War ein Wildvogel der Auslöser? Geflügelpest-Ausbruch in Bruck gibt Rätsel auf

Nachdem am Mittwoch die Keulung wegen eines Vogelgrippe-Ausbruchs in einem Geflügelbetrieb in Hofing angelaufen war, gingen die Arbeiten am Donnerstag weiter. Nicht nur die Mitarbeiter der Bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) suchen nach der Ursache – auch in der Region gibt es erste Erklärungsversuche.
Am spätenMittwochnachmittag schritten die Seuchenbekämpfer erstmals zur Tat, um die 70.000 von der Aktion betroffenen Enten tierschutzgerecht zu töten. Zuvor waren zahllose Fahrzeuge und Einsatzkräfte angerückt, um die notwendigen Gerätschaften in die Marktgemeinde zu bringen. Gegen 16 Uhr waren die ersten Veterinäre in auffälligen Ganzkörper-Schutzanzügen auf dem Gelände zu sehen. Bis 21 Uhr waren die Seuchenbekämpfer im Einsatz, um acht Uhr morgens ging es dann Donnerstag weiter.
Die Tiere werden nach und nach eingefangen und in bereitstehende Container verbracht. Diesen wird Gas zugeführt, um die Enten zuerst möglichst schnell zu betäuben, bis letztendlich der Atemstillstand eintritt. Danach werden die Tierkörper „unschädlich entsorgt“, indem sie in eine Tierkörperbeseitigungsanlage in der Region gebracht werden.
Die Keulungsarbeiten sind im Zeitplan
„Spätestens am Freitag sollen die Maßnahmen abgeschlossen sein“, sagte ein Sprecher der KBLV auf Nachfrage. Es stehe aber durchaus im Raum, dass die Einsatzkräfte früher fertig werden. Mit der bloßen Beseitigung der Tiere seien die Bemühungen zur Seuchenbekämpfung allerdings noch nicht abgeschlossen.
Wenn die Ställe leer sind, werden sie von einer Spezialfirma akribisch gereinigt, desinfiziert und entwest. Dieses Vorgehen habe derzeit oberste Priorität, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Danach gelte es laut dem KBLV-Sprecher, eine gesetzliche Wartefrist einzuhalten. Prinzipiell sei eine Neubesetzung der Anlage mit Tieren denkbar, wenn alle gesetzlichen Auflagen erfüllt seien.
Auch am Donnerstag gab es noch keine neuen Erkenntnisse zur Ursache für den Vogelgrippe-Ausbruch in der Anlage in Hofing, so der Behörden-Sprecher. Allerdings hätten derzeit die akuten Maßnahmen Priorität. Im Nachgang würden noch weitere Überprüfungen stattfinden. Derzeit gebe es aber keine Hinweise für etwaige Seuchenschutz- oder Hygienemängel in dem Betrieb. Wie lang es dauert, bis das endgültige Ergebnis der Ermittlung feststeht, konnte der Sprecher am Donnerstag noch nicht abschätzen.
Bauernverband: Region um Nittenau ist ein „geflügelstarkes Gebiet“
„So etwas ist immer eine Katastrophe für einen Betrieb“, erklärte Josef Wittmann, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands Schwandorf. Einen möglichen Grund dafür, warum es in den Geflügelställen im Landkreis immer wieder zu Virus-Ausbrüchen kommt, sieht Wittmann unter anderem im Gewässerreichtum der Region. Der ziehe ungewöhnlich viele Wildvögel an, die potenzielle Virusträger seien.
Zudem sei die Region um Nittenau eines der geflügelstärksten Gebiete in ganz Bayern. Allein wegen der Dichte an Betrieben sei die Gefahr einer Ausbreitung groß. Doch mittlerweile wüssten die örtlichen Landwirte genau, was angesichts eines Vogelgrippe-Ausbruchs zu tun ist.
Kleintierzüchter und Geflügelhalter: So gehen sie mit der Situation um
„Wir sind krisenerprobt, aber begeistert ist niemand“, bestätigte der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins Nittenau und Umgebung, Matthias Fuchs. Auch er sieht die Ursache für die wiederkehrenden Ausbrüche der Vogelgrippe darin, dass in der Region enorm viele Zugvögel unterwegs sind, die potenzielle Träger der Seuche sind. Mit diesen könnten die Tiere in der Freilandhaltung in Berührung kommen und sich wegen der hochgradigen Ansteckungsgefahr schnell infizieren. Fuchs selbst hält seine Tiere deswegen nur drinnen. Um Kontakt mit den Wildtieren zu vermeiden, empfiehlt er Haltern – wenn möglich – zumindest überdachte Volieren zu nutzen. Außerdem spricht er sich für einen kontrollierten Abschuss von Wildvögeln aus, um die Population besser zu kontrollieren.
Von den nun geltenden Seuchenschutzmaßnahmenist auch Familie Dobler in Kölbldorf betroffen. Rund 30 Hühner leben auf ihrem Hof. Eigentlich sind sie in einem großzügigen Freilauf untergebracht. Nun muss Therese Dobler die Tiere in einem Stall einsperren. Das geht ihr nahe. „Sie tun mir leid“, sagte Dobler über ihre Hühner. Und nicht nur das: Sie fürchtet um die Gesundheit ihrer Hennen, die eingesperrt auch weniger Eier legen würden. Aktuell dürfe sie diese auch nicht weitergeben. „Was sollen wir jetzt damit machen?“ Die Arbeit haben sie ja trotzdem. Familie Dobler will ihren Tieren nun einen eingezäunten, überdachten Auslauf einrichten, um ihren Bedürfnissen auch angesichts der heiklen Lage besser gerecht zu werden.


