Tempo 30 in der Regensburger Weißenburgstraße sorgt für Zoff

Wer über die Weißenburgstraße auf die Nibelungenbrücke will, darf nicht schneller fahren als 30 – zur „Luftreinhaltung“. Das Limit muss 2023 weg, sagt die CSU-Fraktion im Stadtrat. Sie verschärft im Streit über die Geschwindigkeitsbegrenzung den Ton.
Die Stadt hatte die Geschwindigkeitsbeschränkung 2019 eingeführt, weil wegen der schlechten Luft in Regensburg ein Rechtsstreit mit der Deutschen Umwelthilfe drohte. Die Luft wurde besser, die Organisation zog ihre Klage zurück – und die CSU forderte die Stadtverwaltung bereits im Juni auf, Tempo 30 in der Weißenburgstraße wieder abzuschaffen „und eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt in ihrem ursprünglichen Zustand, mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde, wiederherzustellen“ . Sie blitzte ab, weshalb CSU-Fraktionschef Jürgen Eberwein jetzt nachlegt: „Da weigert sich bisher die Verwaltung, diesen Stadtratsbeschluss umzusetzen.“ Darin heißt es: Die Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde solle „bis zur Einhaltung des NO2-Grenzwerts von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel entsprechend der Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen aufrechterhalten“ werden.
Stadtsprecherin Katrin Butz sagt: „Daraus den Umkehrschluss zu ziehen, dass bei Einhaltung der Grenzwerte die Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben werde, ist so im Beschluss nicht zu finden.“ Sie erklärt: „Wenn wir diese wirkungsvolle Maßnahme aufheben würden, würde das dazu führen, dass die Werte wieder steigen.“ Das verstoße gegen das Verschlechterungsverbot. In der Weißenburgstraße 1 sei die Stickstoffdioxidbelastung 2022 mit einem vorläufigen Mittelwert von 35 Mikrogramm pro Kubikmeter stadtweit am höchsten gewesen. Die SPD plädiert ebenfalls für Tempo 30: „Wenn es wirkt, dann sollte man es eben auch lassen“, so Fraktionschef Thomas Burger. Stadtsprecherin Butz ergänzt: Auch der Lärmschutz spreche dafür, vor allem nachts.
Anwohner sind für das Tempolimit
Unter den Anwohner hat das Tempolimit viele Freunde. So wünscht sich Natalie Rosner (21), dass es weiterhin gilt, „damit es nicht so laut ist“. Emily Pinsker (23) sieht das genauso. „Tagsüber geht’s“, sagt sie über die Lärmbelastung jetzt. Nachts seien im Sommer trotz der Beschränkungviele Raser unterwegsgewesen. Auch Jeannette Stichel (74) ist „auf alle Fälle“ für ein Tempolimit. „Der Lärm, die Abgase“, das sind ihre Argumente. Rudolf Stichel (64) pflichtet ihr bei und fordert: „Öfter kontrollieren“.
2022 jedenfalls wurden Tausende erwischt. Die Stadt blitzte hier 3257-mal Fahrzeuge, die schneller fuhren als 30.