Stadt Regensburg zieht Schul-Sozialarbeiter bis April ab

Der Protest von Eltern und Lehrern hatte keinen Erfolg: Die Stadt hat auch im neuen Jahr Schul-Sozialarbeiter in die Betreuung von jungen Flüchtlingen abgeordnet. Die alternative Lösung, die Verantwortliche in Aussicht gestellt hatten, lässt auf sich warten.
Die Regensburger Schulen sind mit 33,75 Vollzeitstellen an 30 Standorten prinzipiell gut mit Sozialarbeitern ausgestattet. Derzeit fehlen allerdings an sechs Schulen Sozialpädagogen: an der Albert-Schweitzer-Realschule und der Konrad-Mittelschule im Stadtnorden, an der Berufsschule II und an den Grundschulen am Napoleonstein, in Prüfening und im alten Jahnstadion. Auch sechs Mitarbeiter der Stadtteilprojekte zog die Stadt ab. Die aktuelle Abordnung sei bis April „vorgeplant“, gibt Stadtsprecherin Katrin Butz Auskunft. Es ist bereits die zweite.
Elternbeirat startete Online-Petition
Im Dezember hatte der Elternbeirat der Kreuzschule Alarm geschlagen.Er rief eine Online-Petition mit dem Titel „Rettet das psychosoziale Unterstützungsangebot an unseren Regensburger Schulen“ ins Leben. Elternbeiratsvorsitzende Melanie Stein (44) erzählt: „Die Jugendsozialarbeit ist immer die Soforthilfe vor Ort gewesen, wenn ein Kind ein Problem hatte.“ Ob bei schlechten Noten, Mobbing, familiären Problemen oder Schwierigkeiten bei der Integration, die Tür der Sozialarbeiterin sei offengestanden. Nun befürchtet Stein, dass Kinderń in Nöten „schneller untergehen“. Sie sagt: „Die jugendlichen Flüchtlinge brauchen auch Unterstützung. Aber dass dadurch andere Sparten benachteiligt werden, ist nicht in Ordnung.“
Zuvor hatten bereits der Kreisverband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen, die Grünen und die Brücke im Regensburger Stadtrat die Abordnung kritisiert.
Freie Träger suchen intensiv nach Personal
Seit Sommer 2022 kommen junge Flüchtlinge in großer Zahl allein nach Regensburg. Die Stadt hatte bereits im Herbst in Aussicht gestellt, dass freie Träger sich um ihre Betreuung kümmern. Dann könnte sie ihre Sozialarbeiter zurückschicken an die Schulen. Doch in trockenen Tüchern ist die Lösung noch nicht. Stadtsprecherin Butz sagt: Obwohl die beteiligten Träger „engagiert und zielgerichtet“ daran arbeiteten, die Gruppen zu eröffnen, hätten sie derzeit nicht genügend Personal dafür. Das liege am Fachkräftemangel. „Es wird weiterhin intensiv versucht, geeignetes Personal zu gewinnen“, betont Butz.
Seit August kümmerte sich das Jugendamt um insgesamt 79 geflüchtete Jugendliche, 58 kamen aus Syrien, zwölf aus Afghanistan. Im Oktober hatte die Stadt die Jugendfreizeitstätte Haslbach zur Not-Inobhutnahmestelle umfunktioniert, weil ihre Einrichtung in der Altstadt viel zu klein wurde. Derzeit wird diese Notlösung zwar nicht gebraucht, die Stadt rechnet aber damit, dass die Zahlen ab Februar wieder steigen.