Waldmünchen feiert 50 Jahre Partnerschaft mit Elz

Eine Programmänderung, eine Kur-Bekanntschaft, brennender Schnaps oder die Kombination: Es muss Fügung gewesen sein, dass sich Elz und Waldmünchen gefunden haben, vor nunmehr 50 Jahren.
Die Programmänderung: Vier Tage „flog“ der Männergesangvereins Frohsinn Elz ab dem Vatertag früher aus , ebenso traditionell war ein Konzert am letzten Abend. Folge: „Wir mussten uns immer zurückhalten“, schmunzelt Zeitzeuge Erhard Prosch, der daraufhin „als der Jüngste“ den Vorschlag machte, das Konzert doch schon am Anreisetag zu geben...
Josef Sowa war seinerzeit Chorleiter in Waldmünchen, das den Elzern vom 1971er Ausflug nach Schönsee ein Begriff war. Wie es der Zufall wollte, begegnete der bei einem Kuraufenthalt einem Frohsinnler. Übereinkunft: „Ihr könntet doch zu uns kommen...“
1973 war die Trenckstadt das Ziel und – nach einem begeisternden Konzert am Donnerstag – der Samstag „frei“. Die Waldmünchner, federführend der Trenckverein, die „es verstehen zu feiern“ (Zitat Prosch) organisierten einen Abschiedsabend. Bayernhymne um Mitternacht und Trenck-Schnaps inklusive. Nur leider entflammte ein „heißer“ Schnaps Servietten und Co. Im Nachhinein sagt Prosch: Diese erste gemeinsame (Lösch)Aktion, die hat viel in Gang gesetzt.
Das Bild vom Baum
Wie die vielen persönlichen Verbindungen. „Weil sie von Menschen getragen ist“, macht sich der 72-Jährige auch keine Sorgen um den Fortbestand. „Es ist ein sehr dicker Baum, der da in fünf Jahrzehnten vom Stamm bis zur Krone gewachsen ist. Den bläst so schnell kein Wind um.“
Prosch tut sich schwer, aus den „nicht mehr zählbaren wunderbaren Erlebnissen“ eines herauszugreifen. Letztlich fallen ihm zwei ein: Der Tag, an dem die Männer 1987 unter anderem für den späteren Papst Benedikt XVI. sangen. „So etwas wird man nie vergessen.“ Und das Jahr 1974, als der Frohsinn, damals in großer Besetzung, mit 140 Sängern und begleitet von weiteren 80 Elzern mit dem Sonderzug nach Waldmünchen anreiste. „Es soll Menschen geben, die heute noch davon erzählen.“
Das Bemerkenswerte: Mindestens 220 Elzer seien privat untergekommen. Und was nicht nur da auf die Beine gestellt wurde.... verbunden allerdings mit einem Namen: Elisabeth Ruhland. Sie ist laut Prosch über Jahrzehnte der Mittelpunkt der Freundschaft gewesen. Und: „Sie hat viele angesteckt.“
Prosch hat, wie eine Vielzahl Elzer, schon zahlreiche Urlaube in Waldmünchen verbracht und wird nicht müde, Land(schaft) und Leute zu loben. „Ich kann gar nicht anders als ins Schwärmen zu kommen“, sagt er beinahe entschuldigend.
Besuche zur Festsoielzeit
Schwärmen, das tut auch Dieter Becker – und das in den höchsten Tönen. Bereits beim „Besuch eins“ nach dem Vatertagsausflug erschien es, „als würden wir uns ewig kennen“. Auch ist ihm ist besagter Abend mit den Trenckianern in bester Erinnerung. Wie viele andere, schließlich haben die Elzer ab Mitte der 1970er-Jahre stets versucht, Waldmünchen zur Festspielzeit zu besuchen.
Weil überhaupt der Trenckverein neben dem MGV Waldmünchen über all die Jahre Dreh- und Angelpunkt war. Deckers Fazit: „Unser beider Mentalität, das passt einfach.“
Die dritte Generation
Bestes Beispiel für die längst generationenübergreifende Freundschaft dürfte Ines Müller-Dernbach sein. Ihr Vater Fred war 1973 Frohsinn-Präsident und glühender Verfechterder Verbindung, ihr jüngerer Sohn (25) wird im Juli als einer der Betreuer das Zeltlager in Waldmünchen begleiten. Und sie selbst? „Wir sind so nett aufgenommen worden“, schildert sie ihre Erinnerungen. „Ich glaub‘, die Menschen passen einfach zusammen.“
Ihr Vater habe ihr einmal erzählt, dass dies vom ersten Moment an so gewesen sei – und dass „man das nicht erklären“ könne. Die ganze Geschichte hinter der Partnerschaft mit den Anfängen in Schönsee hat sie erst im vergangenen Jahr gehört. „Ich kriege immer noch Gänsehaut“, verrät sie.
Bewegende Momente am Gedenkstein
Zum Gedenkstein an ihren Vater hat sie eine spezielle Meinung. Ihre Schwester und sie, sie seien immer wieder aufs Neue und aufs Tiefste berührt, welcheWertschätzungihrem 1980 verstorbenen Vater in Waldmünchen immer noch zuteil werde. „Das ehrt uns sehr.“
Ganz ungespalten ist sie diesbezüglich aber nicht. Nachdem selbst ihre Kinder den Opa nicht mehr erlebt haben, werde es Zeit, Alles der nächsten Generation – die sich mit Elke Tweedale auf Waldmünchner und einigen Namen auf Seiten der ElzerMusikantenauch auf instrumentaler Ebene inzwischen gefunden hat – zu übertragen. „Die Erinnerung und die Geschichte bleiben ja.“
Herzlichkeit macht den Unterschied
„Es ist die Herzlichkeit, mit der uns die Waldmünchner Menschen begegnet sind und begegnen“, macht Bürgermeister Horst Kaiser das Besondere aus. Mit besonderen Aktionen bei den Besuchen versuchen die Verantwortlichen in Elz, die Verbindung wachzuhalten und zu stärken, erklärt er. So sei auch das Elzer Jugendzeltlager diesen Sommer in Waldmünchen ein ganz bewusster Schritt. „Je früher man anfängt ein Bewusstsein zu schaffen, umso besser.“
Von vielen Besuchen ist ihm einer nachdrücklich in Erinnerung geblieben: Der mit einem Abstecher ins verlassene Dorf Grafenried. „Da wird einem vor Augen geführt, wie gut es ist, dass wir heute in Europa Freizügigkeit haben.“ Und wie wertvoll und bereichernd Freundschaft sein kann.
DIE PARTNERSTADT IM WESTERWALD
Grenze:Elz liegt im hessischen Kreis Limburg-Weilburg, direkt an der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Kommunalrechtlich ist Elz eine Gemeinde, die allerdings schon einmal Stadtrecht hatte.
Bürger:Gut 8000 Menschen leben in der Stadt im Westerwald. Knapp 15 Prozent haben eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Großteil der Elzer ist katholisch.
Politik:Seit 2006 ist Horst Kaiser (65) Bürgermeister. Seine CDU hat auch in der Gemeindevertretung die Mehrheit, seit die 2021 erstmals angetretenen Bürger für Elz allerdings acht der 31 Sitze ergattern konnten, keine absolute mehr. Vertreten im Gremium ist als dritte Kraft die SPD.
Feste:Die Elzer Kirmes im September ist der Jahreshöhepunkt, bekannt ist auch der Hexenkessel, ein Umzug am Unsinnigen Donnerstag.
Verbindung:2006 haben Elz und Waldmünchen ihre Freundschaft in einer offiziellen Partnerschaft besiegelt.

