So geht es mit der Windkraft im Landkreis Neumarkt weiter

Von Nicole Selendt · 1. Februar 2023 um 05:00

Am 1. Februar ist für viele Gemeinden im Landkreis ein wichtiger Stichtag: Um einen „Wildwuchs“ von Windrädern zu vermeiden, müssen bis zu diesem Datum entsprechende Beschlüsse gefasst sein. Wenn nicht, drohen Bürgern womöglich Windkraftanlagen direkt vor der Haustür.

Stand jetzt haben alle Kommunen im Landkreis die Frist eingehalten. Sogenannte Konzentrationszonenplanungen sind im Rahmen des „Wind-an-Land-Gesetzes“ auf den Weg gebracht. Zusammen mit der Lockerung der 10H-Regel, die der bayerische Landtag am 16. November 2022 beschlossen hat, soll es nun wieder schneller gehen mit dem Ausbau der Windkraft in Bayern. Und zwar so, dass die Kommunen dabei ihre Lenkungskompetenz behalten können.

Anfragen in den Rathäusern

Denn die nun angefangenen Konzentrationszonenplanungen in den Städten und Gemeinden des Landkreises garantieren, dass Investoren nur dort Windkraftanlagen bauen dürfen, wo die Kommunen das auch erlauben – und nicht überall dort, wo rein theoretisch die Abstandsregeln eingehalten werden. Planungen, die vor der Einführung von 10H bereits rechtsgültig waren – wie zum Beispiel in Deining – gelten nach der Lockerung wieder, wie eine Sprecherin der Regierung der Oberpfalz mitteilt.

Jetzt kann Michael Gottschalk, Landkreissprecher und gleichzeitig Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands Regensburg, weiter daran arbeiten, den Ausbau der Windenergie in der Region voranzutreiben. 65 Windkraftanlagen stehen im Landkreis Neumarkt – und damit hat Neumarkt mit Abstand die meisten Windräder im Planungsverband, zu dem auch die Landkreise Cham, Regensburg, der überwiegende Teil des Landkreises Kelheim sowie die kreisfreie Stadt Regensburg gehören.

Jurenergie prüft ein Windrad in Berngau

Die meisten – nämlich zwölf – stehen auf Velburger Stadtgebiet, wo rein rechnerisch rund 30000 Dreipersonenhaushalte bereits mit grünem Strom versorgt werden können. Keine Windräder haben Pyrbaum, Postbauer-Heng, Berngau, Freystadt, Mühlhausen, Breitenbrunn und Lupburg, wie die dortigen Bürgermeister oder Geschäftsführer auf Anfrage unserer Zeitung mitteilen. Das könnte sich nach neuer Gesetzeslage ändern.

Die Firma Jurenergie zum Beispiel prüft, ob sich ein Windrad nördlich von Tyrolsberg rechnen würde, wie Berngaus Bürgermeister Thomas Meier erklärt. Dort waren Planungen in der Vergangenheitam Widerstand der Bürgergescheitert. Auch in Freystadt liege eine Anfrage für den Bau eines Windrads vor, wie Geschäftsleiter Josef Haußner erklärt.

Laut Gesetz muss Bayern bis 2027 insgesamt 1,1 Prozent der Landesfläche für Windkraft ausweisen, bis 2032 dann 1,8 Prozent. Und auch, wenn sich fast 80 Prozent der in der Planungsregion stehenden Windräderschon im Landkreis Neumarkt drehen: Für die 1,8-Prozent-Vorgabe reicht das nicht, sagt Gottschalk. Daher ermittelt der Planungsverband nun Standorte für neue Windräder.

Netzausbau bereitet Sorgen

Grundlage ist eine Karte der Regierung der Oberpfalz, die Windstärken, neue Abstandsflächen von nurmehr 1000 Metern, Standorte seltener Vogelarten oder anderer schützenswerter Tiere und Pflanzen enthält. Gottschalk geht davon aus, dass jeder Mitglieds-Landkreis 2,2 Prozent seiner Fläche für die Windkraft werde zur Verfügung stellen können. Die 0,4 Prozent Differenz dienen als Puffer, falls Standorte aus anderen Gründen – zum Beispiel Truppenübungsplätze oder Einflugschneisen wie in Hohenfels oder Velburg – wegfallen.

Allerdings macht Gottschalk ein Themenkomplex beim Ausbau der Windenergie Sorgen: der Netzausbau. Der könne mit der Geschwindigkeit des Ausbaus dezentraler Stromerzeugungsanlagen kaum mithalten. „Wir waren da in der Vergangenheit einfach zu zögerlich.“ Daher ist er überzeugt, dass die Nutzung von Windstrom und deren rascher Ausbau nur dann ein Erfolg werden kann, wenn Investoren bei der Errichtung von Knotenpunkten oder Einspeisepunkten mithelfen. Dazu gäbe es im Landkreis mittlerweile schon deutliche Signale, deutet er an.

Akzeptanz der Bürger erreichen

Ziel ist laut Gottschalk eine möglichst hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Er glaubt fest daran, dass dies gelingen kann – umso mehr, wenn Bürger und Kommunen vom Betrieb der Windkraftanlagen profitieren. Modelle für Bürgerbeteiligungen oder Vergünstigungen für Anwohner würden derzeit diskutiert. Denn die Planungsaktivitäten haben sich laut Gottschalk seit der Lockerung von 10H im November noch einmal deutlich erhöht. Das bestätigen einige Bürgermeister aus dem Landkreis.

Neben Freystadt und Berngau finden Gespräche mit Investoren in Velburg und Lauterhofen statt, wie die Bürgermeister Christian Schmid und Ludwig Lang erklären. Auch in Pilsach laufen Verhandlungen. Kommunen, denen aktuell keine Anfragen vorliegen, die aber laut Windatlas Bayern über geeignete Flächen verfügen, sind unter anderem Berching, Berg, Sengenthal und Neumarkt.