Empfang beim Bundespräsidenten: Schwandorfer Sternsinger erleben Unvergessliches

So nah kommt man Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nur selten. 25 Sternsinger aus Schwandorf hatten am Freitagvormittag die große Ehre, als einzige Vertreter dem deutschen Staatsoberhaupt den Segen fürs neue Jahr zu überbringen. Das Protokoll gab einen strengen Ablauf vor und sperrte gar Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) aus Schloss Bellevue aus. Die Sternsinger erlebten derweil unvergessliche Momente.
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Schloss Bellevue in Berlin ist der Amtssitz des Bundespräsidenten. Ein hoher Zaun und einige Polizisten sichern das Gelände. Schon fünfmal hat Steinmeier hier Sternsinger empfangen. Er folgt damit einer Tradition, die bereits seine Amtsvorgänger Karl Carstens, Roman Herzog, Johannes Rau, Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck pflegten. In den vergangenen beiden Jahren musste die Aktion wegen Corona auf Eis gelegt werden. Am diesjährigen Dreikönigstag wurde sie mit dem Besuch aus der Großen Kreisstadt wiederbelebt. „Meine Frau und ich sind ganz glücklich. Endlich ist es in diesem Jahr wieder möglich“, wie der Bundespräsident im Laufe des Empfangs erklärte.
Schwandorfer Sternsinger bundesweit im Fokus
16 Mädchen und neun Jungen bildeten die Sternsinger-Abordnung aus Schwandorf. Der Großteil von ihnen ministriert in der Stadtpfarrei St. Jakob bei Pfarrer Christian Kalis. Doch es gab auch Mitfahrer aus den Pfarreien Herz Jesu und St. Paul, vom Kreuzberg, aus Fronberg und der Realschule St. Josef. Die Gruppe gab vor Schloss Bellevue ein prächtiges Bild ab. Die edlen Gewänder, die Kronen und nicht zuletzt die Ausstrahlung der Kinder sorgte für einen ganz besonderen Moment. Reporter aus ganz Deutschland hatten längst ihre Kameras gezückt und setzten die Kinder und Jugendlichen in Szene.
Als alle ihre Position eingenommen hatten, durfte Madlen Mieschala an der imposanten Holztüre, durch die sonst Staats- und Regierungschefs schreiten, kräftig klopfen. Sogleich öffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Tür und kam mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender heraus. Er ganz staatsmännisch im Anzug und mit Mantel, sie im auffälligen blauen Hosenanzug. Die Hausherren im Schloss Bellevue freuten sich sichtlich über den Besuch und sogleich sangen die Schwandorfer das Lied „Seht ihr unsern Stern dort stehen“, das sie zuvor mit Kirchenmusikerin Maria Pritzel einstudiert hatten. Madlen Mieschala hatte zudem die Ehre, den Segensspruch der Sternsinger, „20*C+M+B+23“, mit Kreide an das Portal zu schreiben. „Christus mansionem benedicat. Das heißt: Christus segne dieses Haus, auch im Jahr 2023“, sagten die Sternsinger Valentin Bäuml, Jule Betzlbacher und Benjamin Jobst dazu ins Mikrofon.
Sternsinger durften auch ins Schloss Bellevue hinein
Doch damit nicht genug. Die Sternsinger durften auch ins Schloss Bellevue eintreten: Eine Ehre, die sonst nur ranghohen Gästen aus der ganzen Welt erfahren. In der Empfangshalle im Obergeschoss, dort wo imposante Kronleuchter für Licht sorgen, ging das Programm weiter. Die Schwandorfer schafften es sogar, beim Lied „Seht ihr unseren Stern dort stehen“ Steinmeier und seine Ehefrau zum Mitsingen zu bewegen. Der Bundespräsident und seine Gattin bekamen zur Sicherheit ein Papier mit dem Liedtext gereicht.
Zuvor hatten die Schwandorfer dem Staatsoberhaupt das Motto des diesjährigen Dreikönigssingens „Kinder stärken, Kinder schützen – in Indonesien und weltweit“ vorgestellt. Heuer gehe es vor allem darum, den Schutz von Kindern vor Gewalt in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei solle auf Mädchen und Jungen aufmerksam gemacht werden, die unter physischer, sexualisierter oder psychischer Gewalt leiden. Indonesien ist dafür das Beispielland der Aktion. Auch ihre Heimat präsentierten die Oberpfälzer. Sie gingen beispielsweise auf die Felsenkeller in der Großen Kreisstadt ein. „Früher lagerte dort Bier, jetzt sind sie eine Touristenaktion“, erklärte Toni Glaab dem Bundespräsidenten. Und Leonie Mann sagte: „Es gehört für uns dazu, im Januar als Sternsinger den Segen zu bringen und uns für Kinder in Not einzusetzen.“
Steinmeier dankt dem Besuch aus Schwandorf
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schritt in der Empfangshalle ebenfalls ans Mikrofon. „Dass wir 20 Majestäten rings um uns versammelt haben, das ist in der Tat bei einem Staatsbesuch noch nie vorgekommen“, sagte er und brachte so nochmals seine Freude über den Besuch zum Ausdruck. Er dankte auch für den Segen, den die Schwandorfer mit nach Berlin brachten – und das „in einer Zeit, in der viele Turbulenzen um uns herum bestehen, in einer Zeit, in der Krieg herrscht in Europa“. Der Hausherr griff auch das Motto der diesjährigen Sternsingeraktion auf. „Ihr braucht Erwachsene, die hinschauen und die wissen, was Kinder brauchen und wollen“, sagte er. Steinmeier betonte, dass auch der Zustand des Weltklimas viele Jugendliche beschäftigt. Vor wenigen Tagen sei er beispielsweise nach Brasilien gereist und habe den Regenwald besucht. „Der Schutz des Regenwalds gilt auch dem Schutz der Kinder und der künftigen Generationen“, betonte der Bundespräsident.
Stadtpfarrer: Steinmeier sehr menschlich
Schwandorfs Stadtpfarrer Christian Kalis, der die Berlin-Fahrt zusammen mit Sebastian Ulbrich vom Kindermissionswerk organisierte, zeigte sich nach dem Besuch beim Bundespräsidenten beeindruckt. „Die Kinder waren sehr konzentriert und konnten trotzdem die Freude an ihrer Aufgabe zum Ausdruck bringen“, sagte er. Der Bundespräsident habe die Gruppe sehr begeistert. Nach dem offiziellen Teil habe er sich viel Zeit für die Fragen der Schwandorfer genommen. „Ich habe Frank-Walter Steinmeier sehr menschlich erlebt. Er hatte viel Geduld und hat den Kindern sogar verraten, ob er einst eine schlechte Schulnote bekam“, sagte Kalis. Für den Seelsorger war die Reise nach Berlin „ein Höhepunkt, den man nie vergessen wird“.
Bereits am Donnerstag war die Gruppe in die Hauptstadt gereist. Die Schwandorfer CSU-Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf empfing die Sternsinger am Hauptbahnhof und führte sie durch das Regierungsviertel. Auch ermöglichte die Politikerin der Gruppe einen Besuch auf der Kuppel des Reichstags und einen Blick in den Plenarsaal. „Es ist etwas ganz Besonderes, dass die Sternsinger aus Schwandorf vom Bundespräsidenten empfangen werden. Sie sind wertvolle Botschafter für unsere Heimat “, sagte sie. Das sei auch für sie als Schwandorferin „eine große Ehre“. Die 25 Sternsinger habe sie „als offene und interessierte Gruppe“ kennengelernt.
Feller: „Große Sache für ganze Stadt“
Den Besuch beim Bundespräsidenten konnte Englhardt-Kopf derweil mit Blick auf ihren Terminkalender und „das strenge Protokoll des Bundespräsidialamtes“ nicht miterleben. Nur die Sternsinger und angemeldete Pressevertreter hatten Zugang zum Schloss Bellevue. Auch Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller, der privat mit seiner Frau Susanne in Berlin weilte, hatte keine Chance, am Empfang teilzunehmen. Feller stattete der Gruppe daher ebenfalls am Vortag einen Besuch ab. „Sie sind hochmotiviert. Das ist eine große Sache, nicht nur für die Ministranten sondern auch für unsere ganze Stadt“, sagte er.