„Gastro gegängelt“: Mehrwegpflicht sorgt für Durcheinander

Von Simone Grebler · 13. Januar 2023 um 05:00

Gastronomen müssen seit 1. Januar wiederverwendbare Behälter anbieten. Viele Restaurants im Landkreis Regensburg sind jedoch noch zurückhaltend.

Den Salat aus dem Lieblingscafé im Freien an der Donau genießen oder das Curry vom Restaurant mit ins Büro nehmen – das ist schon lange möglich. Doch das praktische Essen zum Mitnehmen beschert auch viel Müll. Einige Gastronomien, Kantinen und Mensen in Stadt und Landkreis Regensburg bieten daher seit einiger Zeit als Alternativen Mehrwegverpackungen an. Seit 1. Januar dieses Jahres gilt für die gesamte Gastrobranche die sogenannte Mehrwegangebotspflicht. Das bedeutet, Kunden haben ein Anrecht auf eine Mehrwegverpackung ihrer Speisen und Getränke. Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass nur noch Mehrweg zum Einsatz kommt.

Mehrweg-Verpackungen: Hohe Anschaffungskosten

Pizzaschachteln und Einwegboxen dürfen trotzdem noch genutzt werden. Daher sind auch alle angefragten Gastronomen in Stadt und Landkreis Regensburg grundsätzlich aufgeschlossen für die Idee, Plastik zu vermeiden. Jedoch zögern viele aufgrund der hohen Anschaffungs- bzw. Mietkosten.

„Das ist sehr unausgegoren. Warum wird da immer wieder die Gastro gegängelt?“, fragt Anton Sperger, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Er sei natürlich für mehr Umweltschutz. Aber nicht mit noch mehr Plastik, sondern lieber mit einer kompostierbaren Lösung oder gleich mit Porzellan oder Glas. Was derzeit am Markt sei, halte er zum Beispiel bei einer bayerischen Gastronomie für eher ungeeignet. Viele, die auf Nachhaltigkeit setzen, kommen sowieso mit selbst mitgebrachten Behältern oder Töpfen und lassen sich die Speisen direkt einfüllen.

Mehrweg ist teuer: „Dafür fehlen mir die Mittel“

Diese Erfahrung hat auch Ferenc Felberg vom Restaurant Barbinger gemacht. „Die Gäste bringen für Schäufele und Schweinebraten selbst Topf und Deckel oder ihre Tupperschüssel mit“, sagt er. Er teste sich aktuell noch durch die verschiedenen Systeme. Es sei ein schwieriges Thema, da er nicht immer die Gefäße ausgeben könne und wieder neu einkaufen. „Dafür fehlen mir die Mittel“, sagt er. Felberg hat neben bayerischen Klassikern auch Burger und Pizza auf der Lieferkarte. Für die flachen, rund 30 Zentimeter großen Pizzen gibt es zwar inzwischen auch Mehrweg-Behälter, jedoch kostet eine wiederverwendbare Pizzabox sechs Euro.

Für Jerry Saviello von der Pizzeria La Pineta in Lappersdorf ist das aktuell nicht darstellbar. „Wir geben rund 200 Pizzen pro Tag aus. Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll“, sagt er. Das Muster einer Regensburger Firma habe er bereits da, er schrecke jedoch davor zurück Tausende Euro im Vorfeld auszugeben, ohne zu wissen, wie es angenommen wird. Dann kämen auch noch Nudeln und Salate hinzu, die ohnehin wieder in anderen Behältern ausgegeben werden müssen.

„Es geht im Landkreis Regensburg sehr träge voran“, sagt Andreas Schmidhuber, Geschäftsführer der Bomo-Landkreisbox. Die Firma aus dem Landkreis Regen bietet To-Go-Verpackungen an, die bereits von einigen Gastronomen in der Region wie dem Meliko in Neutraubling, dem Landgasthof Geser in Sarching oder dem Gasthof Pflamminger in Wörth genutzt werden. Schmidhuber weiß: „Gastronomen haben aktuell ganz andere Probleme als Mehrwegverpackungen.“ Daher würden sich die meisten erst nach und nach mit dem Thema befassen.

Dehoga fordert Zuschuss für Mehrweg-Verpackungen

„Wir sind selber Gastronomen und haben daher eine kostengünstige Lösung gesucht“, sagt Schmidhuber. Im Gegensatz zu anderen Anbietern zahle man hier keine monatliche Gebühr, brauche keine App oder habe zeitlichen Druck, die Box zurückzubringen.

Eine Ausnahme gibt es im Übrigen bei der vom Bundestag beschlossenen Mehrwegpflicht. Kleinere Geschäfte mit bis zu 80 Quadratmetern und höchstens fünf Beschäftigten sind davon ausgenommen.

Dehoga-Kreisvorsitzender Anton Sperger wünscht sich indes, sich auf einen Anbieter zu einigen. „Da wären Stadt und Landkreis Regensburg gefragt, das eventuell auch ein bisschen zu bezuschussen“, sagt er.