Franz Löffler: Mit Bewusstseinswandel gegen Klimawandel

Von Johannes Schiedermeier · 9. Januar 2023 um 05:10

Der Klimawandel ist eine der Krisen, die den Landkreis Cham auch schon getroffen haben – mit Hagelschlag, Starkregen, Windwurf und Trockenheit. Im Teil drei unseres Jahresgesprächs haben wir mit Landrat Franz Löffler über mögliche Konzepte geredet, aber auch über Naturschutz, Wasserschutz und Daseinsvorsorge. Auch die große Politik war Thema.

Ein Konzept gegen den Klimawandel – schwierig, sagt Löffler. Sowas funktioniert seiner Ansicht nach nur, wenn es gelingt, dafür Bewusstsein in der Gesellschaft zu schaffen. Wenn 2000 private Gärten kleine Naturschutzinseln werden, wenn auf den Dächern Photovoltaik installiert wird...

Noch mehr Extreme

Trotzdem werden Extremsituationen aufgrund stehender Wetterlagen häufiger werden, prophezeit der Landrat. Spätestens das Ahrtal habe gezeigt, dass es schwer ist, effektive Vorsorge für alle Fälle zu treffen. Es gibt aber auch Dinge, die Löffler dringend empfiehlt: Flächenversiegelungen vermeiden, das Wasser im eigenen Garten versickern lassen, Zisternen bauen... Alles Dinge, die eine Gemeinde über die Bebauungspläne regeln kann.

64.100 Hektar der 150.000 Hektar Landkreisfläche sind landwirtschaftlich genutzt. Noch sind die Tiefbrunnen im Landkreis frei von Spritzmitteln und Dünger. „Wie lange noch?“, haben wir den Landrat gefragt. Was tut der Landkreis dagegen? Löffler verweist auf die Zuständigkeit der Fachbehörden wie Wasserwirtschaftsamt und Amt für Landwirtschaft. Viel habe sich inzwischen geändert an der Bodenbewirtschaftung. Trotzdem dürften Spritzmittel nicht den Weg ins Grundwasser finden. Andererseits sei die Landwirtschaft auch gefordert, in schwierigen Zeiten genügend Lebensmittel zu erzeugen.

Kreiswerkeleiter Dr. Klaus Amberger, der auch für die Versorgung des Landkreises mit Trinkwasser mitverantwortlich ist, hat in einem Interview gesagt, der Landkreis habe eigentlich kein Trinkwasserproblem. Einzelne Kommunen hätten eines. Wenn man genauer hinsehe, liege das meist aber in regionalen Problemen der dortigen Versorgung. Ist das angesichts bayernweiter Wasserknappheit zu optimistisch?

„Wir sparen Wasser und bereiten uns auch auf Engpässe vor“, sagt Löffler. Als Wasserversorger müsse man sich die Frage stellen, ob es im Sommer nicht öfter einmal sechs Wochen nicht regnen könnte. Auch wenn die Niederschlagmenge im Jahr gleich bleibe, könne das im Sommer zu Knappheit führen.

Jede Gemeinde muss Versorgung sichern

Die Antwort darauf sind laut Landrat große Verbünde zwischen den Versorgern, um in Notfällen woanders Wasser herzubekommen. „Diese Verbünde gibt es und auch die einzelne Gemeinde muss ihre Versorgung sichern“, sagt Löffler.

Zur Daseinsvorsorge gehört für viele Bürger auch ein Breitbandanschluss – Glasfaser ins Haus. Wie sieht es damit im Landkreis aus? Hier hat der Landrat Großes vor. Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 350 Millionen, wovon 90 Prozent aus Mitteln von Bund und Freistaat gefördert werden, will er mit dem im Jahr 2019 gegründeten Eigenbetrieb Digitale Infrastruktur in den kommenden Jahren ein eigenes Glasfasernetz als „passive Infrastruktur“ errichten und dieses Breitbandnetz auch selbst unterhalten. Neben den sogenannten „Weißen Flecken“, die über weniger als 30mbit/s verfügen und unerschlossen sind, sollen auch „Graue Flecken“ mit angeschlossen werden, deren Anschlusswerte zwischen 30 Mbit/s und 100 Mbit/s liegen oder wo Kupferkabel noch im Einsatz sind. Ab 2025 soll diese Aktion beginnen und zusätzlich 8000 Haushalte im ganzen Landkreis erschließen.

Beim Ausbau des Handynetzes auf 5G sieht der Landrat vielversprechende Aktivitäten der Anbieter für eine Flächendeckung ohne Funklöcher. Allerdings stoße man hier immer wieder auf ein altes Problem: „Die Anlieger wollen zwar mit dem Handy telefonieren, aber keinen Standort für den notwendigen Mast akzeptieren“, kritisiert Löffler.

Wie beurteilt er die Politik der Ampelkoalition? „Es ist nicht alles schlecht, was gemacht wird, aber manches ist zu zögerlich. Zum Beispiel der Energiepreis-Deckel“, sagt Löffler. Bei der Atomkraft herrsche zu viel grüne Ideologie. Das Energieproblem, so der Landrat, müsse jetzt gelöst werden. Und dazu brauche es halt auch Pragmatismus. Beim 49-Euro-Ticket müsse man sich auch fragen, was es dem ländlichen Raum am Ende bringe. „Wenn ich im Landkreistag sehe, was es uns kostet, dann muss ich am Ende sagen: Am meisten nützt es den Ballungsräumen.“

ÖPNV ist nicht alles

Wenn in Tiefenbach und Wald das 49-Euro-Ticket angeboten werde, dann müsse das der Landkreisbürger über die Steuerschraube auch mitzahlen, auch wenn es in weiten Teilen nicht nutzbar sei. Der Wohlstand im Landkreis habe viel zu tun mit Mobilität. Und zwar mit individueller und flexibler Mobilität. „Der ÖPNV wird uns nicht alle Fragen beantworten“, sagt Löffler.

Wo steht der Landkreis in zehn Jahren? Der Landrat ist da zuversichtlich: „Wir sind innovativ genug, um noch widerstandsfähiger gegen Krisen zu sein und noch attraktiver für die Bürger. Es werden noch weniger junge Menschen abwandern wollen, weil sich das Umfeld bei uns besser entwickelt, als es in den Ballungsräumen sein kann.“

Laut Landrat Franz Löffler braucht es für ein Konzept gegen den Klimawandel erst einmal das Bewusstsein.