„Uber Eats kommt nach Regensburg“ – Wirte begrüßen die Konkurrenz für Lieferando

Bislang dominiert Lieferando den Markt der Lieferdienste, doch jetzt will Uber Eats Regensburg aufmischen. Wirte begrüßen das – und selbst der Platzhirsch freut sich auf die Konkurrenz.
Leere Ladeneinheiten, dafür volle Straßen: Der Strukturwandel der Innenstädte macht auch vor Regensburg nicht Halt. Ganz im Gegenteil: Die erste Wellen von neuen E-Scooter-Verleihern in der Stadt ist bereits wieder abgeebbt, nachdem der Anbieter Bird seine Flotte aus der Domstadt wieder abgezogen hat. Doch immer mehr Lieferservicedienste steuern zwischen Gastronomien und Privathaushalten hin und her.
Jetzt will einer den Markt aufmischen, der international eher für Aufsehen gesorgt hat, weil er den Taxiunternehmern das Wasser abgegraben hat: Das Unternehmen Uber will nun mit der Sparte Eats in Deutschland durchstarten. Als Mitfahr-Vermittler stieß das US-Unternehmen in Deutschland auf erhebliche Probleme, beteiligt sich derzeit hierzulande nur auf dem Mietwagenmarkt.
Neuer Lieferdienst für Regensburg: Uber-Angebote an Wirte
Gerichte haben eine Konkurrenz für die Taxi-Fahrer vorerst untersagt. Doch nun will das US-Unternehmen auf dem hartumkämpften Markt der Lieferdienste durchstarten. Auch Regensburger Gastronomen haben bereits Angebote erhalten, sich an dem Lieferservice zu beteiligen. „Uber Eats kommt nach Regensburg!“ Das schreibt ein sogenannter „Sales Representative“ von Uber Eats Germany an einen Gastronomen. „Ich bin nächste Woche in Regensburg und würde Sie gerne persönlich treffen. Melden Sie sich also gerne und wir vereinbaren einen Termin.“ Denn: „Im Namen von Uber Eats, der weltweit größten Bestell- und Lieferplattform, möchte ich Ihnen eine Partnerschaft mit uns anbieten.“
Das Angebot für den Gastronomen aus Regensburg: Wenn die Uber-Kuriere das bestellte Essen abholen und zum Kunden fahren, dann kassiert das Unternehmen 30 Prozent der Rechnung. Wenn die eigenen Kuriere des Gastronomen das Essen ausfahren und die Bestellung über die Uber-Eats-App eingeht, dann will der Konzern noch 13 Prozent Provision.
Zudem soll der Gastronom Bestellungen auch ablehnen können: „Es ist allein Ihre Entscheidung, ob Sie Aufträge entgegennehmen möchten – ohne Einschränkungen.“
Uber Eats macht Lieferando in Regensburg Konkurrenz
Einer, der das Angebot von Uber Eats bekommen hat, ist Phuc Huynh vom Il Baretto in Regensburg. „Viele Gastronomien haben sich auf die Lieferdienste spezialisiert und einige benötigen es fürs Überleben. Ansonsten hat Lieferando eine marktbeherrschende Stellung in der Region“, sagt der Wirt. Im Prinzip begrüßt er die Konkurrenz für Lieferando, denn das Unternehmen könne im Moment noch Preise diktieren.
Der Sprecher der Regensburger Wirte, Anton Sperger vom Spitalgarten, nutzt die Lieferdienste nicht. „Wir haben darauf während des Corona-Lockdowns zurückgegriffen und zwei Monate lang unsere Speisen über einen Lieferdienst vertrieben“, sagt Sperger heute. „Aber wir sind natürlich bekannt für unseren Biergarten und nicht dafür, dass wir Speisen ausliefern lassen.“
Ganz anders sieht das Florian Mascarello vom Dechbettener Hof. „Ich habe das Angebot von Uber Eats auch bekommen und wir werden darauf zurückgreifen“, sagt der Wirt. Die hohen Provisionen für den Lieferdienst musste Mascarello aber auch bei Lieferando nicht bezahlen, sondern lediglich die Vermittlungsprovision von 13 Prozent. „Wir haben ein eigenes Team aufgebaut“, sagt Mascarello. Ausgeliefert werde mit Elektoautos. „Das zahlt auch auf den Umweltschutz ein.“ Der Wirt des Dechbettener Hofs wird nun neben der Nennung auf Lieferando auch auf der Uber-Eats-Seite künftig genannt werden. „Wir haben aber auch noch unsere eigene Homepage“, sagt Mascarello, „wenn die Kunden dort bestellen, dann zahlen wir keine Provision.“ Grundsätzlich sieht Mascarello den Strukturwandel in der Gastronomie nicht kritisch. „Das Kunden-Verhalten hat sich mit Corona geändert“, stellt er fest. „Ich war vor 13 Jahren in den USA, da war es ganz normal, dass die Restaurants ihre Speisen auch auslieferten.“ Dieser Trend sei eben nun auch in Deutschland und in Regensburg angekommen. Eine Konkurrenz für die Restaurants sei dies aber nicht, „denn es ist etwas ganz anderes, ob ich essen gehe oder ob ich mir etwas liefern lasse“.
Dass Lieferando etwa in Berlin auch Lebensmittel ausfährt und Flink dies auch schon in Regensburg anbietet, begrüßt Mascarello zudem. „Wenn ein Fahrer mit seinem Elektrorad bis zu 80 Lieferungen am Tag erledigt, dann sind das 79 individuelle Fahrten weniger.“
Uber Eats kommt nach Regensburg: Konkurrenz willkommen
Bei Lieferando sagt man, 90 Prozent der Gastronomen würden die Plattform nutzen und dafür14 Prozent Provision zahlen, lediglich zehn Prozent zahlen für das Fahrernetz, das mit 30 Prozent der Rechnung für das Essen zu Buche schlägt. „Die größte Konkurrenz ist für uns noch das Telefon“, sagte eine Sprecherin. „Deshalb begrüßen wir die Konkurrenz, der Markt ist groß genug.“
