Popstar und Jurorin Leony im Interview: „Ich bin immer noch sehr bayerisch“

Von Daniel Pfeifer · 21. Januar 2023 um 19:00

Kein Zurück mehr: Leony, diePop-Sensation aus Chammünster(Landkreis Cham), steht als Teil der DSDS-Jury im bundesweiten Rampenlicht. Ob sie nun noch ruhig feiern kann und wie ihr neuer Song „Somewhere in Between“ ihre Jugend in Cham thematisiert, erzählt sie im exklusiven Interview.

Für viele war Leony bislang nur eine Stimme im Radio. Nun startete am vergangenen Samstag die neue Staffel der RTL-Sendung DSDS und die Sängerin sitzt in der Jury neben Dieter Bohlen. Spätestens jetzt kennt jeder auch ihr Gesicht. Im Interview spricht sie darüber, warum sie in der Oberpfalz feiern geht und nicht in Berlin, was sie vom Dirndl-Twerk ihrer DSDS-Kollegin Katja Krasavice hielt und warum sie noch sämtliche Schlager-Lieder vom Chamer Frühlingsfest auswendig kennt.

Das Interview im Wortlaut:

Die neue Staffel DSDS hat frisch angefangen. Ist deine Rolle dort so, wie du sie dir vorgestellt hast?

Leony:Auf jeden Fall! Ich war super nervös vorher, ich wusste nicht: Wie wird die Sendung zusammengeschnitten, wie komme ich rüber. Aber ich habe unheimlich viel gutes Feedback bekommen auf Instagram, persönlich, von meiner Familie und meinen Freunden in Bayern. Die haben es alle geguckt und fanden es super. Ich hoffe einfach, dass ich im Fernsehen sympathisch, kompetent und ehrlich wirke.

In unserem letzten Interview sagtest du, „einen Sympathiepunkt gibt es natürlich“ bei Kandidaten aus Bayern. Jetzt war sogar ein Oberpfälzer dabei. Gab es da einen Doppel-Sympathiepunkt?

Leony:Haha, ja, Felix hieß mein „Kollege“ aus der Oberpfalz und da gibt’s natürlich doppelte Sympathiepunkte. Einfach, weil er auch noch super gesungen hat. Er hat eine tolle Stimme und seine Einstellung „Ich kann nicht sagen, ob ich gut bin, das lass‘ ich lieber andere bewerten“ hat mich an meine eigene Anfangszeit erinnert. Man will da immer tief stapeln: „Ja ja, des basst scho, des basst scho.“

Wenn jetzt eine Kandidatin aus Chammünster käme, wie viele Sympathiepunkte gäbe es da?

Leony:Klar, wenn jemand aus Chammünster oder Cham gekommen wäre, hätte ich mich gefreut. Aber letzten Endes kann ich nur bewerten, was sie mir geben. Wer absolut kein Talent fürs Singen hat, dem hilft auch ein Cham-Bonus nix.

Das Mitsingen früher auf dem Chamer Frühlingsfest hat sich scheinbar bezahlt gemacht,bei der ersten DSDS-Folgehast du „Lotusblume“ von den Flippers souverän mitgesungen. Wusstest du echt noch den Text?

Leony:Ja klar! Das ist bei mir wirklich einfach so eingebrannt durch das Frühlingsfest und andere Volksfeste. Oder durch Fußball- oder Grillfeiern mit meinem Bruder Ben. Da lief der Song immer!

Was blieb noch so hängen? „Eine weiße Rose“?

Leony:Jaaa, oder „Bin ich denn ein Kiosk oder bin etwa ne Bank, na na na na na, oder ein Kassenschrank“ [Anm.: Leonie singt begeistert das Schlagerlied „Bin ich denn ein Kiosk“ von 1976]. Also alle Klassiker. Ich habe immer noch viele Freunde in Cham. Wenn wir weggehen oder irgendwo zuhause feiern, hören wir nach wie vor alle diese Partyschlager.

Jetzt kennt endgültig halb Deutschland dein Gesicht. Könntest du jetzt noch unbehelligt feiern oder auf das Frühlingsfest gehen?

Leony:Puh. Als ich an Weihnachten in Cham war, habe ich mir schon überlegt: Soll ich feiern gehen oder lieber nicht? In der Vergangenheit gab es immer mal unangenehme Situationen, Seitenhiebe oder passiv aggressive Sprüche, bei denen ich mir denke: Spar‘s dir einfach, ist doch unnötig.

Warst du dann feiern?

Leony:Ja, dieses Mal dachte ich mir: Ich gehe seit zehn Jahren in Cham weg, in der Heimat, und ich habe mich als Person ja nicht großartig verändert. Klar, die Umstände haben sich geändert, meine Erfahrungen haben sich geändert, aber ich bin immer noch der gleiche Mensch. Ich lasse mir das Feiern nicht nehmen, vor allem wenn ich alle meine Freunde zuhause wieder sehe.

Wie ist das Nachtleben in Berlin dann im Vergleich zu Cham?

Leony:Wie es hier in Berlin ist, kann ich dir gar nicht sagen, weil ich absolut niemals weggehe. Ich habe ein eher langweiliges Leben abseits vom Business. Ich verbringe den Großteil meiner Zeit im Studio.

Apropos Studio: Dein neuer Song „Somewhere in Between“ ist frisch rausgekommen. Er handelt davon, in Schubladen gesteckt zu werden. In welche Art von Schublade fühlst du dich als junge, erfolgreiche Popsängerin gesteckt?

Leony:Der Song ist so ein bisschen die Story meines Lebens. Damals in Bayern – und ich liebe Bayern – war es immer schon so, dass ich auf die Bühne wollte, in die große Stadt. Deswegen war ich für alle Leute damals immer „zu wenig Bayern“. Sie haben gesagt: „Das schaffst du eh nicht, mach doch was Normales. Den ganzen Schmarrn, den brauchst ned!“ Als ich dann aber weggezogen bin in die große Stadt, war ich wiederum für alle Leute noch „zu viel Bayern“: zu lieb, zu langweilig, zu nett. Und die Leute haben immer versucht, mich zu ändern.

Wie gingst du damit um?

Leony:Mir ist die Musik das Wichtigste. Und ich will mir selbst treu bleiben. Ich bin immer noch sehr bayerisch. Diesen Kern, den verliert man nie. Trotzdem gehe ich auch gerne auf die Bühne in glitzernden Outfits und sitze bei DSDS in der Jury. Das macht mich aus. „Leony“ ist nicht nur das eine oder das andere. Ich bin einfach so dazwischen und alles zusammen.

Viele Musiker, die nun ihr Glück bei DSDS suchen, können von deinem Erfolg nur träumen. Ist sowas dann Jammern auf hohem Niveau?

Leony:Ich würde das gar nicht als Jammern bezeichnen. Ich sage nicht: „Lasst mich doch mal in Ruhe.“ Sondern ich will Menschen animieren, andere zu akzeptieren. Die letzten drei Jahre waren für mich sehr erfolgreich, ohne dass ich irgendwelche Skandale hatte. Deswegen: Es geht ja auch so. Also bleibt einfach alle, wie ihr seid!

Wie lässt sich dieses Song-Thema vom Ausbrechen aus Schubladen mit DSDS vereinbaren, wo doch die Kandidaten aufgrund von Aussehen und tragischer Story in Schubladen gesteckt werden?

Leony:Ich kann jetzt nicht für die anderen Juroren sprechen, aber wennjemand mit seiner Stimme und seiner Ausstrahlung punktet, dann ist mir die Story ehrlich gesagt egal. Und DSDS ist eben eine Fernsehsendung wie Bachelor, wie Joko und Klaas, wie jede Schlager-Florian-Silbereisen-Show. Fernsehen ist einfach Fernsehen: Wer das jetzt immer noch nicht kapiert hat,…

Apropos Show: Katja Krasavice hat in der ersten Folge ja einen Twerk im Dirndl abgeliefert... Was ging dir da als Bayerin durch den Kopf?

Leony:Da ich sie kenne, fand ich es nicht Cringe [Anm.: zu deutsch: peinlich]. Twerken im Dirndl kann auch nur Katja. Sie hat die Tracht übrigens nicht angezogen, weil sie auffallen wollte. Sondern sie hat zu mir gesagt: „Ey Leo, wenn du Tracht anziehst, dann mach ich‘s auch, ich finde das eine voll schöne Tradition!“ Und wenn die Leute jetzt schlecht darüber reden: Lass sie doch reden!

Die Chamerin Leony lebt heute in Berlin. -Foto: Ulrich Hartmann