Das Center in Abensberg ist und bleibt ihr Leben

Von Wolfgang Abeltshauser · 9. Januar 2023 um 11:00

Petra und Hans-Jürgen Geltl gehören seit kurzem zum exklusiven Kreis der Abensberger, die sich Kulturpreisträger der Stadt nennen dürfen. Laut Bürgermeister Uwe Brandl sei das ein Dank dafür, dass sie das Center bis heute am Leben erhalten haben. Der Preis gibt den beiden zusätzliche Motivation.

„Wir waren schon sehr überrascht“, gesteht Petra Geltl im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Ein Brief der Stadt lag vor wenige Wochen in ihrem Briefkasten. Was darin stand, „habe ich mir zweimal durchlesen müssen“, lacht die 59-Jährige.

Nie hätten sie mit dieser Auszeichnung gerechnet. Sie nachzuvollziehen fällt ihnen aber nicht schwer. „Das Center ist mehr als nur eine Disco“, betont Hans-Jürgen Geltl. Es gibt seit langem regelmäßig Livekonzerte. Der Jazzclub hat im Center seine Heimat.

Ein Ende ist noch nicht abzusehen

Trotzdem hätte er nie so eine Auszeichnung für sich eingefordert. „Es ist eine unwahrscheinliche Ehre.“ Sie sporne an. Das sagen beide.

Ans Aufhören hätten sie aber ohnehin nicht gedacht. Denn: „Die Arbeit hier hält jung“, sagt Hans-Jürgen Geltl, der in diesem Jahr 70 wird. Wie lange es noch gehen soll? Auf eine Zahl wollen sie sich nicht festlegen. „Einige Jahre auf alle Fälle noch.“

Ein Leben ohne Center kennen die beiden als Paar praktisch nicht. Vor über 40 Jahren lernten sie sich kennen. Seither teilen sie sich die Arbeit als Chefs in der Kultkneipe. Hans-Jürgen Geltl macht das Organisatorische. Er kümmert sich um die Technik, kontrolliert die Heizung und so weiter.

Abstriche beim Privatleben

Wenn der Laden öffnet, sei seine Arbeit eigentlich getan. Petra Geltl koordiniert dann die Arbeit während der Öffnungszeiten. Und bedient auch selbst, wenn es sein muss.

Bei so einem Leben muss man an anderer Stelle Abstriche machen. Die Familie Geltl, es gibt zwei erwachsene Kinder, habe bis zum heutigen Tag keinen großen Familienurlaub machen können. „Es geht nicht, wegzufahren, wenn hier geöffnet ist“, stellen beide klar. Möglich seien nur kurze Ausflüge gewesen. „Immer so von Dienstag bis Freitag.“ Das hat sich bis heute nicht geändert. Den beiden macht das aber nichts aus.

Zeit für sich bleibt

Grund zur Klage gebe es ohnehin keinen. Das Center hat immer nur um das Wochenende herum offen. Da bleibe unter der Woche genügend Zeit zum Ausruhen und für die Zweisamkeit.

Während der Pandemie war sich Hans-Jürgen Geltl im Gespräch mit der Mittelbayerischen nicht sicher, ob das Center die lange Zeit der Schließung durchhalten könne. Das war im Herbst 2020. Wenige Monate später versicherte er aber, dass man auf alle Fälle durchhalten wolle. Da half der Zuspruch der Stammkunden und die Bitte der Jazzclub-Organisatoren, nicht für immer zu schließen.

Nicht absolut zufrieden

Beides habe schon beeindruckt, wie Hans-Jürgen Geltl jetzt im Rückblick verrät. Längst läuft wieder alles wie vor der Pandemie. Die Resonanz könne sich grundsätzlich sehen lassen. „Wir haben in etwa so viel Publikum wie vor Corona“, beantworten beide die entsprechende Frage.

Hans-Jürgen Geltl räumt ein: „Ganz zufrieden bin ich trotzdem nicht.“ Insgeheim habe er sich noch mehr Publikum erhofft. Immerhin sei viele Monate kein Discobetrieb möglich gewesen. Die Lust, fortzugehen, müsse doch angewachsen sein. Außerdem ist das Center mittlerweile die einzige Kneipe ihrer Art in der Region.

Alternativen zum Normalbetrieb

Aber jammern ist nicht die Sache der Geltls. Außerdem: Es erschließen sich neue Einnahmemöglichkeiten, an die vor einigen Jahren bei einer Disco noch nicht zu denken war. Es buchen sogar Brautpaare sein Lokal. „Wir haben schon Brautverziehen hiergehabt“, lacht Hans-Jürgen Geltl.

Bei diesem Brauch, bei dem Teile der Festgesellschaft die Braut dem Bräutigam in Anführungszeichen stehlen, braucht es einen Gastraum außerhalb des eigentlichen Hochzeitslokals.

Dazu wählen immer mehr Abensberger das Center als Ort für ihre Geburtstagsfeier. So etwas hatte sich Hans-Jürgen sich 2021 während der Pandemie schon als Alternative für den Normalbetrieb vorstellen können. Beide Beispiele zeigen: Viele vergessen das Center und das Ehepaar Geltl nicht. Auch so sorgen sie dafür, dass eine Legende am Leben bleibt.