Aggressive Bettler belagern Altstadt und Bahnhof in Regensburg

Menschen, die regelmäßig amRegensburger Hauptbahnhofunterwegs sind, kennen sie nur zu gut: Die öffentliche Durchsage, in der derzeit vor organisierten Bettlergruppen gewarnt wird. Doch nicht nur am Bahnhof, auch in der Altstadt ist aktuell oft sogenanntes „aggressives Betteln“ zu beobachten.
„Entschuldigen Sie, haben Sie kurz Zeit?“ Die Gespräche beginnen meist unverfänglich. Schnell kommen Mitglieder von Bettlerbanden aber zur Sache: Sie wollen Geld. Die Geschichten, mit denen dies verknüpft wird, sind vielfältig. Mal ist es ein Notfall in der Familie, mal ein verlorenes Ticket, manchmal Hunger.
Mit verschiedenen Maschen unterwegs
All diese Maschen sind dem Kommunalen Ordnungsservice der Stadt bekannt. Dieser teilt mit, dass organisierte Bettlergruppen seit Jahren nach Regensburg kommen, nicht nur in der Vorweihnachtszeit. Ihr Aktionsradius erstrecke sich dann auf die gesamte Altstadt. Oft handele es sich um Großfamilien aus dem osteuropäischen Raum. Diese reisen mit einem Kleinbus an, übernachten in Nähe der Altstadt und fangen dann morgens an. Es werde häufig mit Hunden und vereinzelt auch mit Kindern gebettelt, um Mitleid zu erregen. Manchmal würden auch körperliche Behinderungen fingiert oder eine Sammlung für eine angebliche Hilfsaktion vorgetäuscht werden. Hier werde um eine Unterstützungsunterschrift gebeten und zu einer Geldspende aufgefordert.
Das sogenannte „stille Betteln“ wird in Regensburg von den Ordnungsservice-Mitarbeitern nach Angaben der Stadtverwaltung geduldet. Sei bei den Bettlern eine reale Notlage zu erkennen, werde auch „unbürokratisch Hilfe angeboten“. Wenn allerdings Anhaltspunkte für „aggressives Betteln“ oder organisierte Gruppen vorliegen, schreitet der Ordnungsservice ein. Zuletzt seien hier nach Angaben der Stadt wieder zahlreiche Verwarnungen erteilt und Platzverweise ausgesprochen worden. Aggressives Betteln sei nämlich ein Verstoß gegen die Sondernutzungssatzung der Stadt. „Ebenso wurden Hunde beschlagnahmt und im Tierheim untergebracht“, teilt die Stadt mit.
Oft von einem „Aufpasser“ begleitet
Erschwert werden die Kontrollen dem Ordnungsservice zufolge dadurch, dass die Bettlergruppen oft von einem „Aufpasser“ begleitet werden. Dieser warne seine „Kollegen“, wenn jemand von der Stadt zu sehen sei, und sammle dann mitunter auch schnell das erbettelte Geld ein.
Für den Bereich des Hauptbahnhofs teilt die zuständige Bundespolizei mit, dass sie im Austausch mit den hiesigen Sicherheits- und Ordnungspartnern ständig die Lage beurteile. In den zurückliegenden Monaten habe es dabei auch „Identitätsfeststellungen in Zusammenhang mit Hausverboten der Deutschen Bahn“ gegeben.