Lok erfasst bei Bauarbeiten zwei Streckenarbeiter: Polizei sucht Ursache

Von Markus Rath · 17. Januar 2023 um 21:00

Am Tag nach dem Zugunfall auf der Bahnstrecke zwischen Regensburg und Nürnberg sind die äußeren Spuren so gut wie beseitigt. Der Zugverkehr fließt seit 1.45 Uhr ungehindert. Jetzt müssen Polizei und Staatsanwaltschaft herausfinden, wie es zu dem verheerenden Unfall, bei dem ein Mensch getötet und ein weiterer schwer verletzt wurde, kommen konnte.

Rückblende: Es ist Montagabend, kurz nach 17 Uhr, als eine Lok ohne Waggons kurz vor der Unterführung bei Darshofen zwei Streckenarbeiter erfasst. Ein 38-Jähriger aus Polen stammender Arbeiter verstarb noch an der Unfallstelle, ein 53-jähriger Landsmann des Verstorbenen wurde mit dem Hubschrauber schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Laut Polizei besteht bei ihm keine Lebensgefahr mehr.

Polizei vernimmt Lokführer

Zur Klärung der Unfallursache wurde noch am Montagabend ein Sachverständiger hinzugezogen. Trotzdem ist laut Claus Feldmeier, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, aber noch unklar, wie es zu dem Unglück kommen konnte. „Bisher haben wir nur die Aussage des Lokführers aufnehmen können“, sagte er. Die Arbeitskollegen der beiden Männer seien noch nicht vernommen worden.

Fest steht, dass der Bautrupp mit Pflegearbeiten im Böschungsbereich und neben den Gleisen beauftragt war. Es ist laut Feldmeier aber nicht sicher, ob sie zum Unfallzeitpunkt, als die Dunkelheit bereits eingesetzt hatte, noch gearbeitet haben, oder sich schon auf dem Rückweg befanden. Sicher ist aber, dass die Baustelle durch Streckenposten abgesichert war. Nach Informationen unserer Zeitung sollen diese die ankommende Lok erkannt und dem Lokführer signalisiert haben, dass er durchfahren darf. Die Lok hätte die Baustelle daraufhin wohl mit einer nicht allzugroßen Geschwindigkeit passiert. Dies zeigt der relativ kurze Anhalteweg nach dem Unfall.

Deutsche Bahn AG: Keine Angaben zum Unfallhergang

Keine konkreten Auskünfte zu dem Unglück gab es von der Deutschen Bahn AG. Hier teilte eine Sprecherin mit, dass man vom tragischen Unfall bei Parsberg tief betroffen sei. „Zu Hergang und Ursache können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben machen“, heißt es. Die DB unterstütze die Ermittlungen der Behörden zu den Umständen nach Kräften. Man lege größten Wert auf die Sicherheit an Baustellen. Arbeiten im Gleisbereich seien nach einem festen Regelwerk durchzuführen, um Kollegen und Mitarbeitende von Dienstleistern bestmöglich zu schützen.

Ähnlich schwierig wie die Ermittlung der Unfallursache gestaltete sich am Montagabend die Arbeit von Rettungsdienst und Feuerwehr, die laut Kreisbrandrat Jürgen Kohl die Gleise erst betreten konnten, nachdem die Bahn den Zugverkehr eingestellt hatte. „Da es sich um einen Taleinschnitt zwischen zwei Brücken handelt, mussten wir Seile und Steckleitern einsetzen, um zu den Gleisen zu kommen und die Unfallstelle zu finden“, sagte er.

Körperliche Herausforderung

Später sei das benötigte Bergungsgerät mit einem sogenannten Aufgleiswagen zum Einsatzort geschoben worden. Auf dem gleichen Weg hätte man dann den Verletzten, die anderen Unfallbeteiligten und später auch den Verstorbenen zum Parsberger Bahnhof gebracht. Kohl: „Das war für Feuerwehrleute und Rettungssanitäter auch körperlich eine Herausforderung.“

Einer solchen mussten sich am Montagabend dann auch die Bahnreisenden auf der Strecke stellen. So strandete eine Redaktionskollegin unserer Zeitung auf dem Weg von München nach Neumarkt in Regensburg. Von hier ging es dann mit dem Agilis bis Beratzhausen, mit dem Bus weiter nach Seubersdorf und von dort mit dem Agilis weiter nach Neumarkt. Reisende, die nach Nürnberg wollten, wurden über Schwandorf umgeleitet.

Am Parsberger Bahnhof hatten die Einsatzkräfte die Verletztensammelstelle eingerichtet.