Tödliche Unfälle erschüttern Regensburg: Zwei Unglücke in 43 Stunden

Von Philip Hell · 19. Januar 2023 um 19:00

Zwei Frauen sterben kurz hintereinander im Regensburger Verkehr. Wie sicher sind die Straßen der Domstadt?

Es lässt sich nur erahnen, welche Wucht der Aufprall gehabt haben muss: Das Rad wurde rund 30 Meter weit geschleudert, der Lenker ist verbogen. Ein paar Meter entfernt liegt ein roter Rucksack, unter einem Polizeibus lugt ein Schuh hervor.Gestern morgen gegen 7.30 Uhr wurde eine 49-jährige Radfahrerinin der Adolf-Schmetzer-Straße von einem 26-jährigen Autofahrer erfasst. Die Frau wollte die Straße überqueren, auf der der Mann gerade stadtauswärts fuhr. Auf Höhe der St.-Niklas-Straße kam es zum tödlichen Zusammenstoß. Die Radfahrerin starb noch am Unfallort.

Es ist der zweite tödliche Verkehrsunfall binnen weniger Tage in der Stadt.Erst am Dienstagmittag wurde eine 78-jährige Fußgängerin von einem 46-jährigen Autofahrer überrollt, als dieser in der Jakobstraße rückwärts einparken wollte. Die Fußgängerin erlag ihren Verletzungen noch vor Ort.

Anwohner übt Kritik

Auf Nachfrage sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch, dass die Jakobstraße nicht als Unfallschwerpunkt bekannt sei. Daraufhin wandte sich ein Leser, der anonym bleiben möchte, an die Mittelbayerische und schildert seine Sicht der Dinge: „Man kann täglich beobachten, wie umsichtig man sein muss, um dort auszuparken. Radfahrer queren sehr schnell, Fußgänger hetzen vorbei und natürlich muss auch der Autoverkehr beachtet werden.“ Es sei in der Jakobstraße schon häufiger zu brenzligen Situationen gekommen. „Nur noch nicht in dieser Dimension wie am Tag des Unglücks.“ Seiner Wahrnehmung nach seien sowohl Radfahrer als auch Autofahrer deutlich zu schnell unterwegs in der Straße zwischen Jakobstor und Bismarckplatz. Teilweise, so der Anwohner, beschleunigen Autos und Busse sogar noch, um an der Theaterkreuzung nicht an der grünen Ampel warten zu müssen. „Man ist sich seines Lebens nicht mehr sicher, wenn man dort von einer Straßenseite auf die andere wechseln möchte.“

Auch Wolfgang Bogie sieht die Gefahr der Geschwindigkeit. Er ist Vorstand des Regensburger Kreisverbands des Verkehrsclub Deutschland (VCD): „Im Stadtgebiet wird viel zu schnell gefahren.“ Insbesondere die großen Verkehrsadern seien sehr belastet. „Die Geschwindigkeit ist gefährlich für Fußgänger und Radfahrer.“ Ein zentrales Problem in Bogies Augen: „Auf den großen Verkehrsachsen gibt es zu wenig Querungshilfen.“ Wenn Radfahrer und Fußgänger sich Stellen suchen müssten, um über die Straße zu gelangen, könne es durchaus gefährlich werden.

Mehr Platz für Radfahrer?

Mit Blick auf den Unfall am gestrigen Morgen, bei dem die Radfahrerin über die Adolf-Schmetzer-Straße fahren wollte, sagt Bogie: „Eine Ampel oder ein Zebrastreifen könnten an dieser Stelle für mehr Sicherheit sorgen.“ Auch Klaus Wörle sorgt sich um die Radfahrer in Regensburg. Er ist Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Regensburg. Sein Hauptkritikpunkt: In der Stadt haben Radler zu wenig Platz. Als Beispiel nennt Wörle die Kumpfmühler Straße: „Dort gibt es zum Teil fünf Autospuren. Die Radfahrer und Fußgänger müssen dagegen mit schmalen Wegen Vorlieb nehmen.“ Probleme seien dort vorprogrammiert. Wobei, sagt Wörle: „Unfälle können jedem passieren.“ Gerade wenn man die Straße überquere. „Man passt einen Moment nicht auf, und...“, Wörle mag den Satz gar nicht zu Ende bringen. „Jeder kennt solche Situationen.“

Wie es zu den beiden Unfällen kam, sollen nun Gutachter klären. Bis die Unglücke bis ins letzte Detail beleuchtet sind, könne es Wochen dauern, sagte ein Polizeisprecher.

Unfall: Am Dienstag wurde eine Fußgängerin in der Jakobstraße überfahren – sie erlag ihren Verletzungen noch am Unglücksort.