Sanierung in Cham: Das neue Schuman-Gymnasium darf 35 Millionen Euro kosten

Von Johannes Schiedermeier · 18. Januar 2023 um 19:00

Erst Kostenexplosion, dann Stillstand mit Wechsel des Architekturbüros – nun gibt es neue Pläne für das Robert-Schuman-Gymnasium und eine gewisse zeitliche Festlegung: Nach dem Abriss der Bauten rund um das alte Hausmeistergebäude, soll es zwei Jahre dauern, bis das runderneuerte RSG fertig ist.

Der Kreisbauausschuss billigte die Pläne und gab den Weg für eine Ausschreibung frei. Landrat Franz Löffler stellte zu Beginn der Sitzung fest, bei dem neuen Architekturbüros Brunner habe er ein gutes Gefühl. Dort habe man die Grundlagen gut verstanden und in ersten Gesprächen mit der Schulleitung eine Bildung auf höchsten Niveau gewährleistet – falls es finanzierbar bleibe.

Die Planungen seien deutlich in einzelnen Punkten überarbeitet worden.„Es hat Sinn gemacht, das Architektenbüro zu wechseln“, so Löffler. Architekt Robert Brunner stellte sein Büro in Viechtach und Deggendorf vor, das 30 Mitarbeiter habe. Gerade im Bereich der Schulsanierungen habe man bereits sehr viel gemacht. DieKostenprognosesei von 2021 mit 38 Millionen Euro letztlich auf 44 Millionen explodiert, wenn man die Kostensteigerungen bis zum aktuellen Zeitpunkt aufrechne.

Worauf man verzichtet hat

Brunner stellte vor, was die Planung teuer gemacht habe, worauf man aber in seinen Augen verzichten könne. Es sei vorgeschlagen gewesen, das Niveau des Schulgeländes auf die Parkstraße abzusenken. Die Technikräume sollten abgebrochen werden und nach Westen um das Doppelte erweitert. Darauf sollten die Kunsträume gesetzt werden. – „Unser Entwurf sieht das nicht mehr vor“, so Brunner. Die sowieso schon beengte Pausenfläche sei dadurch noch mehr verkleinert worden. Er habe dadurch das Unterfangen der Erdgeschosswände vermieden ebenso die Stützmauer sowie Bohrpfahlwände und Rückverankerungen.

Die Technikräume seien erhalten worden in seiner Planung. „Die sind nicht schlecht“, so Brunner. Der Zugang bleibe auf Ebene des Kellergeschosses. Durch ein zusätzliches Treppenhaus könne man auf die beiden ursprünglich geplanten Außentreppen verzichten. Das zentrale Treppenhaus und die sogenannten freien Lernlandschaften seien zugunsten der großzügigen Aula ebenfalls weggefallen.

Projektleiterin Jasmin Kraus berichtete über einen Termin bei der Regierung, bei dem es bereits positive Signale für die Pläne gegeben habe. Die Grundstruktur des Gebäudes werde belassen. Ein neuer Aufzug mache das Gebäude barrierefrei und der Pausenhof werde erweitert.

Die Aula wird über zwei Stockwerke offen gestaltet und im Obergeschossbereich für den Ganztagsunterricht nutzbar gemacht. Sie sei erweiterbar und für größere Veranstaltungen mit rund 280 Sitzplätzen nutzbar, so Kraus. Die Hälfte der Aulafläche werde bis ins 3. (neu geschaffene) Obergeschoss offen gehalten bis zu einer Lichtkuppel. Dort werde es auch eine Dachterrasse für Freiluft-Unterricht geben.

Das Schuman-Gymnasium werde praktisch in den Rohbau-Zustand zurückversetzt und anschließend auf Neubau-Standard gebracht Der Außenbereich werde ebenfalls komplett gestaltet und mit einer Teilüberdachung in Richtung der Turnhallen ausgestattet.

Den „unangenehmeren Teil der Kosten“ übernahm Architekt Brunner. Für alle Gewerke veranschlagte er rund 35 Millionen Euro. Der Vorgängerentwurf hätte 44 Millionen gekostet und ein Neubau 51,2 Millionen, so Brunner. Auch die Möglichkeit einer kompletten Belegung aller Dächer mit einer PV-Anlage sei berechnet worden. Inklusive Turnhalle und Dacherneuerung koste das Gesamtpaket dann rund 650 000 Euro. Kreisrat Ludwig Reger sprach sich für die Photovoltaik aus. Den Eigenverbrauch der Schule zu kompensieren und den Rest einzuspeisen, sei sicher eine gute Sache.

Kosten: Glaskugelschau!

Kreisrätin Alexandra Riedl fragte nach der Bauzeit. Architekt Brunner erklärte, dass es nach Abriss der Hausmeistergebäude zwei Jahre dauern werde, weil die Schule leer sei.

Kreisrätin Renate Hecht fragte, ob die 35 Millionen Euro haltbar seien. Architekt Brunner bezeichnete jede Behauptung dazu als Glaskugelschau. „Momentan sieht es aus, als würde es stagnieren“, so der Architekt. Das Problem sei, dass es bisher viel Wettbewerb gegeben habe bei der Ausschreibung. Heute bekomme man oft nur h ein Angebot. Derzeit hoffe man durch die Zinssteigerungen auf Rückgänge bei den Privatbauten. Dann gebe es wieder mehr Wettbewerb für öffentliche Gebäude.

Lob für die Neuplanung

Der Streit nach der Entlassung des ehemaligen Planungsbüros durch Landrat Franz Löffler scheint nun Geschichte zu sein. Offensichtlich ist es gelungen, auch Schule und Politik mit den neuen Planungen zufrieden zu stellen.

Zu Beginn der Sitzung hatte Landrat Franz Löffler gerade erst ernannten Schulleiter Rudolf Zell für dessen außerordentliches Engagement in der Übergangszeit gelobt. Schließlich habe auch die Debatten um die Generalsanierung und des Umbau des Robert-Schuman-Gymnasiums mit stemmen müssen. Am Ende habe man mit diesem Bau die Grundlage für Bildung auf höchstem Niveau und nach modernsten Gesichtspunkten geschaffen, so der Landrat.

RSG-Schulleiter Rudolf Zell erklärte, dass der Schule der neue Entwurf sehr gut gefalle. Er sei schülerfreundlich und modern. Die Struktur sei übersichtlich und logisch durchdacht. „Als ich vor drei Jahren hierher kam, da habe ich mich wirklich hart getan, mich in den Gängen zurechtzufinden“, erzählte er dem Kreisbauausschuss. Auch die Lösung für die vergrößerten Außenanlagen sei sehr gut. Der auf dem Dach aufgesattelte Kunstbereich sei ebenfalls auf gute Resonanz gestoßen, genauso wie die Theater-Lösung in der Aula.

Landrat Franz Löffler bescheinigte, dass der statische Eingriff in das Gebäude deutlich reduziert worden sei. „Das hat uns am meisten Kopfzerbrechen bereitet“, so der Landrat. Trotz des Verzichts sei das Ergebnis der neuen Planung bemerkenswert. Löffler bezeichnete die Idee der durchgängigen Belichtung der Aula bis ins Dachgeschoss als „grandios“. Die Planung sei homogener, die Laufwege seien kürzer und schlüssiger.

Die Kosten von 35 Millionen Euro bewegen sich laut Landrat in einer Höhe, von der man früher hätte sagen können: „Das könnte die Marke sein!“ Die neue Lösung könne sich als haushaltsverträglich erweisen.e.

Projektleiterin Jasmin Kraus und Architekt Robert Brunner (von rechts) stellten d die Pläne vor. -Foto: si
Die neue RSG-Aula ist offen bis ins Dach und bleibt auch in der Neuplanung Schmuckstück. -Foto: Büro Brunner