Bezahlbare Wohnungen: Neumarkts OB kündigt großen Wurf für dieses Jahr an

Von Katrin Böhm · 9. Februar 2023 um 11:00

Kaum ein Thema beschäftigt die Neumarkter so sehr wie das Wohnen. Welche Großprojekte 2023 verwirklicht werden, wie es um bezahlbare Wohnungen steht – und was noch warten muss: Die MZ hat bei Oberbürgermeister Thomas Thumann und Investoren nachgehakt.

Flugfeld Neumarkt: Bürger sollen 2023 erneut gehört werden

Es ist ein ambitioniertes Projekt: Auf dem Flugfeld entlang der Nürnberger Straße möchte die Stadt einen neuen, unkonventionellen Stadtteil – autofrei, mit Parks, in ökologischer Bauweise – für 3000 bis 4000 Einwohner schaffen. Im ersten Halbjahr 2023 soll deswegen eine Eigentümerversammlung stattfinden. Damit will die Stadt die vielen Grundstücks-Eigentümer des Flugfelds ins Boot holen, die hier investieren sollen. Denn selbst wenn alle ihren Grund verkaufen würden, müsste die Stadt dafür rund 50 Millionen Euro ausgeben – „das ist nicht unser Ziel“. Stattdessen setzt man darauf, dass die Eigentümer „ihren berechtigen Vorteil“ aus dem Projekt ziehen können.

Außerdem plant die Stadt 2023 erneut eine Bürgerbeteiligung. „Federführend in jeglicher Hinsicht“ werde das Projekt, sagt OB Thumann, bisher habe man sehr viel positive Rückmeldungen erhalten – nun will man die Bürger erneut hören. Mehr als Pläne wird es aber 2023 nicht geben, möglicherweise könnte man sich in Richtung Ausschreibung bewegen.

Milchhof Neumarkt: Nach Stillstand geht es jetzt weiter

Allein im Januar habe die Stadt 45 Wohneinheiten mit 13 Millionen Euro Investitionen genehmigt, so der OB. Von einer Flaute am Immobilienmarkt könne also in Neumarkt nicht die Rede sein. 2023 werde es auch endlich am alten Milchhof-Gelände weitergehen – ursprünglich sollte das Burgis-Karree eines privaten Investors bereits fertig sein, doch es hatte Verzögerungen bei Planung und Genehmigung gegeben.

Nun soll es im März diesen Jahres mit dem Bauen losgehen, erklärt Immobilienmakler Willi Kirsch. Geplant sei, dass die Wohnungen Ende 2024 oder Anfang 2025 bezugsfertig sind. 40 Einheiten seien bereits fest reserviert worden, nachdem das Büro kurz vor Weihnachten mit der Vermarktung begonnen hatte. „Das ist sehr beachtlich, wir sind mehr als zufrieden“, sagt Kirsch.

Insgesamt entstehen am Milchhof fünf Häuser mit jeweils zwölf bis 17 Wohnungen und Penthäusern. Auch dadurch werde sich die Wohnmarktlage verbessern, so der OB. Allerdings vor allem für Menschen, die über Geld verfügen – eine Drei-Zimmer-Wohnung kostet in dem neuen Quartier etwa eine halbe Million Euro.

Wohnen für wenig Geld: OB Thumann plant „etwas Großes“

Bezahlbarer Wohnraum ist in Neumarkt bisher rar – das könnte sich ändern: Für das Ende des ersten Quartals 2023 kündigt OB Thumann einen Paukenschlag an: Er werde im Stadtrat ein Projekt vorschlagen, durch das „wir das Thema dann so gut wie abgehakt haben“. Mehr wolle er noch nicht verraten „aber es wird etwas Großes werden“. Angesichts des Projekts und der Tatsache, dass im Stadtrat immer wieder mehr Engagement für bezahlbaren Wohnraum gefordert werde, dürfe es im Stadtrat dazu „eigentlich keine Gegenstimmen geben“, so der Oberbürgermeister.

Parallel beschäftigt sich auch die städtische Wohnungsbau- und Servicegesellschaft mbH mit sozialem Wohnungsbau. Lange Zeit kümmerte sich der Verwaltungsdirektor der Stadt allein darum, mittlerweile habe man eine Vollzeitstelle geschaffen und mit einem Architekten besetzt, der bestehende Liegenschaften prüfe und kleinere Bauvorhaben umsetze. „Das ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so der OB. Von einer Zwei-Mann-GmbH könne man aber auch nicht erwarten, die Welt zu retten. Das, was ihm vorschwebe, habe nichts mit der Arbeit der GmbH zu tun, sondern sei eine zusätzliche Geschichte.

Klebl plant 40 neue Wohnungen am Kanalweg in Neumarkt

Die Firma Klebl plant am Kanalweg zwei Anlagen in Geschossbauweise. Rund 40 Wohnungen sollen hier entstehen, erklärt Gregor Frank, der als kaufmännischer Leiter in der Unternehmensgruppe mit dem Projekt betraut ist. Die dazu gehörige Tiefgarage, die auch vom benachbarten Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten genutzt wird, ist bereits fertig gestellt.

Bis auf dem Grundstück die Bagger anrollen, wird es noch eine Weile dauern. Klebl wartet derzeit auf den Bebauungsplan, der geändert werden soll, da das aktuelle Papier auf der Fläche nur eine dreistöckige Bebauung zulässt, die Entwürfe des Bauträgers jedoch einen zurückgesetzten vierten Stock mit Penthouse-Wohnungen vorsehen. Ein entsprechendes Verfahren hatte der Bausenat im Herbst auf den Weg gebracht. „Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr noch ein rechtskräftiger Bebauungsplan aufgestellt wird“, sagt Frank. Vorstellbar sei ein Baubeginn somit frühestens Ende des Jahres, voraussichtlich aber erst im nächsten Jahr.

Anlage der Zukunft: Wohnen am Kanal in Neumarkt

Noch ist die Feuerwehr in der Sankt-Florian-Straße untergebracht, doch in absehbarer Zeit wird sie in ihr neues Gebäude umziehen. Dann „wird hier ein Gelände frei, das hohen Wert für uns hat“, so der Oberbürgermeister. Hier könnte unabhängig von den Planungen für das Flugfeld unter dem Titel „Wohnen am Kanal“ eine „schöne Anlage“ mit zahlreichen Wohnungen entstehen.

Bögl baut drei Komplexe neben dem Neuen Markt

Bereits abgeschlossen sind die Planungen für das Projekt „Schwarzach7“ der Firma Max Bögl. Das Sengenthaler Unternehmen errichtet neben dem Neuen Markt drei Komplexe: Entlang des Schwarzachwegs ein Riegelgebäude, in dem Büros und Praxen untergebracht werden. Dieses soll als Lärmschutz für die zwei Gebäude dahinter dienen, in denen insgesamt 27 Wohnungen entstehen, so dass man hier der Firma zufolge „zentral und für Stadtverhältnisse doch relativ ruhig wohnen kann“.

Gebaut wird ab diesem Frühjahr, bezugsfertig sollen die Wohnungen im Herbst 2024 sein. Sie stehen bereits zum Verkauf, die „Vertriebsgespräche laufen“, heißt es. Die Kaufpreise der 54 bis 98 Quadratmeter großen Domizile bewegen sich zwischen 315 000 und 579600 Euro.

Drei Gebäude baut die Firma Bögl neben dem Neuen Markt.