Fraunhofer-Jubiläum: Sogar das Volksfest in Cham wird um einen Tag verschoben

Von Tanja Fenzl · 25. Januar 2023 um 19:00

Wenn das Chamer Volksfest um einen Tag verschoben wird, dann muss der Grund dafür schon ein ganz Besonderer sein.

Als einer der Höhepunkte zum 100-jährigen Bestehen des Fraunhofer-Gymnasiums wird heuer am letzten Schultag ein großes Sommerfest im großen Festzelt gefeiert. Der Volksfest-Freitag am 28. Juli wird zum Fraunhofer-Freitag auf der Festwiese. Über die genauen Pläne für das Jubiläum informierte die Schulleitung am Mittwoch in einem Pressegespräch. Nebenbei wurde noch geklärt, was Bohrzeitenpläne mit dem Schulleben zu tun haben.

„Das Zelt wird bestimmt voll“, ist Schulleiter Uwe Misslinger überzeugt. Schon jetzt habe er Anfragen von Ehemaligen aus ganz Deutschland, sogar aus Singapur dafür bekommen. „Ich stelle mir Tische mit Luftballons vor, auf denen der Abi-Jahrgang steht“, überlegt Mißlinger, und kommt ins Schwärmen „Bei einem normalen Abitreffen sieht man die Mitschüler eines Jahrgangs. Bei unserem großen Sommerfest treffen sich alle Jahrgänge, alle Lehrer, das ist noch einmal ganz etwas anderes.“

1923 – in einem Jahr, in dem die Stadt Cham selbst Notgeld herausgeben musste, inmitten der politischen Umbrüche während der Weimarer Republik, wurzeln die Anfänge des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums. Das 100-jährige Jubiläum wird das ganze Jahr über gefeiert. Einer der Höhepunkte soll im Sommer am Volksfestplatz stattfinden.

„Vor dreieinhalb Jahren haben die Planungen für das Jubiläumsjahr bereits begonnen. Im Oktober 2019 fand das erste Treffen dazu in der Bibliothek statt“, erinnert sich stellvertretende Schulleiterin Sigrid Schiedermeier. Weil viele Veranstaltungen von den Schülern geplant werden sollten, war ein längerer Vorlauf notwendig. Im Rahmen verschiedener Praxisseminare organisierten Schüler relativ selbstständig beispielsweise die Musical-Gala, die am kommenden Freitag im Landhaussaal stattfindet, eine Theaterveranstaltung rund um den Namensgeber der Schule, den Physiker Joseph von Fraunhofer, und die große Sportgala. Weitere Schülergruppen kümmern sich im Jubeljahr um die mediale Umrahmung und Begleitung.

Das ganze Jahr über steht im Fokus von Begegnungen – „unser Ziel ist es, möglichst viele Jahrgänge von Fraunhofer-Ehemaligen und Schülern zusammenzubringen“, betont Schulleiter Uwe Mißlinger. Schon beim großen Jubiläumsball vergangenen Freitag habe das gut geklappt. „Es waren so viele frühere Schüler da, die sich ganz offensichtlich gerne an ihre Schulzeit am Fraunhofer erinnern.“ Beim großen Sommerfest am Chamer Volksfestplatz soll das noch einmal deutlich werden.

Großereignisse jeden Monat

Dazwischen stehen jeden Monat andere Großereignisse im Fokus. Beim offiziellen Festakt „100 Jahre Fraunhofer“ am 22. April wird außerdem eine Festschrift die letzten 100 Jahre in den Blick rücken. Susanne Melichar, Mitglied der erweiterten Schulleitung, kümmert sich seit über einem Jahr um das umfangreiche Druckwerk. Und weil auch im Jahr 2023 wirtschaftliche Probleme die verschiedensten Bereiche des öffentlichen Lebens bestimmen, hat sich Melichar in Zeiten von Papierknappheit um die bevorzugte Behandlung der Festschrift bemüht. „Das Papier dafür wurde vor einem Jahr bestellt“, grinst sie. Das Hauptaugenmerk des Bandes wird auf den Veranstaltungen und Ereignissen der letzten 25 Jahre liegen – denn bereits zum 75-jährigen Jubiläum war 1998 ein großer Band erschienen, in dem die Zeit davor ausführlich abgehandelt worden war. „Übrigens mit beigelegter CD-ROM, was damals schon eine Besonderheit war“, grinst Schiedermeier, und verweist auf die traditionell herausragende technische Kompetenz und Ausstattung des Gymnasiums, an dem die so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) schon immer groß geschrieben werden. Zwei Akademie-Abende im Oktober mit zwei ehemaligen Schülern als Referenten stellen diesen Aspekt der Schule im Rahmen des Jubiläums heraus.

Bohrzeitenpläne und mehr

„Verschiedene innere und äußere Baustellen der Schule haben die letzten 25 Jahre geprägt“, erinnert Schiedermeier an die Jahre des Schullebens inmitten von Baustellen – Musikpavillon, Sporthalle, Kletterhalle, Pausenhalle, Mensa –, in denen die Schüler klassenweise zu den Nachbarn der Maristenrealschule ausgelagert wurden und in denen die Schulleitung Bohrzeitenpläne erstellte, um bestimmte Zeiten geräuschfrei zu halten. „Das gipfelte darin, dass sich eine Lehrerband Bohrzeitenplan nannte“, erinnert sich Schiedermeier lachend. Und als während des Pressegesprächs pünktlich um zehn Uhr draußen im Gang ein Bohrer in Gang gesetzt wird, kennt sie auch dafür den Grund: ein aktueller Bohrzeitenplan. Ein Lehrer hatte am Vortag die Handwerker um Stille in den ersten Schulstunden gebeten, um in Ruhe eine Klassenarbeit zu schreiben.

Inhaltlich seien die 2000er von der Umstellung des neunstufigen Gymnasiums G9 auf G8 und wieder zurück auf G9 geprägt gewesen, was neue offene Unterrichtsformen, Intensivierungsstunden und auch Mensa und Ganztagsklassen im Fahrwasser mitgebracht habe. Die Pandemie-Zeit habe darüber hinaus noch einmal einen deutlichen Meilenstein in Sachen Digitalschule gesetzt. „Auf einmal wurde es ganz normal, wenn der Lehrer den Laptop dabeihatte.“ Susanne Melichar ist noch immer beeindruckt von dem Engagement zahlreicher Kollegen: „Eine Lehrerin, die kurz vor der Pensionierung stand, hat sich noch einmal so richtig reingehängt und wollte die ganze Technik von der Pike auf lernen.“ Gerade die älteren Semester unter den Lehrern hätten mit den neuen Unterrichtsformen erst einmal zurecht kommen müssen. Dabei sei der Schule aber, betont Mißlinger, stets die hervorragende technische Ausstattung zugute gekommen. Der Sachaufwandsträger, der Landkreis Cham, habe hier immer ein offenes Ohr für die Schule.

Neuer Zeitgeist

In anderen Bereichen, hört man bei Mißlinger heraus, kämpfe man im Landkreis Cham seit Langem und noch immer gegen Windmühlen. Obwohl sich an den Gymnasien gerade in Sachen Berufsfindung unglaublich viel getan habe mit Praxisseminaren, Beratungsangeboten oder Praktika, herrsche gerade bei uns noch oft die Meinung vor: Gymnasiasten können vielleicht eine komplizierte mathematische Gleichung lösen, wissen aber nicht, wie man einen Besen in der Hand hält. „Dem Vorwurf der fehlenden Lebensnähe hat man sich beim Kultusministerium längst gestellt. Leider hat sich das bei vielen Eltern noch nicht herumgesprochen“, sagt Mißlinger.

Dabei bietet das JvFG im Jahr 100 nach Gründung ein Angebot, von dem 1923 die ersten Schüler der damals „vierklassigen Realschule“ im Gebäude der ehemaligen Präparandenschule am Steinmarkt nur träumen konnten. Sport-Stützpunkt mit entsprechenden Unterrichtsfächern (Fußball, Handball, rhythmische Sportgymnastik), Musik- und Kunstklassen, Erfinderclub, MINT-Angebote, Ganztagsschule und vieles mehr. Der neue Zeitgeist, der mit Einführung des G8 in vielem Einzug gehalten hat, soll die Schule auch ins nächste Jahrhundert begleiten.

Das Jubiläum

Historie:Das neusprachliche und naturwissenschaftliche Gymnasium wurde am 23. April 1923 eröffnet. 1928 wurde der Neubau an Ort und Stelle bezogen.

Termine:

27.01. Musical-Gala

14.02. selbst verfasstes Theater „Der Physiker“

29.03. Frühlingskonzert; 22.04. Festakt 100 Jahre Fraunhofer

28.05. Carmina Burana Open Air

17.06. Big Band meets Orchestra

24.06. Sport-Gala

28.07. Jubiläumssommerfest

Im Oktober Akademie-Abende

20.12. Weihnachtskonzert

Vor 100 Jahren gegründet, seit 1928 an diesem Standort: das Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium Cham