Bewegung im Regensburger Altstadt-Handel: Kommen und Gehen am Kohlenmarkt

Von Rainer Wendl · 18. Januar 2023 um 10:00

Die Liste der Leerstände in der Regensburger Altstadt wird demnächst am Kohlenmarkt verlängert. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Alteingesessenen Regensburgern ist das markante Eckgebäude Kohlenmarkt/Untere Bachgasse noch als Schuhhaus Daxl in Erinnerung. Doch auch die Reisebuchhandlung Freytag & Berndt kann mittlerweile auf eine respektable Zeitspanne an diesem prominenten Standort zurückblicken, im Frühling 2022 feierte sie hier ihr 20-Jähriges. Weitere Jubiläen werden allerdings nicht mehr dazu kommen, denn am Samstag kommender Woche schließt der in Wien ansässige Verlag diese seine letzte Filiale in Deutschland.

Das leidige Thema „Leerstände in der Altstadt“ wird also um ein neues Kapitel fortgesetzt, von den üblichen Begründungen wie „zu hohe Mieten“, „Corona-Folgen“, „Personalmangel“ oder „boomender Online-Handel“ trifft auch hier einer zu: „Bei uns war eindeutig Corona der Einschnitt, denn 2019 war noch ein sehr erfolgreiches Jahr. Doch anders als in Österreich verläuft die Erholung des stationären Handels hier langsamer, für die nächsten Jahre gibt es daher keine profitable Prognose“, sagt Andreas Kiefer, verantwortlich für das operative Geschäft von Freytag & Berndt in Regensburg.

Ob diese Schließung nun eine weiterreichende Aussagekraft für die Situation des Einzelhandels in der Altstadt hat, ist Ansichtssache. So könnte sich Armin Gebhard, Vorsitzender der Regensburger Kaufleute, bestätigt fühlen, der vor Kurzem angesichts von zwei Geschäftsaufgaben Unter den Schwibbögen prophezeit hatte: „Das wird noch zunehmen, eine Besserung ist nicht in Sicht.“

Ex-Juwelier wieder vermietet

Ingo Saar, Geschäftsführer von Faszination Altstadt, hat einen optimistischeren Ansatz. Mit Blick auf die nähere Umgebung des Kohlenmarkts spricht er von einer „eigentlich ganz guten Situation“ in Unterer Bachgasse und Wahlenstraße und sagt: „Wenn wo jemand rausgeht, ist es in neun von zehn Fällen so, dass in kurzer Zeit auch wieder jemand reingeht.“

Speziell am Kohlenmarkt gibt es aktuell einen Beleg für diese These: Am nördlichen Ende des Platzes, zwischen der Buchhandlung und Farben Eckert, steht der frühere Juwelierladen Riebel leer. Zuletzt hatte sich hier die in Barbing ansässige Uhrenmanufaktur Damasko eingemietet, wegen Personalmangel musste der Standort in der Altstadt aber im Herbst aufgegeben werden.

Jetzt meldet der – namentlich nicht genannt werden wollende – Eigentümer der Immobilie, dass ein neuer Mietvertrag unterschrieben ist. „Ein paar Umbauarbeiten sind noch nötig. Aber ich gehe davon aus, dass bald eröffnet wird“, sagt er, ohne näher auf den neuen Mieter einzugehen. Wieder ein paar Schritte westwärts harrt der Ratskeller der Wiederbelebung, die Brauerei Bischofshof hat sich hierfür das erste Halbjahr 2023 als Ziel gesetzt.

Und nur einen weiteren Steinwurf entfernt hat Gerald Loers eine gute Nachricht zum ehemaligen Birkenstock-Laden in der Neue-Waag-Gasse parat: „Der Mietvertrag mit einem Filialisten, der in jeder europäischen Großstadt A-Lagen belegt, ist fertig“, verkündet der Immobilienmakler. Für das ebenfalls leer stehende Geschäft direkt nebenan (früher der zweite Gumprecht-Standort) steht er zudem mit einem Schuh-Filialisten in Kontakt.

Platzfolge als „Top-Lage“

Für Loers ist diese Nachfrage kein Zufall, denn die Platzfolge Kohlenmarkt/Rathausplatz/ Haidplatz bezeichnet er als „Top-Lage“. Anderswo gebe es oft nur eine zentrale Einkaufsstraße, in Regensburg hingegen werde von Platz zu Platz gegangen. „Da ist die Frequenz immer gut.“

Andreas Kiefer hat dies bei Freytag & Berndt auch stets so empfunden. „Für den Einzelhandel ist es hier optimal. Hoffentlich gibt es jemand, der die Fläche gut nutzen kann“, sagt er kurz vorm Abschied. Loers hält diesen Wunsch nach einer adäquaten Neuvermietung auf jeden Fall für erfüllbar und untermauert dies mit einem Vergleich der unterschiedlichen Altstadt-Lagen: „In der Pfauengasse ist es durchaus schwierig, am Rathausplatz oder am Kohlenmarkt nicht.“