Hallenproblem: Handballer der SG Regensburg im Stress

Im vergangenen Dezember glühten bei der SG Regensburg die Drähte. Auf allen Kanälen. Die Sporthalle des Kerschensteiner-Berufsschulzentrums musste urplötzlich wegen Mängeln des Dachtragwerks geschlossen werden. Und die Handballer der SG standen von einem Tag auf den anderen ohne ihre Heimat da.
Aushängeschild des Klubs ist die ambitionierte Herren-Mannschaft in der Bayernliga. Die in eine GmbH ausgelagerten Adler mussten nachder Hallensperrungaber genauso im Rekordtempo umsiedeln wie die sechs weiteren Erwachsenen- und zehn Nachwuchsteams. Die Trainings- und Spielstätten sind nun auf nicht weniger als 13 Hallen im gesamten Stadtgebiet und sogar im Landkreis verteilt. Durch persönliche Verbindungen, wie SG-Verantwortliche erzählen, gab es Hallenzeiten in Thalmassing. Dazu kommen noch, wie bisher auch, zwei Sporthallen in Neutraubling.
Gesellschaftliches Leben leidet unter der Situation
Früher kam die SG mit fünf Hallen für ihre 17 Teams aus. Und der Großteil spielte sich sowieso in der Kerschensteiner-Halle in der Alfons-Auer-Straße ab. Unter der neuen, großen Streuung leidet natürlich das gesellschaftliche Leben der Abteilung. Die eigentliche Begegnungsstätte, das SC-Vereinsheim, wird von den Sportlern, egal ob jung oder alt, kaum mehr besucht. Das liebgewonnene Zusammensitzen nach Training und Spiel gibt es nur noch selten, erzählt SG-Vorsitzende Kerstin Riedmüller. Dies sei aber wenig verwunderlich, der Stress sei nämlich riesig, sagt Riedmüller. Allein, wenn sie an die rund 200 Kinder und Jugendlichen und an die ehrenamtlichen Jugendtrainer der SG denke. „Als Kind suchst du dir ja einen Verein aus, der fußläufig oder mit dem Radl zu erreichen ist. Jetzt muss jeder von den Eltern gefahren werden.“ Die Trainer hätten einen riesigen zusätzlichen Aufwand: „Bälle, Leibchen, Hütchen, Dummys und Laufteiler müssen vor dem Training aus unserer Halle abgeholt und nachher zurückgebracht werden.“ Auf Dauer sei das aber kein Zustand, findet sie. Bis jetzt stehe zum Beispiel nur in der Sporthalle des Albertus-Magnus-Gymnasiums ein Geräteraum für die Utensilien der SG zur Verfügung.
Alles wird „rumkutschiert“
In der Sporthalle an der Hans-Sachs-Straße im Regensburger Westen tragen nun die Männer- und Frauenteams ihre Spiele aus. Das Gastroteam der SG um Karin und Josef Zapf ist dadurch mächtig gefordert. „Es gibt keine Küche, keinen Verkaufsraum, nix. Die beiden müssen derzeit alles in der Kerschensteiner-Halle vorbereiten, jedes Mal die Wurstsemmeln fertig machen, Teller, Besteck, Gläser und die ganzen Getränke rumkutschieren“, erzählt Riedmüller. Und auch ihre Vorstandskollegen Michael Putzer und Daniel Mulitze sowie die Jugendleiterinnen Chrissi Lengsfeld und Jutta Knümann seien schwer eingespannt. Es gebe einfach sehr viel zu organisieren. Insbesondere müssten mit Gegnern und Verband Spielverlegungen abgestimmt werden. Helmut Meichel, als Vorstand eigentlich schon im Ruhestand, packe deswegen auch mit an.
Riedmüller erinnert sich daran, dass sich die Anzahl der Nachrichten in der Whatsapp-Gruppe der SG-Funktionäre einst in Grenzen hielt, „jetzt bimmelt das Handy sehr oft“. Für die Zukunft hat sie deswegen einen klaren Wunsch: „Hoffentlich kommen wir bald wieder in unsere Halle rein.“
Zumindest hat sich die SG in dieser schweren Zeit vom Regensburger Sportamt gut betreut gefühlt. „Das hat sich sehr um uns bemüht“, erzählt Riedmüller, „und unsere Fußballabteilung hat uns auch zwei Hallenzeiten überlassen“. Für den Leiter des Sportamts, Johann Nuber, ist solch eine Solidarität über Abteilungen oder Vereine hinweg, auch keine echte Überraschung: „Da gibt es Verständnis. Die anderen kennen eine solche Situation oft ja auch aus eigener Sicht.“
„Eine riesige Aufgabe“
Nuber erzählt, dass es „natürlich eine riesige Aufgabe“ war, die Mannschaften der SG so schnell wie möglich zu verlegen. Die Kerschensteiner-Halle sei schließlich eine Dreifachhalle und ab dem späten Nachmittag täglich komplett vom Vereinssport belegt gewesen: „Da kann man sich selbst ausrechnen, was an Hallenzeiten zusammenkommt.“
Zunächst sei es vor allem darum gegangen, den Spielbetrieb sicherzustellen. Im zweiten Schritt wurden dann wieder so viele Trainingszeiten wie nur möglich angeboten. Bei Handballern sei das aber naturgemäß doppelt schwer: „Die brauchen einfach große Plätze und auch Tore.“
Zuletzt gab es auch eine Debatte, ob die Reparatur der Kerschensteiner-Halle schnell genug vorangetrieben wird und ob die Zuständigkeit für die Hallenzeiten der Sportvereine innerhalb der Stadtverwaltung nicht hin und her geschoben wird. Nuber sieht hier aber kein Konfliktpotenzial. Bei der Reparatur des Dachtragwerkes wolle er „niemandem den Schwarzen Peter zuschieben, das ist eben auch nicht so einfach“.
Auch er hoffe, dass schnell wieder geöffnet wird, realistisch gesehen werde es aber wohl noch „ein paar Monate“ dauern. Und auch ein Zuständigkeitsgerangel innerhalb der Stadtverwaltung gebe es nicht: „Da gibt es keinen Dissenz zwischen den Abteilungen. Wir arbeiten zusammen, um das gemeinsam zu lösen.“