Königswiesen: Ein Stadtteil mit vielen Problemen, aber auch Zukunftspotenzial

Der Ausländeranteil ist in den Hochhäusern besonders hoch, doch Kontakte gibt es untereinander kaum. Wie groß die Diskrepanz im Regensburger Stadtteil Königswiesen ist, lässt sich an zahlreichen Faktoren ablesen.
Wer glaubt, dass man für diesen am Reißbrett geplanten Regensburger Stadtteil nichts Historisches berichten könnte, der irrt gewaltig. Königswiesen war, wie der Name schon sagt, Ort königlichen Besitzes. Wer auf der A93 Richtung Regensburg fährt, der sieht sie schon von weitem, die Hochhäuser, mit denen sich die Regensburger Stadtväter in den 70er Jahren ein wenig Großstadtflair in die Domstadt bringen wollten. Sie stehen auf dem Königsberg. Doch in der Tat gehörten die „Königswiesen“ schon im achten Jahrhundert dem fränkischen Königshaus.
Heute entsteht in Königswiesen mit dem Königstor ein architektonischer Riese, den manche kritisieren. Für andere ist das Königstor, in dem derzeit knapp 400 Wohnungen gebaut werden, ebenfalls Ausdruck einer Entwicklung Regensburgs hin zur modernen Großstadt. Doch wie kaum ein anderer Stadtteil in Regensburg ist Königswiesen-Dechbetten-Großprüfening, wie dieser offiziell heißt, zergliedert.
Riesige Unterschiede
Die MZ hat die Sozialindikatoren für den Stadtteil ausgewertet – nirgendwo sind die Kontraste so groß wie hier. So liegtdie Hartz-IV-Quote in Königswiesen-Nordbei 8,2 Prozent. In Dechbetten und Großprüfening liegt sie nur bei 1,1 Prozent. Völlig unterschiedlich ist auch die Zahl der Paarhaushalte mit Kindern in Königswiesen: Nur unter zehn Prozent der Haushalte leben zusammen mit Kindern in ihren Wohnungen. In Dechbetten-Großprüfening sind es doppelt so viele.
Auch derAusländeranteil ist in den HochhäusernKönigswiesens besonders hoch, viel höher als in Regensburg insgesamt. Mit einem Anteil von 22,8 Prozent verglichen zu 15,5 Prozent in Regensburg und lediglich sieben Prozent in Dechbetten-Großprüfening wird schnell klar, dass Königswiesen vor großen Herausforderungen in Sachen Integration steht.
Dabei ist es schwer, einen Ansprechpartner zu finden, der für dassoziale Gefüge in der Stadtzuständig ist. Einen Stadtteilkümmerer wie etwa im Stadtnorden gibt es hier nicht. Katharina Knodel leitet das Familienzentrum der Johanniter, das seit 1987 geöffnet hat. Sie sagt: „Zu unseren Veranstaltungen kommen Menschen aus der ganzen Stadt, kaum aber welche aus Königswiesen.“ In ihrer Wahrnehmung leben viele russischsprachige Regensburger hier, Kontakte gibt es aber kaum. „Ich finde das frustrierend“, sagt sie. Früher habe es Stadtteilfeste gegeben, da wären die Einwohner Königswiesens eher zusammengekommen. Das wünscht sich die Leiterin des Familienstützpunktes wieder.
Die Auswertung der Daten für die Regensburger Altstadt finden Sie hier:Link.
DieHochhaussiedlungen scheinen mit einer eher niedrigen Identifikationmit dem Stadtteil einherzugehen, was Königswiesen etwa von der Konradsiedlung unterscheidet.
Besonders krass sind innerhalb des Stadtteils die Wahlergebnisse. Bei der vergangenen Bundestagswahl 2021 wählten in Königswiesen-Nord 16,3 Prozent die AfD und damit den rechten Rand. In Dechbetten-Großprüfening waren es demgegenüber lediglich 4,1 Prozent. Genau andersherum verhält es sich dann auch mit den Wahlergebnissen für die Grünen: Während in Dechbetten-Großprüfening 25,6 Prozent der Wähler ihr Kreuzchen bei der Öko-Partei machten, waren es in den Hochhaus-Siedlungen lediglich 10,7 Prozent.
Viele Alleinerziehende
Auch die Zahl der Alleinerziehenden ist in den Hochhaussiedlungen in Königswiesen-Nord besonders hoch. In 23,3 Prozent aller Haushalte kümmern sich Alleinerziehende um ihre Kinder. In Dechbetten-Großprüfening sind es lediglich 11,9 Prozent. Königswiesen wächst, nicht zuletzt mit dem Königstor. Die Herausforderungen aber bleiben.
