Schwandorfs neuer Stadtpfarrer hat sich eingelebt – „Fühle mich hier rundum wohl!“

Seit über 100 Tagen ist Christian Kalis (53) in Schwandorf als neuer Stadtpfarrer aktiv. Seine erste Zwischenbilanz fällt positiv aus. Doch schon in naher Zukunft wird es einige Veränderungen geben, die ihn vor eine Herausforderung stellen könnten. Diese betreffen vor allem das Dekanat, aber auch die Stadtpfarrkirche St. Jakob – ein Interview.
Herr Pfarrer, seit über 100 Tagen sind Sie nun ein Schwandorfer. Haben Sie sich mittlerweile gut eingelebt?
Christian Kalis:Ich fühle mich hier rundum wohl, ich fühle mich hier gut angenommen und angekommen. Letztens war ich mal wieder in meiner alten Heimat Regensburg. Ich habe den Dom besucht und mich mit meinem Nachfolger in meiner ehemaligen Dienstwohnung getroffen. Irgendwie kam mir das alles schon fremd vor. Das zeigt aber im Umkehrschluss, dass ich mich mittlerweile hier in Schwandorf zuhause fühle.
Sie hatten ja bereits bei Ihrer Amtseinführung gesagt, dass Sie sich gut vorstellen können, hier in Ruhestand zu gehen.
Kalis:Ich bin gekommen, um zu bleiben. Da hat sich nichts daran geändert. Im Gegenteil, dieses Gefühl hat sich nur noch verstärkt.
Am 1. September 2022 haben Sie das Amt des Schwandorfer Stadtpfarrers offiziell von Monsignore Hans Amann übernommen. Haben Sie mit Ihrem Vorgänger eigentlich noch Kontakt?
Kalis:Wir tauschen uns gelegentlich zu ganz praktischen Dingen aus. Ich habe ihn beispielsweise angerufen, welchen Wasseranschluss ich im Winter entleeren muss, damit es keine Frostschäden gibt (lacht). Und in diesem Zusammenhang haben wir natürlich auch besprochen, was sich im Dekanat verändert.
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Diese Veränderung hat ja auch weitreichende Auswirkungen auf das Kirchenleben hier in der Großen Kreisstadt. Unter anderem soll es künftig nur noch eine Nord- und eine Südpfarrei geben. Sie würden nach jetzigem Stand zur Nordpfarrei gehören, und kämen auch als Pfarrer dafür in Frage. Das könnte für Sie natürlich größere Verantwortungen mit sich bringen.
Kalis:Es steht schon fest, dass die Pfarreien Fronberg-St. Andreas und St. Jakob eine Pfarreiengemeinschaft bilden werden. Das stand auch schon in der Stellenausschreibung, auf die ich mich vor einem Jahr beworben habe. Das ist aber nichts Neues, die meisten meiner Mitbrüder betreuen bereits zwei oder mehr Pfarreien.
Pläne des Bistums zeigen, dass auch noch die bereits bestehende Pfarreiengemeinschaft St. Paul und Kreuzberg mit in die künftige Nord-Pfarrei eingegliedert werden soll.
Kalis:Das ist richtig. Und für diese vier Pfarreien bin ich momentan der einzige, fest installierte Pfarrer. Ich sehe das also durchaus auf mich zukommen, dass mir in der Zukunft mehr Verantwortung übertragen wird. Ich sehe dem aber entspannt entgegen.
Was bräuchte es denn, um diese vier Pfarreien gut zu steuern?
Kalis:Der Pfarrer trägt die Letztverantwortung, aber er wird nicht alleine gelassen. Er hat ja pastorale Mitarbeiter, wie Pfarrvikare oder Pastoral- bzw. Gemeindereferenten. Und ich erfahre, dass es sehr viel engagierte Ehrenamtliche hier in Schwandorf gibt, die den Pfarrer unterstützen.
MitPfarrvikar Deogratiashaben Sie ja schon eine sehr interessante Persönlichkeit an Ihrer Seite, er studiert Physik in Regensburg. Wie viele Formeln haben Sie denn schon mit ihm gelernt?
Kalis:Keine (lacht). Das war nie mein Fach und wird es auch nie werden. Ich bewundere ihn da aber sehr, dass er sich darauf einlässt, ganz neu anzufangen und neue Wege zu gehen. Mein Weg wäre es aber nicht.
Nun befindet sich ja nicht nur das Dekanat Schwandorf im Wandel, sondern auch die Kirche im Allgemeinen. Immer mehr Gotteshäuser werden geschlossen. Auch die Zahl der Gläubigen wird weniger.
Kalis:Das ist natürlich bedauerlich und das bekommt man auch in Schwandorf zu spüren. Irgendwo ist das auch der Entwicklung der Bevölkerung geschuldet. Ich habe seit meiner Ankunft durschnittlich eine Beerdigung pro Woche und dagegen in den ersten vier Monaten nur zwei Taufen gefeiert. Und dann kommen natürlich auch noch die Kirchenaustritte dazu, die stark zugenommen haben.
Wie wirken Sie Letzterem entgegen? Gibt es Ihrerseits Versuche, Gläubige, die der Kirche den Rücken zukehren, doch noch zu halten?
Kalis:Da muss ich ehrlich zugeben, dass ich das bisher noch nicht versucht habe. Dazu hat mir einfach die Zeit gefehlt. Man muss aber auch dazu sagen, dass der Kirchenaustritt am Standesamt vonstatten geht. Wenn die Menschen dafür zu uns ins Pfarrbüro kommen müssten, hätten wir einen direkten Kontakt. Dann könnte man individuell nachfragen, was denn der Grund für den Austritt ist. Insgesamt muss man als Pfarrer seine Gemeinde aber auch zunächst kennenlernen, um sensibler dafür zu werden, wer gerade mit der Kirche hadert.
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Sie haben bei Ihrer Einführung ja auch gesagt, dass Sie erst einmal die Rolle des Beobachters einnehmen möchten. Ist diese Zeit vorbei und Sie sind schon mehr zu einem Veränderer geworden?
Kalis:Es gibt immer noch Ereignisse und Veranstaltungen die zunächst einmal geschehen, wie die zurückliegenden Weihnachtsgottesdienste beispielsweise. Die haben ja eine lange Tradition und da musste ich mich schon erst einmal darauf einlassen, wie es hier Brauch war. Insofern bin ich schon noch Beobachter, aber ich merke, dass zwischendurch auch die Erwartung da ist, dass ich meine Ideen verwirkliche – und die gibt es.
Welche Ideen haben Sie denn schon umgesetzt?
Kalis:Wir gestalten die Sonntagsgottesdienste um 10.30 Uhr beispielsweise vermehrt mit Kindern und wollen sie lebhafter machen. Ich kann aber natürlich nicht vergleichen, wie das vorher war. Die vergangenen beiden Kirchenjahre sind pandemiebedingt sowieso ganz anders verlaufen.
An der Gottesdienstgestaltung wird sich also etwas ändern. Doch dabei wird es nicht bleiben. Wie man hört, stehen auch Veränderungen in der Pfarrkirche St. Jakob an sich an.
Kalis:Ich sehe mit meinen eigenen Augen, dass durch die Hanglage am Weinberg die Stufenanlage, die ins Pfarrbüro führt, abrutscht. Da entstehen Risse und Abstände, die eine Unfallgefahr darstellen und dringend behoben werden müssen. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf die Barrierefreiheit schauen. Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass man 20, 30 Granitstufen raufklettern muss, um ins Pfarrbüro zu kommen. Da gibt es auch schon Pläne, die mein Vorgänger in seiner Amtszeit schon mit vorangetrieben hat. Im ersten Jahr nach dem Wechsel sollen aber keine Baumaßnahmen durchgeführt werden, das ist eine Art „Welpenschutz“ für den neuen Pfarrer.
Zum Abschluss noch eine Frage in eigener Sache: Das neue Jahr ist ja erst wenige Wochen alt. Welche Schlagzeile würden Sie denn 2023 gerne lesen?
Kalis:Außerhalb der Kirche wäre das mit Sicherheit, dass wieder Frieden in der Ukraine herrscht.