Gründerszene: So lebendig ist die Regensburger Start-Up-Welt

Von Jan-Lennart Loeffler · 31. Januar 2023 um 17:45

Von E-Mobilität über Gastronomie-App bis Finanz-Software: Bei „Tiger der Techbase“ müssen Gründer aus Ostbayern mit ihren Geschäftsideen überzeugen.

Krankenhauskeime stoppen, Infektionen verhindern und den Einsatz von Antibiotika verringern. Das will Egon Jung mit seinem Start-Up HySeDi. Er entwickelt seine Idee im Regensburger Biopark. Und er ist einer der Gründer,die sich an diesem Abend vor den „Tigern der Techbase“ mit ihrer Idee präsentieren. Das Ziel: Feedback einholen, für die eigene Idee werben, Mitstreiter gewinnen und mögliche Geldgeber überzeugen.

„Sechs Teams mit neuen Ideen und spannenden Projekten“, hatten Veronika Fetzer, Projektleitung der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz, und Techbase-Geschäftsführer Alexander Rupprecht angekündigt. Jeweils drei Minuten haben die Gründer an diesem Abend – nur mit Mikrofon. Präsentationen sind nicht erlaubt Beworben für den Kurzauftritt hatten sich elf weitere Teams. Das Interesse war groß – auch im Publikum. Unternehmer, Studenten, Finanzierer: Die Techbase war am Montagabend rappelvoll: „Das spricht für ein sehr vitales Gründer-Ökosystem in ganz Ostbayern“, freut sich Fetzer.

Ehrliches Feedback

Allein die Start-Ups, die an der OTH angesiedelt sind haben „im Jahr 2022 15 Millionen Euro Investmentkapital nach Regensburg gezogen“, rechnet OTH-Professor Sean-Patrick Sassmannshausen vor. Der Experte für Unternehmertum und Leiter der OTH-Start-Up-Centers ist einer der vier Tiger in der Jury, vor der sich die Start-Ups präsentieren. Neben ihm sitzen Manfred Pitzl, Mitglied im Vorstand der Sparkasse Regensburg und zwei Gründer, die es bereits geschafft haben: Sebastian Erdenreich von Trinnovative, einer auf Künstliche Intelligenz und Cloud Computing spezialisierten IT-Firma und Georg Schwab, der die Software-Firma AVL aufgebaut hat.

Das Format erinnert ein wenig an die Fernseh-Show „Die Höhle der Löwen“, in der Gründer bei möglichen Investoren für sich werden. „Was uns von den Löwen unterscheidet: Bei den Tigern gibt es besseres Feedback“, sagt Techbase-Chef Rupprecht.

Nicht jede Idee überzeugt

Und das Feedback ist ehrlich – und mitunter wenig schmeichelhaft. So warnt Entrepreneurship-Experte Sassmannshausen nach einer der Präsentationen vor „hartem Klinkenputzen“ und mahnt, nicht den Fehler vieler Gründer zu machen, die den Vertrieb unterschätzen. Eine andere Idee hatte Sparkassen-Vorstand Pitzl zwar „interessiert“, doch fühlte er sich dennoch „ratlos zurückgelassen“nach deren Vorstellung, und Jury-Kollege Erdenreich stellte sich mitunter die Frage, „wie man denn damit nun Geld verdienen“ könne. Nicht nur eine konkrete Vorstellung, die eigene Idee umzusetzen, war gefragt, sondern eine echte Vision.

Die Spanne der Projekte war breit: Christoph Jobst und Maximilian Stöckl von Jostec Systems stellten eine digitale – individuell zugeschnittene – Finanz- und Anlageberatung vor. Eine Software, die gesprochene Worte in Gebärdensprache übersetzt, will das Start-Up Signovative auf den Markt bringen. Janine Klatt will mit ihrer App LocalMe Gastronomen, die auf regionale Produkte setzen, mit Erzeugern vor Ort zusammenbringen. Eine Plattform für den Kunstmarkt, die Kunstwerke mit NFT-Technologie verknüpft, stellte Michael Deubzer vor und mit WeVee will Wolfgang Pfafferott Mobilitätsangebote für Firmen schaffen, die ihren Mitarbeitern ein E-Auto zur Verfügung stellen wollen.

Von der vierköpfigen Jury gab es ehrliches Lob und sachliche Kritik: Georg Schwab, Sebastian Erdenreich, Manfred Pitzl und Sean-Patrick Sassmannshausen (v.l.) -Foto: Loeffler
Präsentation mit Countdown im Hintergrund: Marija Popovic von Signovative stellte eine Software vor, die Worte in Gebärdensprache übersetzen kann. -Foto: Loeffler