Rebecca Bauer und Alexander Pongratz: Furth im Wald hat sein Ritterpaar 2023

Als Rebecca Bauer (24) und Alexander Pongratz (28) endlich am Tisch im Kreis ihrer Familien sitzen und an ihrem Wasser genippt haben, strahlen beide überglücklich. Der erste Termin ist geschafft: Die offizielle Vorstellung als Ritterpaar beim Drachenstich 2023 im Rahmen eines Pressetermins.
Viele weitere Termine werden folgen, ehe sie als Ritterin Maria und Ritter Udo im August die Bühne betreten. So viel ist sicher: Die beiden sympathischen jungen Leute werden überall dort, wo sie hinkommen, die Herzen der Menschen im Sturm erobern.
Further Drachenstich hat lange Familientradition
Weil Bürgermeister Sandro Bauer, in dessen Haus die Vorstellung des Paares stattfand, als Vater der Ritterin den Part nicht übernehmen konnte, führte Heinz Winklmüller, 2. Vorsitzender des Vereins Drachenstichfestspiele e.V., das Paar in die Gesellschaft ein. „Rebecca und Alexander stehen heute im Mittelpunkt, ich kenne beide Familien gut und weiß, dass sie sehr drachenstichaffin sind.“
Ein Blick in die Historie des Drachenstichs belegt dies. Rebecca hat schon beim Kinderdrachenstich mitgewirkt, ist seit 2013 als Moriskin engagiert. Papa Sandro hat im Jahr 1990 den Ritter gegeben, nahm zuvor seit 1982 als Reiter, Statist und mit Sprechrollen am Festspiel teil. Bruder Bastian war Trommler beim Sattelbogner sowie beim Kardinal und ist seit 2018 Teil der Drachenmannschaft. Engelbert Kolbeck, Uropa der aktuellen Ritterin, war Kirchhofschütze, ebenso ihr Opa Alfred Bauer, der mit Josef Drotzmann und Georg „Girgl“ Jelinek eine legendäre Burgwächtertruppe verkörperte. Mehr Drachenstichblut kann in einem Menschen nicht fließen.
Auch Alexanders Vater , Josef Pongratz, war im Jahr 1984 Ritter. Alexander weiß noch genau, wann zum ersten Mal der Wunsch in ihm aufkam, Ritter zu werden: „Das war im Jahr 2005, als mein Cousin Stefan Simmeth Ritter war. Diese Saison habe ich als damals Zehnjähriger sehr intensiv miterlebt und in vollen Zügen genossen.“ Doch schon davor war es für Alexander kaum möglich, sich der Further 5. Jahreszeit zu entziehen. „Ich bin am Stadtplatz aufgewachsen, eines meiner ersten Spielzeuge war ein kleines Holzschwert und mit meinem Bruder habe ich am liebsten Ritter gespielt.“ Und auch mitgespielt hat Alexander schon: Bei der Hussitengruppe (seit 2005), beim Vorspiel (2006 bis 2008), als Jakob Gewolf (2012 bis 2014) und als Raphael (2017 bis 2019).
Die Vorfreude auf die Festspieltage im August ist in der Runde zu spüren, vor allem auch, „weil wir uns freuen, dass es nach Corona wieder sein darf, wie wir es gewohnt sind“, sagt Winklmüller. 500 Jahre alt ist die Tradition des Drachenstichs, hat es inzwischen sogar ins Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes geschafft. „Erst seit rund 100 Jahren findet er in dieser Form als großes Festival statt und das hat sich in diesen Jahren immer wieder gewandelt und entwickelt.“ Bis heute identifizieren sich die Further mit den Figuren, besonders aber mit dem Ritterpaar. An dieses gewandt sagte Winklmüller: „Das Ritterpaar zu sein ist Verpflichtung, Ehre und Bürde. Das Festspiel ist das eine, ihr seid jetzt aber auch Repräsentanten der Stadt.“ Eine Herausforderung, der sich beide gerne stellen. „Ich freue mich auf alles, was kommt, besonders auch auf den Umzug“, sagt Rebecca und fragt sich, wie es wohl sein wird, wenn einem die Menschen zujubeln.
Auch Alexander genießt die positive Anspannung: „Ich bin nicht nervös, habe aber Respekt vor der Aufgabe.“ Er freut sich vor allem darauf, dass in Furth im Wald jedes Jahr so ein außergewöhnliches Fest stattfinden kann, zu dem die Menschen aus nah und fern in die Stadt strömen.
Vor die Aufführungen haben die Theatergötter aber erst einmal den Proben-Schweiß gesetzt. Dazu wurden dem Ritterpaar bei der Präsentation neben Gutscheinen für Schwert (Ritter) und Krone (Ritterin) jeweils auch ein Textbuch überreicht. Wenn man, so wie Rebecca und Alexander schon einige Jahre dabei ist, erschreckt einen das nicht: „Text lernt man da ja automatisch jedes Jahr mehr.“ Auch zwei Proben haben schon stattgefunden: „Es ist anstrengend aber es macht Spaß“, sagt Rebecca.
Alexander Pongratz wird jetzt viel reiten
Für Alexander steht, wie er sagt, jetzt erst einmal in jeder freien Minute „reiten, reiten, reiten“ auf dem Programm. Die Möglichkeit dazu hat er auf dem familieneigenen Reiterhof. Außerdem besitzt er zwei Pferde, ein bayerisches und ein sächsisches Warmblut. Trotzdem sieht er sich gegenüber seiner Vorgänger nicht unbedingt im Vorteil: „Drachenstichpferde zu reiten ist etwas anderes und nicht so leicht.“ Deswegen wird Rittertrainer Willi Späth immer sein erster Ansprechpartner sein, um gemeinsam herauszufinden, was das Beste für Alexander ist. So viel ist aber sicher: „Vor dem Drachenkampf hat man auf jeden Fall Respekt.“
Noch eine Frage zum vorläufigen Abschluss: Wie hat sich das Traumpaar denn eigentlich gefunden? Irgendwann ist für Rebecca das Ritterin werden zum Thema geworden, sie wurde von vielen angeredet, ob das nicht einmal etwas wäre. Dann hat Alexander gefragt. „Ich bin dankbar, dass Du relativ schnell ja gesagt hast“, erklärt der. Für ihn war früher immer klar, dass er einmal Ritter werden würde, während Corona ist die Hoffnung geschwunden. Umso mehr freut er sich jetzt, dass es doch noch geklappt hat: „Dass ich nach der turbulenten Zeit die Chance bekomme, den Ritter zu verkörpern, hätte ich nicht gedacht.“
Als dann in gemütlicher Runde auch Festspiel-Anekdoten ausgetauscht werden, wird es für das Ritterpaar doch noch einmal offiziell: Sie müssen vorführen, wie gut es schon mit dem Tanzen klappt. Schließlich folgt am Samstag der große Drachenstichball. Und was wünschen sich Ritter Udo und Ritterin Maria für die Festspiele im August? „Schönes Wetter und dass alles unfallfrei bleibt.“
Rebecca Bauer
Rebecca Bauer:Geboren am 29. Oktober 1998. Abitur, Studium Bioanalytik, derzeit absolviert sie ein Praxissemester.
Rebecca ist seit2006 aktive Flötenspielerin beim Spielmannszug „Grenzfähnlein“, hat als Christkind auf der Further Waldbühne gestanden und dort bei den Stücken Pippi Langstrumpf als Annika und Fee Amaryllis bei Räuber Hotzenplotz mitgewirkt. Sie war Ministrantin und ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Schafberg.
2019 hat siesich ein Hobby ausgesucht, das neben ihrer Mitwirkung bei den Festspielen bestens zum Drachenstich passt: Das Gleitschirmfliegen.
Alexander Pongratz
Alexander Pongratz: Geboren am 18. Januar 1995. Abitur, Studium Agrarmanagement, derzeit Bereichsleiter für einen Produzenten und Großhändler für Tierzuchtbedarf.
Vorsitzenderder Pferdezüchtervereinigung Furth im Wald /Hohenbogenwinkel Hobbys sind Reiten und Kutsche-Fahren.
Alexandererinnert sich gern an das Jahr 2006: „Als ich als Hinterteil des Drachens dann auch eine kleine Sprechrolle bekommen habe, hat mich das Schauspiel-Fieber gepackt und ich habe mich riesig gefreut, als mich Regisseur Alexander Etzel-Ragusa als Gewolf und später als Raphael berücksichtigt hat.“





