Karl Zettl aus Bad Gögging: vom Schornsteinfeger zum Klinikbesitzer

Von Jochen Dannenberg · 30. Januar 2023 um 11:00

Vom Schornsteinfeger zum Hotelier, Klinikbesitzer und Bauunternehmer. Karl Zettl hat viel erlebt und erreicht in seinem Leben. Aus Anlass seines 80. Geburtstags erzählt er, wie er wurde, was er ist.

In die Wiege gelegt war ihm diese Karriere nicht. Aufgewachsen ist Karl Zettl mit Eltern und Bruder in Bad Gögging. Die Familie besaß ein kleines Haus an der Abens, das einst eine Feldscheune war. Die Mutter starb, als Karl drei Jahre alt und der Bruder gerade geboren war.

Sieben Jahre später begann das Zeitalter des „Eisvogel“. Der Vater hatte das Wohnhaus umgebaut und mit seiner zweiten Frau ein Cafe eingerichtet, wobei der Name „Eisvogel“ Zufall war, denn die Kurgäste konnten damals am Weiher vorm Haus einen Eisvogel beobachten.

Karl Zettl zog es jedoch nicht in die Gastronomie. Er wurde Schornsteinfeger, mit 21 Jahren war er der jüngste Kaminkehrermeister Bayerns. Die Erfolgsaussichten in diesem Beruf waren allerdings gering. „Ich war die Nummer 76c in der Rangliste“, erklärt der nunmehr 80-Jährige. „Um einen eigenen Bezirk zu bekommen, hätten 75 andere vor mir in Rente gehen müssen.“

Nicht alles ist planbar

Es kam anders, der Zufall half weiter. Karl Zettl, der sich als junger Mann beim MSC Neustadt u.a. als Rennleiter bei Sandbahnrennen engagierte, lernte über den Motorsport Hans Pfaller kennen. Der suchte nach Nachwuchskräften für die boomende Bauindustrie in der Landeshauptstadt. Karl Zettl schlug ein und wurde 1967 Disponent in einem Kieswerk der Firma Radmer. Nebenher besuchte er vier Semester lang die Münchener Uni und absolvierte eine Kaufmannsausbildung.

Die Jahre müssen aufregend gewesen sein. Karl Zettl pendelte zwischen München und Bad Gögging. Außerdem heiratete er seine Hermine, zwei Kinder – Margit und Karl – wurden geboren und dann engagierte er sich beim MSC, im Neustädter Stadtrat und im Fremdenverkehrsverband Bad Gögging. Tochter Margit berichtet über ihren Vater: „Oft erzählte er uns von der Zeit in München, so z.B. dass er von 14 Tagen Oktoberfest 16 Mal auf der Wiesen war.“

Beruflich ging es weiter aufwärts. 1976 eröffnete er mit der Firma Radmer das Kieswerk in Mauern. 1982 übernahm er den elterlichen Betrieb, das „Cafe Eisvogel“, renovierte es und fand in Werner und Hildegard Hedler zwei „äußerst tüchtige und engagierte Mitstreiter“.

Doch nicht alles gelang. So schaffte Karl Zettl 1984 wegen ein paar Stimmen nicht den Einzug in die Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters in Neustadt. Und 1987 stieg er nach gesundheitlichen Problemen bei der Bauunternehmung Radmer aus.

Weiter im Unternehmen

Wirtschaftlich ging es weiter aufwärts. Der „Eisvogel“ wurde immer wieder erweitert. 1993 erwarb Karl Zettl die „Römerbad-Klinik“, 2003 kam der „Kaiser Trajan“ hinzu. Im Herbst 2019 wurde die „Villa Aurelia“ eröffnet. Da hatte Karl Zettl die Geschäfte bereits an seine Kinder übergeben, blieb aber im Unternehmen aktiv.

Die Entwicklung hat ihm Recht gegeben, er hat von einem großen Netzwerk aus Politik und Vereinen profitiert, aber auch von der Entwicklung des Kurortes, der sich ab Anfang der Siebzigerjahre neu aufstellte. Karl Zettl gehörte neben Pfarrer Karl Rüth, Bezirkstagspräsident Sebastian Schenk und Erich Griebl von der Raiffeisenbank Bad Gögging zu den treibenden Kräften dieser Entwicklung.

Die war auch mit Risiken behaftet. So sagt Karl Zettl: „Der Kauf des Römerbads war eine Chance, die hat man nur einmal im Leben.“ Es habe aber auch Zweifel gegeben. So sei unmittelbar auf den Kauf des Römerbades die Seehofer‘sche Gesundheitsreform gekommen. Die Kur auf Rezept – viele Jahre wirtschaftlichen Grundlage der Kurorte – gab es damit nicht mehr. „Das war eine Zeit, da ist alles Spitz auf Knopf gestanden.“

85 Mitarbeiter hat der „Eisvogel“ jetzt, die „Römerbad-Kliniken“ hat 300 Beschäftigte. Karl Zettl hat viel erreicht. Das weiß er. Auch deshalb sagt er rückblickend: „Im Großen und Ganzen würde ich alles wieder so machen.“

Sein Erfolgsgeheimnis, sagt er weiter, sei auch die Fähigkeit gewesen, anderen zuzuhören. „Man muss die Leute fragen, man muss sich belehren lassen und Vertrauen zu den Menschen aufbauen.“

2019 wurde die „Villa Aurelia“ eröffnet. Dannenberg
Der „Kaiser Trajan“ wurde 2003 gekauft. -Foto: Dannenberg
Karl Zettl (li) war einst Rennleiter in Neustadt. -Foto: Pirthauer
Der „Eisvogel“ wurde immer wieder erweitert. -Foto: Dannenberg