Stephan Döring hat sich den Traum vom Landarzt-Leben erfüllt

Er war viele Jahre lang Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin an der Hedwigsklinik in Regensburg, beruflich angekommen ist Stephan Döring jetzt aber in Nittendorf. Von einem Landarzt-Leben hat er immer geträumt, sagt der 47-Jährige. Und als Roland Wagner ab Oktober einen Nachfolger für seine Kinderarzt-Praxis suchte, war die Gelegenheit da.
„Ich schau’ mir wirklich gern den Bergdoktor an“, erzählt der zweifache Vater und lacht. „Meine Frau sagt dann immer, dass ich mir das Landarzt-Leben zu romantisch vorstelle.“ Der gebürtige Saarländer hat in Nittendorf aber gefunden, wonach er gesucht hat. Er hat mehr Kontakt zu den Familien und macht sogar Hausbesuche. Und er kann als sein eigener Herr und Unternehmer die Geschwindigkeit bestimmen, mit der sich Dinge verändern und Neuerungen umgesetzt werden. Das alles bedeutet zwar in etwa doppelt so viel Arbeit wie zuvor in der Klinik, dafür ist der Kinderarzt jetzt aber richtig glücklich in seinem Job.
Barrierefrei und mehr Platz
Er wird in Nittendorf bleiben für die zweite Hälfte seines Berufslebens, kündigt er an. Sonst würde er nicht so viel Zeit, Mühe und Geld in die Praxis und ihre Entwicklung stecken. Dazu gehört im Sommer der Umzug in neue Räume. „Es geht nur ein paar Meter weiter ins Bernstein-Center“, sagt Döring. „Dort wird es barrierefrei und größer.“
Den Platz braucht der 47-Jährige, weil er die Öffnungszeiten der Praxis von zwei auf vier Nachmittage erweitert hat und neben seiner Teilzeit-Kollegin Julia Link noch einen weiteren Arzt einstellen möchte. Finanziell möglich macht den Umzug die Landarztprämie, die der Kinderarzt bekommen hat. „Dafür bin ich sehr dankbar“, betont Döring. „Das ist gigantisch. Mit den 60 000 Euro können wir viel anfangen.“
Die Prämie gibt es seit zwei Jahren, nur 34 Praxen bayernweit haben sie seitdem bekommen. An den Nittendorfer Kinderarzt ist sie im Zuge der Prävention gegangen, nicht weil die Gegend medizinisch unterversorgt wäre. „Sie gilt sogar als überversorgt“, sagt der 47-Jährige. Diese Berechnungen hätten methodisch aber Schwächen. Zum Beispiel würden Familien mit Migrationshintergrund nicht einbezogen. „Ihnen gerecht zu werden, kostet doppelt so viel Zeit“, erklärt der Arzt. „Es ist mir aber ein Anliegen, genug Zeit für genau diese Leute zu haben.“ Schon in der Klinik sind ihm in den vergangenen Jahren Kinderschutz und Migration eine Herzensangelegenheit gewesen. „Diesen Spirit will ich auch als Landarzt-Philosophie beibehalten“, betont Döring. Es kämen immer wieder ukrainische oder bulgarische Familien zu ihm, die schon von fünf anderen Ärzten abgelehnt worden seien. Ihnen fühlt er sich verpflichtet. Genauso wie allen anderen Kindern.
Kein Aufnahmestopp
„Hier gibt es keinen Aufnahmestopp“, sagt der Regensburger. Obwohl die Praxis bereits ausgelastet wäre. Nach Weihnachten sind die Familien auf der Treppe Schlange gestanden, jeden Abend telefoniert er bis 20 Uhr mit besorgten Eltern, berichtet der Kinderarzt.
Eine Praxis-Assistenz, die das übernehmen könnte, gibt es nicht. Hinsichtlich der Mitarbeiter ist alles auf Kante genäht, der Fachkräftemangel ist spürbar. Deswegen wird es künftig immer weniger Haus- und Kinderärzte in Einzelpraxen und immer mehr Patienten geben, meint der 47-Jährige. Auch weil die Ärzte in den Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren mehr Gehalt bekommen, geregelte Arbeitszeiten haben – und keinerlei unternehmerisches Risiko.
Was die Praxen der Kinderärzte derzeit abgesehen von einer allgemein zu geringen Quote an Ärzten füllt, sind die Nachwirkungen der Pandemie, berichtet Döring, die psychischen und körperlichen. „Die Isolation hat das Immunsystem der Kinder runtergefahren. Sie waren zwei Jahre nicht angeschlagen und jetzt haben wir verunsicherte Eltern, die noch nie ein krankes Kind zuhause hatten.“ Auch dafür braucht es Zeit. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, betont der 47-Jährige. Sind sie krank, heißt es sensibel sein und Eltern die Ängste nehmen.