Das Flüchtlingsschiff ist da: Die MS Rossini hat in Bach an der Donau angelegt

Von Heike Haala · 29. Januar 2023 um 17:41

Ob am Stammtisch oder beim Friseur – bei Gesprächen in oder über Bach an der Donau (Landkreis Regensburg) dominiert gerade ein Thema: Die MS Rossini, die ab dieser Woche nach und nach voraussichtlich 150 Geflüchtete beherbergen soll. Am Sonntagabend erreichte das viel diskutierte Schiff die Anlegestelle am Ufer der Regensburger Landkreisgemeinde.

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Die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft der MS Rossini hatte sich schnell im Ort herumgesprochen und so beobachteten etwa 20 Bürger, wie die Crew den Kreuzer vertaute. Nach der Aufregung der vergangenen Tage war es in Bach am Nachmittag zunächst noch ruhiger zugegangen. Einige Menschen vertraten sich trotz des trüben Wetters nach dem Mittagessen die Beine an der Donau. Die meisten wechselten dabei aber nach ein paar Schritten auf dem Damm mit Blick auf die Anlegestelle wieder hinunter ans Altwasser. Kein Wunder: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt pfiff ihnen jeder noch so leichte Windhauch über der Donau ordentlich durch Schal, Mütze und Daunenjacke. Aber dann rückten Kamerateams an. Außerdem deuteten die Plakate der AfD, die für 1. Februar zu einer Demonstration am Anleger aufgerufen hatte, darauf hin, dass hier gewaltig etwas in der Luft hängt.

Flüchtlingsschiff legt in Bach an: Bürger in Sorge

Man sei mit demFlüchtlingsschiffvor vollendete Tatsachen gestellt worden, klagten vergangene Woche einige Bürger aus Bach. Wie soll die 1100-Seelen-Gemeinde diese Zahl an Flüchtlingen verkraften, fragen sie sich. Schließlich fertigte die Bürgerinitiative „Gemeinde Bach – Gemeinsam stark“ eine Liste mit alternativen Unterbringungsmöglichkeiten an, um das Landratsamt bei der Suche nach Notunterkünften zu unterstützen.

Unterdessen schaltete sich derRegensburger CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Aumerein weiteres Mal in die Debatte ein. Er habe sich in einem persönlichen Schreiben an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gewandt. Stadt und Landkreis stoßen bei der Unterbringung an ihre Grenzen, schreibt Aumer in einer Pressemitteilung. Seit Herbst habe sich die Flüchtlingssituation dramatisch zugespitzt. „Mussten auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 knapp 2000 Flüchtende im Landkreis Regensburg untergebracht werden, so sind es aktuell fast 3000. Hinzu kommen 2000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine“, schreibt Aumer. In seinem Brief habe er den Kanzler auch eingeladen, nach Bach zu kommen und sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Flüchtlingsschiff: Vor-Ort-Termin mit Bachs Bürgermeister

Ob der Kanzler dieser Einladung nun folgen wird oder nicht - zur Ruhe wird der Ort in dieser Woche nicht kommen: Zuletzt war für Montag ein Vor-Ort-Termin mit Bachs Bürgermeister Thomas Schmalzl, Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer und Leiter der Polizeiinspektion Wörth, Maximilian Schwarz, anberaumt worden. Mit der örtlichen Feuerwehr soll zudem noch eine eigene Begehung durchgeführt werden.

Am Mittwoch sollen bereits die ersten Geflüchteten an Bord gehen. Für diesen Tag hatte der AfD-Kreisverband Regensburg auf Facebook zu einer Demo ab 17 Uhr an der Bootsrampe in Bach aufgerufen. Diesen Protest wollen andere Bürger nicht hinnehmen und riefen am Wochenende ebenfalls in den sozialen Medien zu Gegendemonstrationen für den gleichen Tag auf. Das Bündnis für Toleranz und Menschenrechte im Landkreis Regensburg will „Mit Herz und Verstand gegen Hetze und Vorteile“ um 16.30 Uhr in Bach auf die Straße gehen. Zur gleichen Zeit rief die Initiative gegen Rechts in Hör- und Sichtweite zur AfD-Kundgebung zum Gegenprotest auf.

Flüchtlinge auf Schiff untergebracht: Buschheuer lobt die Lösung

„Wir dürfen um kreative Lösungen froh sein“, sagt derweil Michael Buschheuer, Vorstand der Hilfsorganisation Space Eye, über die Pläne des Landkreises, Geflüchtete auf demHotelschiffunterzubringen. Er habe schon einmal ein Schiff in Hamburg-Harburg besuchen können, das geflohene Menschen beherbergt hat. „Das war absolut in Ordnung“, sagt er über die Situation dort.

In Bach werde es natürlich das Thema sein, dass es ab vom Schuss ist, vermutet der Space Eye-Chef. Die Leute könnten seiner Einschätzung nach vielleicht nicht ganz glücklich sein, dass sie nicht in einer Stadt sind. Aber er halte das für eine adäquate Unterbringung.

Auf dem Weg in den Landkreis: Die MS Rossini gestern Nachmittag vor der Schleuse in Straubing -Foto: Haala