Biersirup für Innovationspreis nominiert: Regensburger Erfindung wird flügge

Von Rainer Wendl · 13. Januar 2023 um 19:00

Bei der Gastronomie-Fachmesse Hoga in Nürnberg wird am Sonntag der „Gastro Innovation Award“ vergeben. Mit nominiert: der Biersirup des Regensburgers Christian Joachim.

Seine Spezialität hat es unter die besten Acht von insgesamt 59 eingereichten Ideen aus dem Bereich Essen und Trinken geschafft, für den Sieg gäbe es ein Marketingbudget in Höhe von 2000 Euro. Dieser Finaleinzug ist für Joachims Eigenkreation die nächste Etappe auf dem Weg zur Etablierung.

Nachdem er das Produkt vor eineinhalb Jahren erstmals vorgestellt hatte, war der 59-jährige Unternehmer (Café Jolie, Bierothek) mit der Patentierung sowie diversen Zertifizierungen beschäftigt. Jetzt trägt der Biersirup die Vegan-, Bio- und Öko-Landwirtschaft-Label der EU und ist seit Spätsommer 2022 online sowie bei elf Händlern erhältlich. Der Absatz ist ganz ordentlich angelaufen. „In der Bierothek in der Rote-Hahnen-Gasse verkaufe ich etwa 100 Flaschen im Monat, ein Vertriebspartner in Landshut kommt auf 70 Flaschen“, erzählt Joachim.

Biersirup aus Regensburg dient zur Verfeinerung von Speisen

Dennoch stößt der Biersirup vielfach auf Skepsis und verursacht Missverständnisse. „Manche Leute meinen, dass sie Wasser drauf schütten und dann Bier haben. Aber ich bekomme ja auch keine Erdbeeren, wenn ich Wasser zu Erdbeersirup dazugebe.“ Nein, der Biersirup, so erklärt sein Erfinder, dient zur Verfeinerung von Speisen und Getränken.

So schmeckt der Sirup als Soße für Salat oder Eis genauso wie als Zusatz in Cocktails oder anstelle von Bailey’s oder Amaretto in Kaffeespezialitäten. Zum Backen eignet er sich ebenso. „Unsere Cookies im Café Jolie werden somit nicht bröslig, sondern bleiben schön fluffig“, führt Joachim aus.

Sofern der Sirup nicht erhitzt wird, behält er einen Alkoholgehalt von 1,5 Prozent. Logisch, denn seine Grundlage ist eine Art zwölfprozentiger Doppel-Bock, bei dessen Rezept es sich ebenfalls um eine Eigenentwicklung handelt. Gebraut wurde dieser zunächst im Kleinbetrieb Freibier im Regensburger Hafen, doch die dortigen Kapazitäten stießen bald an ihre Grenzen.

Privatbrauerei Schnitzlbaumer als Kooperationspartner

Womit das Thema Skepsis anzusprechen wäre: Als Joachim nämlich eine größere Brauerei als Kooperationspartner suchte, stieß er in der gesamten Region auf taube Ohren. „Die konnten nicht oder wollten nicht“, sagt er. „Ich brauchte einen Betrieb, der in Bio-Qualität braut und in dem ich nicht für einen Spinner gehalten werde.“ Gefunden hat er einen solchen erst in Traunstein. In der dortigen Privatbrauerei Schnitzlbaumer wird nun das Basisprodukt des Biersirups gebraut, das finale Einkochen erfolgt dann in Ingolstadt.

Die Produktion erfolgt also an zwei Standorten in Oberbayern, für die bisher größte Außenwahrnehmung in der TV-Sendung „Einfach genial“ sorgte ein Team des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), für einen Preis nominiert ist der Biersirup in Nürnberg – sorgt die Regensburger Erfindung also anderswo für mehr Furore als zu Hause? Joachim fände dies schade. Und will es ändern.

Erster Schritt: Ab März wird der Biersirup probeweise in das Sortiment der fünf Regensburger Rewe-Märkte aufgenommen. Findet er Anklang, will die Supermarkt-Kette das Produkt bundesweit anbieten.