Regensburger Straßennamen mit Konfliktpotenzial: Stadt wagt neuen Anlauf

Von Heike Haala · 8. Februar 2023 um 05:00

Hans Herrmann, Josef Engert, Florian Seidl: Stellt sich im Nachhinein heraus, dass jemand doch nicht dazu taugt, eine Straße, eine Schule oder einen Park nach ihm zu benennen, scheint Ärger oft vorprogrammiert. Trotzdem soll sich nun ein Experte an die Recherche machen.

Die Stadt sucht gerade nach einem Historiker, der bei der Stabsstelle Erinnerungskultur im Bildungsreferat arbeiten sein soll. Der neue Kollege soll nicht nur die Hintergründe der Namensgebung von Straßennamen herausbekommen. Laut der Ausschreibung soll er außerdem mithelfen, diese Ergebnisse in Vorlagen gießen, über die Stadträte beraten und abstimmen können. Außerdem soll derjenige einen Blick darauf haben, wie andere Städte oder Gemeinden mit dem Thema umgehen.

Straßennamen in Regensburg: Thema voller Zündstoff

Zuletzt war es still geworden bei dem Thema.Vor etwa einem Jahr machte die Nachricht von einem Begleitausschuss die Runde, der bei dem Thema ein Wörtchen mitreden könnte.„Der wurde aber nie beschlossen und war auch nie Thema einer Vorlage oder einer Beratung“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Im Moment stelle die Stadt Mithilfe von wissenschaftlichen Honorarkräften Fakten zu Namen, schwerpunktmäßig mit NS-Bezug, zusammen. Bei der Recherche werde ortsteilbezogen vorgegangen. „Aktuell laufen Recherchen zu Straßennamen im Kasernenviertel“, sagt die Stadtsprecherin.

Der neue Kollege soll dabei wissenschaftlich fundierte Einschätzungen zu den Straßen liefern, was den langwierigen Prozess beschleunigen könnte, so die Hoffnung. Die Stabsstelle Erinnerungskultur sei dabei aber lediglich für die Recherche und Vorschläge zuständig. „Für Umbenennungen ist ein Stadtratsbeschluss notwendig“, erklärt sie weiter.

Mark Spoerer vom Institut für Geschichte an der Universität Regensburg findet es grundsätzlich sinnvoll, dass die Stadt die Stelle nun ausgeschrieben hat. Der Experte, der der Stadt vor zehn Jahren zusammen mit zwei weiteren Autoren Nachholbedarf in Sachen Gedenkkultur diagnostizierte, sagt: „Das sind wahrscheinlich ein paar Tausend Euro. Das dürfte es der Stadt wert sein.“

Bei der Umbenennung von Straßennamen sei Vorsicht geboten. „Ich will sicher nicht in einer Straße wohnen, die nach einem Verbrecher benannt ist“, sagt er. Dennoch gebe es auch graue Felder. Zum Beispiel bezeichnet er den Vorschlag, die Drei-Mohren-Straße umzubenennen, als lächerlich. „Da weiß niemand mehr so genau, was damit gemeint ist, das würde zu weit gehen“, schätzt er die Debatte ein.

In einem strittigen Fall gibt es laut Spoerer die Möglichkeit, den Namen zu belassen, ihn zu ändern oder ihn mit einem erklärenden Zusatz zu versehen. „Das ist ja auch interessant zu lesen, dass jemand bis zu einer bestimmten Zeit als unbefangen galt und dass das aus heutiger Sicht aber nicht mehr so ist“, sagt er.

„Jedes Mal ein Streitpunkt“

Historiker Rainer Ehm will die Pläne der Stadt anhand ihres Ergebnisses beurteilen. Er glaubt inzwischen ohnehin nicht mehr daran, dass es in Regensburg zu Umbenennungen kommt. „Das ist politisch viel zu heiß und jedes Mal ein Streitpunkt“, sagt er.

An einer Stelle aber bleibt er hartnäckig:Das ist die Danziger Freiheit.„Davon wären gerade einmal vier Häuser betroffen, das ist ja jetzt kein gesamter Straßenzug. Der Straßenname hat eindeutig NS-Bezug“, sagt er. Seit Jahren weist Ehm darauf hin, dass der zentrale Platz in der Konradsiedlung den Namen einer Parole trage, die Nazis ausgaben, als sich die Freie Stadt Danzig beim Überfall auf Polen nicht einnehmen ließ.

Immer wieder entbrannte zuletzt auch eine Debatte darüber, ob der NameDrei-Mohren-Straßetragbar ist. Vor einem Jahr hatte etwa der Integrationsbeirat gefordert, auf den Namen zu verzichten. Menschen könnten sich dadurch herabgewürdigt fühlen, war die Begründung. Dagegen waren damals zum Beispiel die Betreiber der Café-Bar Drei Mohren, das nach der Adresse in dieser Straße benannt ist.