war aber auch wichtig, dass die beiden langjährigen, fest angestellten Mitarbeiter in seinem Hotel Lux auch übernommen werden. „Das war für uns gar kein Problem, im Gegenteil“, sagt Hurzlmeier.
Seit 1. Januar betreibt das Paar nun das Hotel. „Stefan kümmert sich um die Buchungen, ich suche die Vorhänge aus“, lacht die Regensburgerin. Und sie singt ein Hohelied auf Stadtamhof. „Das ist ein Traum von einem Stadtteil“, findet sie, jung, modern, und gleichzeitig mit so großer Tradition. „Vor allem der Zusammenhalt unter den Geschäftsleuten ist einfach schön“, findet sie. Das Paar möchte am Image des Hotels nichts verändern. „Wir wollen es aber noch ein bisschen frischer machen, damit es die nächsten 17 Jahre unter unserer Leitung ebenso gut läuft“, schließt Hurzlmeier.
Rente mit 57, „das ist doch super!“
„Rente mit 57, das ist doch super, oder?“, schmunzelt Kappl. Dabei kann von Ruhestand eigentlich keine Rede sein. Denn trotz der Übergabe des Meiers und des Hotels ist der Regensburger nach wie vor aktiv. Doch nicht nur sein Startup Tornero beschäftigt ihn. „Wir verladen gerade eine Feldküche, um sie ins Erdbebengebiet in die Türkei zu fahren“, erzählt er. Zusammen mit Sinan Öztürk und dem pensionierten Polizisten Günter Pirnke fahren die drei für den Verein Space Eye in die Türkei.
Eine Feldküche fürs Erdbebengebiet
„Die Feldküche stammt aus Belgien, mit ihr kann man 150 Portionen Essen auf einmal zubereiten“, sagt Kappl. Drei Tage lang sind die Regensburger insgesamt in dem Krisengebiet, in dem nach bisherigen Zählungen mehr als 25000 Menschen ihr Leben verloren haben, unterwegs. „Sinan stammt aus der Region um Hatay und hat dort auch viele Verwandte“, weiß Kappl.
Das Ziel ist, quasi eine Versorgungsbrücke von Regensburg nach Hatay aufzubauen. „Wir wollen uns vor Ort auch vernetzen, damit Hilfsgüter leichter in die Krisenregion gebracht werden können“, sagt der Ex-Gastronom.
Mit der Hilfe für den Verein Space Eye hat Kappl eine Aufgabe gefunden, die ihn erfüllt und bei der er sich nützlich macht.
Liebe zu Stadtamhof bleibt
Und das Regensburger Original will die Welt ansehen. „Ich liebe es zu reisen und bin sehr gerne in den Bergen.“ Doch eine Liebe, die Kappl hat, die wird er wohl nicht mehr los – und sie wird ihn auch weiterhin immer wieder in die Heimat ziehen. „Ich liebe Stadtamhof – und ich werde auch künftig immer wieder gerne hierher kommen, jetzt eben als Gast.“
