Universität Regensburg: Bei der Vorklinikum-Baustelle droht der nächste Aufpreis

Von Jürgen Scharf · 11. Januar 2023 um 09:00

Das Drama um immer wieder steigende Kosten bei zwei Großbaustellen an der Regensburger Universität scheint endgültig zur unendlichen Geschichte zu werden. Beim Neubau des Vorklinikums muss das Bauministerium nun abermals eine zeitliche Verzögerung bekannt geben. Und auch, dass das Budget erneut aufgestockt werden muss, ist nicht ausgeschlossen.

Die nackten Zahlen sind erschreckend. Für die Sanierung der Tiefgarage der Universität Regensburg waren einst Kosten von 49 Millionen Euro angesetzt worden. Mittlerweile heißt es, dass das Projekt mehr als 80 Millionen Euro verschlingen wird – und das, obwohl beträchtliche Leistungen, die zu Beginn noch eingeplant waren, nachträglich gestrichen wurden. Das Bauministerium begründet die Mehrkosten unter anderem mit Preissteigerungen und Massenmehrungen. Ob und vor allem in welcher Höhe das staatliche Bauamt Schadensersatzforderungen an beauftragte Firmen stellen wird, ist noch völlig unklar. Die Behörde hat zumindest vor längerer Zeit angekündigt, dass dies geprüft wird.

Traurige Berühmtheit hat das Projekt aber bereits ohnehin erlangt. So nahm es der Bund der Steuerzahler in sein aktuelles Schwarzbuch auf. In diesem werden Fälle aufgelistet, in denen nach Meinung des Bunds der Steuerzahler öffentliche Gelder in gravierender Form verschwendet wurden.

Hitzige öffentliche Debatte

An den Kosten der Sanierung der Uni-Tiefgarage entzündete sich auch in Regensburg eine hitzige öffentliche Debatte. Hart ins Gericht ging mit dem Verlauf des Projekts etwa die SPD-Landtagsabgeordnete Margit Wild. Zuletzt gab sie auch bekannt, dass das Bauministerium ihren Informationen nach noch weitere Nachzahlungsforderungen nicht ausschließe. Die Sanierung, die Mitte 2023 abgeschlossen werden soll, könnte also sogar noch teurer werden.

Auf den ersten Blick sogar noch drastischer wirkt die bisherige Kostensteigerung bei einem zweiten Großprojekt an der Universität: dem Neubau des Vorklinikums. Dieser kostet nun bereits 17 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant – und das, obwohl mit dem eigentlichen Bau noch gar nicht begonnen wurde.

Noch immer wird auf dem Gelände an der Universität, auf dem das neue Vorklinikum entstehen soll, nämlich nur abgerissen. Eigentlich hätte dies schon im Sommer 2019 abgeschlossen sein sollen. Es kam aber alles ganz anders. Mittlerweile gibt es alleine bei den Abbrucharbeiten eine Verzögerung von dreieinhalb Jahren,

Das Bauministerium begründet dies damit, dass sich die Ausführung der Schadstoffsanierung und des Rückbaus der alten Biologie verzögerte, „da es zu erheblichen baulich bedingten Mengenmehrungen und auch zu Ausführungsänderungen aufgrund abweichender Bauzustände kam“. Zu Beginn waren 114 Millionen für das Projekt vom Landtag genehmigt worden. Mittlerweile musste der Betrag noch während der laufenden Abbrucharbeiten um 17 Millionen Euro aufgestockt werden. Dieser Finanzierungsplan könnte aber erneut bereits überholt sein.

Im vergangenen Frühjahr hatte das Bauministerium schließlich noch angekündigt, dass in der zweiten Jahreshälfte mit dem Bau begonnen werden soll. Kurz danach gab es bekannt, dass die Abbrucharbeiten mindestens bis Anfang Oktober dauern werden. Dann zeigte sich aber, dass diese 2022 gar nicht mehr zu Ende gebracht werden. Auf Anfrage teilte das Ministerium mit, dass der Abbruch nun „voraussichtlich Anfang 2023“ abgeschlossen werden soll. Mit dem Neubau soll dann Mitte 2023 begonnen werden. In welcher Höhe ein weiterer Aufschlag beim Gesamtbudget nötig ist, stehe noch nicht fest, teilt ein Sprecher des Ministeriums mit. Der bayerische Bauminister Christian Bernreiter verwies im Oktober in einem Gespräch mit der Mittelbayerischen zu den gestiegenen Kosten der Uni-Projekte auf die „aktuellen Rahmenbedingungen, die jedem bekannt sind“.

„Immer gewisse Risiken“

Bei Bauprojekten gebe es außerdem „immer gewisse Risiken“, und derzeit sei es durch extrem gestiegene Baustoffkosten und „überhaupt davongaloppierende Preise“ besonders schwer, eindeutig zu kalkulieren. Letztlich müsse jeder Fall für sich untersucht werden, „und dann sieht man, ob Forderungen berechtigt sind oder nicht. Dafür haben wir in Deutschland klare Regeln“, sagte Bauminister Bernreiter. Er brach allerdings auch eine Lanze für die an den Projekten beteiligten Firmen: „Man darf von denen auch nichts Unmögliches verlangen.“