Zugunglück bei Parsberg: Fuhr die Lok Richtung Nürnberg auf dem falschen Gleis?

Wie kann es passieren, dass eine Lok in einen Bautrupp fährt und dabei einen Menschen tötet und einen weiteren schwer verletzt? Auch wenn sich der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Claus Feldmeier, in dieser Frage bedeckt hält, kristallisiert sich nach Erkenntnissen unserer Zeitung ein möglicher Hergang desUnfalls bei Parsberg im Kreis Neumarktheraus.
Fakt ist nämlich, dass die Lok nach dem Unfall in Fahrtrichtung Nürnberg stand, obwohl sie sich auf dem Gleis befand, auf dem normalerweise Züge in Richtung Regensburg fahren. Das legt für den Bahnexperten in unserer Redaktion, Lothar Röhrl, den Schluss nahe, dass die Lok sich zumindest auf dem unüblichen Gleis befand. „Ich gehe davon aus, dass die Lokomotive die Arbeiter erfasste, als sie nicht auf dem sogenannten Regelweg – das wäre das Gleis Richtung Nürnberg – unterwegs war“, sagt dieser. Dazu passt, dass sich laut Feldmeier die Ermittlungen der Polizei auch mit der Frage beschäftigen, ob die Lok auf dem besagten Gleis fahren durfte oder nicht.
Grundsätzlich ist das nach Röhrls Einschätzung möglich, weil entlang der beiden parallel führenden Gleise Signale stehen, die für jede Richtung verwendet werden können. Dieser Fall sei aber selten. Das würde erklären, warum die Bahnarbeiter der Lok nicht aus dem Weg gingen, obwohl sie laut Feldmeier von ihrer Durchfahrt Kenntnis hatten.
Röhrl: „Möglicherweise gingen die Arbeiter nach dem Warnsignale davon aus, dass der herannahende Zug in Richtung Nürnberg fahrend auf dem Regelgleis unterwegs ist.“ Deshalb hätten sie vielleicht dessen Vorbeifahrt in der Mitte des Gleises abwarte wollen, auf dem üblicherweise Züge Richtung Regensburg fahren. Dort seien sie dann wohl in der Dämmerung von der Lok auf dem unüblichen Gleis überrascht worden.